Gouffre Berger in Frankreich: Licht im Schacht

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Was für Bergsteiger der Mount Everest, ist für Höhlenkletterer die Gouffre Berger in Frankreich: Das Labyrinth unter der Erde ist ein Klassiker, die Erkundung ihrer Gänge und Seen ein Lebenstraum. Einem britischen Fotografen gelangen beeindruckende Aufnahmen in 1122 Meter Tiefe.

Gouffre Berger in Frankreich: Höhle der Finsternis Fotos
Robbie Shone

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Als die 190 Kletterer diesen Sommer in den Vercors kamen, wollten sie keinen einzigen Gipfel der französischen Alpen erklimmen. Nicht einen Meter in die Höhe wollten sie steigen - ihr Ziel lag unter ihnen, 1122 Meter tief in der Erde. "Im Juli habe ich Menschen aus 14 Ländern einen Traum erfüllt", sagt Rémy Limagne. Der passionierte Kletterer organisierte einen Massenabstieg in eine der tiefsten Höhlen Frankreichs: in die Gouffre Berger.

Auch Robert Shone aus Manchester war dabei - es war sein viertes Mal in dem Höhlenlabyrinth bei Grenoble. Für den 32-jährigen Fotografen, der sich auf Abenteuer- und Höhlenfotografie spezialisiert hat, gibt es nichts Aufregenderes, als sich mit der Kamera in die Dunkelheit zu stürzen. "Höhlen sind die ultimative Herausforderung für Fotografen", sagt Shone. "Sie sind schwärzer als die Nacht, jeden Funken Licht musst du selber mitbringen."

"Was der Mount Everest für viele Bergsteiger ist, ist die Gouffre Berger für Höhlenkletterer", sagt Shone, "ein Klassiker." Beides seien Orte voller Geschichte, Herausforderungen und Schönheit. 1953 entdeckte die Höhle der Franzose Joseph Berger bei einer Expedition - es war eine Sensation: Einige Jahre galt sie als die tiefste Höhle der Welt. Seither wagten sich viele Menschen in den Alpenschlund, versuchten, Weltrekorde aufzustellen - mehrere ließen dort ihr Leben.

Gefahr in der Tiefe

"Bei schweren Regenfällen kann der Abstieg tödlich enden", sagt Expeditionsleiter Limagne. "Doch erfahrene Kletterer können das Risiko kontrollieren." Limagne steigt seit mehr als 40 Jahren in Höhlen, sie sind seine Leidenschaft, wie er sagt.

Ende Juli hatte der 52-jährige Franzose ein internationales Kletterertreffen in Autrans organisiert - aus aller Welt waren die Menschen gekommen, von Finnland bis zum Libanon. 14 Kilometer vom Eingang der Gouffre Berger entfernt, starteten sie ihre zehntägige Expedition in die Finsternis. "Einige von uns sind schon früher angereist, um 1500 Meter Seil zu verlegen", sagt Limagne. Auf minus 500 Metern hat das Team ein Camp aufgebaut, von dem aus die Expeditionen zum Grund losgingen.

Limagne unterteilte die 190 Mann starke Gruppe aus Sicherheitsgründen in Dreißigerteams und stellte einen Plan auf, welche wann zum Grund der Höhle vorstoßen durfte. "Zu den Qualitäten eines Kletterers gehört auch, eine Expedition abzubrechen, wenn nicht perfekte Bedingungen herrschen." Auch bei der Tour im Juli gab es so einen Tag - ausgerechnet, als das Team um den Fotografen Shone zum tiefsten Punkt hinabsteigen wollte. "Wir haben gewartet, bis das Wasser wieder einen sehr tiefen Stand erreicht hat", sagt der Brite. "Und hatten dann viel Zeit für die Aufnahmen."

Der Eingang der Höhle besteht aus acht vertikalen Schächten, sie sind insgesamt rund 300 Meter lang. Einige Passagen hier sind weniger als einen halben Meter breit. Man muss eine spezielle Stemmtechnik beherrschen, um sich durch die schmalen Windungen zu manövrieren. Dabei pressen Kletterer ihre Körper gegen die glatten Wände, ihre Füße suchen sich Felsvorsprünge, um auf ihnen zu balancieren. "Wer abglitscht, rutscht mit Pech einige Meter, bis er wieder verkeilt." Rund die Hälfte der 190 Kletterer hat es letztlich bis zum tiefsten Punkt geschafft. Sie brauchten zwischen 15 und 40 Stunden dafür.

LED-Kopflampen mit 1500 Lumen

Allein wäre es unmöglich gewesen, genügend Strahler für das Fotoprojekt zu transportieren. Doch wenn so viele Menschen mitklettern, dann lässt sich eine beachtliche Lampenausrüstung hinunterschleppen. "Ich verdanke es meinen Helfern, dass ich diese Fotos von der Gouffre-Berger-Höhle machen konnte", sagt Shone.

Zu seiner Ausrüstung gehörten neben diversen LED-Kopflampen mit 1500 Lumen auch batteriebetriebene Blitzgeräte und altmodische Blitzlichtbirnen, die für sehr viel Helligkeit sorgen. "Wir haben nur kompakte und leichte Lichtquellen mitgenommen, so hatten wir auch in den engen Passagen keine Probleme."

Die schwierigste Aufgabe bestand darin, die immensen Räume auszuleuchten. Es gibt in der Gouffre Berger bis zu hundert Meter breite Tunnel, insgesamt ist die Höhle rund 20 Kilometer lang. "Wenn du die Lampen richtig platzierst, kannst du die Wände zum Leben erwecken." Shone hat sich bereits in vielen Teilen der Erde zusammen mit seiner Kamera abgeseilt - ob in die Kavakuna-Doline in Papua-Neuguinea, in den Miao-Keng-Schacht im chinesischen Chongqing oder in die Deer Cave in Malaysia.

Aber die Gouffre Berger ist und bleibt etwas Besonderes - nicht nur wegen ihrer Tiefe: "Es ist für Kletterer eine Art Initiationsritus, den Boden der Gouffre-Berger-Höhle zu erreichen." Shone hatte unzählige schöne Augenblicke unter der Erde. Doch einen der großartigsten Momente erlebte er im Juli. Einer seiner Freunde, Matthieu Thomas, war bei dem Höhlentrip dabei. Er hat seiner Freundin Anne Sophie einen Heiratsantrag gemacht hat - mehr als tausend Meter unter der Erde.

"Ich habe das lange vorbereitet", sagt der 28-jährige Geomorphologe. Auf einen seiner Karabinerhaken hat er bei dem Trip ganz besonders gut aufgepasst, einen Haken mit Gravur. "Willst du mich heiraten", steht darauf geschrieben. Was Anne Sophie antwortete? "Oui."

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Wow...
trafozsatsfm 12.09.2012
Phantastische Bilder... da kann man neidisch werden! Definitiv Orte, zu denen ich niemals gelangen werde. Aber was soll's? Der Durchschnittsmensch muss sich halt damit zufrieden geben, bestenfalls mal irgendwo gewesen zu sein, wo sich nur selten andere Menschen hinverirren.
2. Schöner
MaxMütze 13.09.2012
und interessanter Artikel mit spannenden Bildern - und jetzt kommt das Aber: der Vercors gehört meines Wissens nicht zu den Alpen, sondern ist Voralpenland. Und immer eine Reise wert, egal ob in die beschriebene Höhle oder oberirdisch.
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