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Höhlentour in der Schweiz: Abstieg ins Höllenloch

Enge Röhren, weitläufige Steinsäle, steile Felsrutschen: Eine Tour im Schweizer Hölloch kann zutiefst beängstigend sein - und zugleich befreiend. Im zweitgrößten Höhlensystem Europas können Besucher sogar übernachten. Fabian Schweyher war zwei Tage in der ewigen Finsternis.

Schweizer Hölloch: Käsefondue beim Höhlenbiwak Fotos
Trekking Team

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Plötzlich ist Marco Lussmann in der Dunkelheit verschwunden. Die kleine Gasflamme auf meinem Helm erleuchtet schwach die Umgebung, doch da ist nichts außer schroffen Steinwänden. Wo ist der Höhlenführer hin? Unter einem Vorsprung mache ich einen Gang aus, in den ich gebückt hineinkrabbele, mich bald liegend hindurchzwängen muss. Endlich erreiche ich einen Raum im Fels - dort wartet Lussmann auf seine Schützlinge.

Am Vormittag ist der Höhlenführer mit acht Touristen in das Hölloch in der Schweiz eingestiegen, das nahe der Gemeinde Muotathal im Kanton Schwyz liegt. Zwei Tage und eine Nacht werden wir mit Lussmann in dem Höhlensystem verbringen, das mit rund 200 Kilometern bekannter Länge als zweitgrößtes in Europa gilt. Der 33-Jährige wirkt, als könne er in der Finsternis sehen, als trage er einen Plan des Höllochs in sich. "Man muss sich die Gänge fotografisch einspeichern", sagt er. Lussmann orientiert sich an bestimmten Gesteinsformationen, im Zweifel helfen auch Kompass und Karte.

Unter den Höhlengängern sind Studenten, ein Uhrmacher, ein Koch und ein Universitätsdozent. Die Frauen und Männer sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Die meisten von ihnen hat die Neugier in das Hölloch geführt. "Wir wollten etwas Neues ausprobieren", sagen die Freunde Markus und Robert, die sonst auf und nicht in den Bergen unterwegs sind.

Für den Trip in die Unterwelt haben wir uns mit roten Overalls und Gummistiefeln gewappnet, im Rucksack sind Schlafsack, Wäsche und Verpflegung dabei. Den Kopf schützt ein roter Helm, an dem eine Gasflamme leuchtet. Genährt wird die Karbidlampe über einen Schlauch, der mit einem Metallbehälter an der Hüfte verbunden ist. Darin reagiert Wasser mit Karbid zu brennbarem Gas. Eine alte, robuste Technik. Zwar hat Lussmann auch eine elektrische Leuchte dabei. Doch im Vergleich zu dem grellen Kunstlicht erhellt die Flamme viel sanfter die Nacht.

Angst vor der Finsternis

Unser Weg durch das Gängesystem ist ein ständiges Auf und Ab. Immerhin kann der größte Teil des Höhlensystems aufrecht begangen werden. Doch irgendwann kann eine junge Frau nicht mehr. "Ich habe Angst vor der Finsternis", sagt sie und schaut, als ob sie in der ewigen Nacht dunkle Gestalten vermute. Sie will nur noch raus. Jetzt steht die gesamte Gruppe vor der Entscheidung: Entweder geht man zusammen weiter - oder tritt den Rückweg an.

"In der Höhle gibt es nicht 'mein Problem', sondern nur 'unser Problem'", sagt der Höhlenführer, in dem unterirdischen Labyrinth sei jeder auf jeden angewiesen. Wir sollen in der Finsternis aufeinander aufpassen, müssen uns an Kletterstellen helfen, uns gegenseitig vor Abgründen warnen. "Ihr müsst miteinander sprechen", sagt Lussmann. "Das ist hier unten das Wichtigste."

Die Gruppe macht eine Pause und geht dann langsam weiter. Der Führer beobachtet genau, wie sich die Frau fortbewegt. "In Höhlen trifft man auf viele Dinge, die Angst machen", sagt er. "Die Finsternis, die Enge." Die Höhle zwinge den Menschen, sich seinen Ängsten zu stellen, immer wieder - auch er müsse das tun. Die junge Frau scheint sich zu beruhigen, Schritt für Schritt gewinnt sie ihren Mut zurück.

Die gewundenen Gänge des Höllochs sind typisch für Karstgebiete, bei denen das Wasser an der Oberfläche nicht abfließen kann. Stattdessen läuft es durch winzige Verästelungen in das Gestein - bis schließlich nach vielen tausend Jahren ein Röhrennetz entstanden ist. Rund 55 Tierarten haben hier ihr Zuhause. Die meisten von ihnen sind äußerst klein, weil sie nur wenig Nahrung finden.

Biwakhöhle mit Feldbetten

Nach vier Stunden Gehzeit öffnet sich der enge Fels in einen großen Hohlraum. Das Nachtlager ist erreicht: Feldbetten, drei Tische mit rotweiß gemusterten Tischdecken, Sitzbänke. An einer der Steinwände eine Spüle mit zwei Herdplatten. Dort steht Hans Moor und pfeift vor sich hin. Er trägt keinen Ganzkörperanzug, sondern eine helle Weste aus Wolle.

Lässig bewegt sich der 52-Jährige durch die dunkle Kaverne, ganz so, als ob er hier zu Hause wäre. "Böse Zungen behaupten das", sagt der Biwakchef grinsend, der für das Lager zuständig ist. Moor nennt es ein "Luxusbiwak". Für die Touristen gebe es schließlich fließendes Wasser, Medikamente und eine Toilette hinter einer Plane.

Nicht zu vergleichen mit den Biwaks tief im Inneren des Höllochs, in denen die Forscher nächtigen. Dort gibt es nur Benzinkocher und Gummimatratzen. Auf dieses Nachtlager sind die Wissenschaftler angewiesen, denn die noch weißen Flächen auf den Karten liegen so tief im Inneren der Erde, dass sie mehrere Übernachtungen einplanen müssen. Experten gehen davon aus, dass sich das Hölloch auf 1000 Kilometer Länge erstreckt.

Wir lassen die Rucksäcke am Biwak zurück und bahnen uns den Weg durch den Berg, um in die sogenannte Schlange einzusteigen. Ein langer und gebogener Gang, gerade mal brusthoch und abschüssig wie eine Skipiste. Die Frau, die zuvor noch ängstlich durch die Höhle tappte, geht jetzt direkt hinter Marco Lussmann. Zielstrebig setzt sie sich auf den feuchten und glatt polierten Steinboden und jagt ihm den Abhang hinterher.

Ich folge ihr. Rasend schnell geht es hinab, dann wieder müssen die Hände nachhelfen. Danach geht es zu Fuß viele Dutzend Meter eine Rampe hinauf. Immerhin kann ich fast aufrecht gehen. Als der Gang sich kurz zu einem Spalt verengt, krieche ich hindurch. Manchmal kann ich mich auf dem Bauch liegend seitlich durch die Felsen schieben.

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1. Was suchen die da?
eternalorakel 17.03.2011
Na hoffentlich geraten die da unten nicht an die angriffslustigen Reptos...
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Kleiner Grenzverkehr: SPIEGEL ONLINE schickt Sie ins alpine Basis- und Höhenlager. Man spricht Dütsch: Von Cüpli über Zeltli bis zum Gipfeli - ein Sprachtest mit 13 Helvetismen, die nicht jeder versteht.

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