Neuer Michelin-Guide Spitzenkoch Alain Ducasse hat wieder drei Sterne

Frankreich ist das Land des guten Geschmacks. Dafür vergibt der Michelin-Führer in seiner aktuellen Ausgabe haufenweise Sterne. Ausgezeichnet wurde auch eine Küchenchefin, die erst 21 Jahre alt ist.

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Frankreichs Gourmetwelt ist um 52 Sternelokale reicher - aber dennoch trauerte die Branche bei der heutigen Bekanntgabe der neuen Michelin-Restaurants. Die diesjährige Ehrung der französischen Spitzenköche wird überschattet vom Tod des Kollegen Benoît Violier. Der Leichnam des 44-jährigen Franzosen war am Sonntag in seiner Wohnung aufgefunden worden.

Mit der aktuellen Frankreich-Ausgabe des "Guide Michelin" bekamen nun Dutzende Köche zwischen Normandie und Provence für ihre Haute Cuisine erstmals Sterne verliehen. Zu den Newcomern gehören die gerade mal 21 Jahre alte Julia Sedefjian, Küchenchefin im Pariser Restaurant Les Fables de la Fontaine, sowie Angelo Ferrigno. Er ist Chefkoch in der Maison des Cariatides in Dijon. Mit Younghoon Lee (im Le Passe Temps, Lyon) wurde erstmals in Frankreich ein koreanischer Koch mit einem Stern geehrt.

Gute Nachrichten auch für Küchenberühmtheit Alain Ducasse vom Pariser Plaza Athénée: Er hat seinen dritten Stern zurück. Der 59-Jährige musste sich im vergangenen Jahr mit zwei Sternen zufriedengeben, nachdem er 2014 seine Küche mit einem neuen Natürlichkeitskonzept gestaltet hatte. Die Freude dürfte allerdings dadurch getrübt sein, dass der Michelin den ebenfalls von Ducasse geleiteten Gourmettempel Le Meurice von drei auf zwei Sterne herabstufte.

"Ich sage gerne, dass man ohne Michelin-Sterne leben kann - mit lebt man aber viel besser", sagte Ducasse. "Ich habe zum achten Mal drei Sterne bekommen, sie haben mir vier- oder fünfmal welche weggenommen. Ich zähle nicht mehr und es geht weiter!"

Das alljährliche Votum der Gastrokritiker wird stets mit großer Spannung erwartet - und beschert Spitzenköchen zuvor schlaflose Nächte. Denn die Michelin-Sterne sind die wohl bekannteste und wichtigste Auszeichnung in der Welt der Spitzengastronomie. Sie entscheiden daher mit über wirtschaftlichen Erfolg und Bekanntheit von Restaurants und Köchen, auch wenn das Kritikerurteil häufig umstritten ist.

Auf der Suche nach den besten Adressen fürs Essen sind erfahrene Tester anonym im Einsatz, die zur Vergabe der begehrten Sterne ein einheitliches Bewertungssystem zugrunde legen. Als Kriterien gelten unter anderem die Qualität der Produkte, eine persönliche Note, das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie eine auf Dauer gleichbleibende Qualität.

Frankreich hat nun 600 Sternelokale

Niedergeschlagenheit herrschte im bisherigen Dreisternerestaurant Relais Bernard Loiseau im burgundischen Saulieu: Das Restaurant verlor einen Stern. Besitzerin Dominique Loiseau äußerte sich in einer E-Mail an ihre Mitarbeiter "schockiert und sehr enttäuscht" über die Abstufung und kündigte an, alles unternehmen zu wollen, um den dritten Stern zurückzuerobern.

Christian Le Squer im Le Cinq: Ein dritter Stern für den Pariser Koch
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Christian Le Squer im Le Cinq: Ein dritter Stern für den Pariser Koch

Insgesamt gibt es in Frankreich nun 26 Restaurants mit drei Michelin-Sternen. Auch Christian Le Squer mit seinem Le Cinq in Paris stößt auf die oberste Stufe der Kochkunst vor.

"Guide Michelin"-Chef Michael Ellis verwies bei der Vorstellung des neuen Restaurantführers in Paris auf die Bedeutung der französischen Hauptstadt für die Küche des Landes: Von den 380 neuen Restaurants im "Guide Michelin" sei ein Drittel aus Paris. Insgesamt bekamen 600 Restaurants zwischen Côte-d'Azur und Normandie, vom Baskenland bis ins Elsass mindestens einen Stern, darunter 52 neue Gaststätten.

Benoît Violier sollte eigentlich auch bei der Präsentation des neuen Michelin-Führers dabei sein. Sein Restaurant war erst vor wenigen Wochen als "Bestes Restaurant der Welt" geehrt worden. Der "Guide Michelin" hatte das L'Hôtel de Ville in Crissier in der Schweiz mit drei Sternen ausgezeichnet.

Gleich zu Beginn der Pressekonferenz legten die Anwesenden eine Schweigeminute für den nun verstorbenen Kollegen ein. Die Verantwortlichen des Gastroführers würdigten Violier als "Koch mit riesigem Talent". "Wir werden heute nur darüber reden", sagte Starkoch Pierre Gagnaire bereits vor der Verleihung laut der Schweizer Nachrichtenseite 24heures.ch.

Jahr für Jahr kürt der "Guide Michelin" die besten Restaurants und damit die besten Köche der Welt. Im November kam die aktuelle Foodie-Fibel für Deutschland heraus. Dabei wurden 290 Restaurants ausgezeichnet, acht mehr als 2015.

jus/dpa/AFP



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