Hotel mal anders Eine Nacht im Hafenkran

Als Zugabe lässt sich das Minihotel in 50 Meter Höhe um die eigene Achse kreisen, dabei wartet das Innere des Hafenkrans in Harlingen schon mit einigem Luxus auf. Ebenso wie der Leuchtturm nebenan. Oder der umgebaute Seenotrettungskreuzer. In den Niederlanden finden sich einige außergewöhnliche Unterkünfte.


Hotelzimmer im Kran: In Harlingen können abenteuerlustige Urlauber 50 Meter über dem Hafenbecken übernachten
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Hotelzimmer im Kran: In Harlingen können abenteuerlustige Urlauber 50 Meter über dem Hafenbecken übernachten

Harlingen - Ob im Hausboot oder Hafenkran, Leuchtturm oder Rettungskreuzer, in der Windmühle oder im Wohnwagen - in den Niederlanden können Urlauber an ganz besonderen Plätzen übernachten. In vielen Orten gibt es entsprechende Alternativen zum Hotel - in der friesischen Hafenstadt Harlingen zum Beispiel gleich drei davon.

Genau 76 Stufen führen im Leuchtturm von Harlingen aufwärts. Oben öffnet sich ein kleines Paradies: ein Doppelbett, Fernseher, DVD-Player, Frühstücksecke, Funkgerät und ein grandioser Ausblick. Eng stehen mittelalterliche Giebelhäuser auf der einen Seite an den Grachten, nach Norden schweift der Blick über Hafen und Wattenmeer.

Seit fünf Jahren hat der Leuchtturm eine neue Bestimmung: Er ist ein "Minihotel" für eine Nacht. Aus aller Welt reisen die Gäste in die Hafenstadt, in der die Fähren zu den Wattenmeerinseln Vlieland und Terschelling ablegen. "Die Allermeisten haben einen ganz besonderen Anlass, einmal in ihrem Leben ausgerechnet in einem Leuchtturm zu schlafen", sagt die Gästebetreuerin Hilda Uphoff.

Seenotrettungskreuzer "Lilla Marras": Einst Lebensretter, heute ein Platz für eine Nacht
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Oft seien es Geschenke zum runden Geburtstag, die Silberhochzeit, oder einfach die Vorliebe für maritimes Ambiente. "Wir haben nie gezählt, wie viele Heiratsanträge auf dem Leuchtturm gemacht worden sind", sagt Uphoff. Ende der neunziger Jahre hatte der Journalist Goose Beerda das ausgediente Leuchtfeuer gekauft und sich damit einen romantischen Traum erfüllt. Faszinierend für die meisten Gäste ist vor allem die Rundsicht aus mehr als 20 Meter Höhe.

Wunder über Wunder

Im Hafen steht als zweites "Minihotel" ein ausgedienter Hafenkran, den Goose Beerda ebenfalls umbauen ließ. "Wonder boven Wonder" (Wunder über Wunder) verspricht die Leuchtschrift den Gästen an der Eingangsluke. Mit zwei Aufzügen geht es himmelwärts. "Nehmen Sie nur ganz kleines Gepäck mit", empfiehlt Uphoff. Denn der zweite Aufzug ist nur eine enge Metallröhre, in der drei Personen körpernah Platz finden und in Sekundenschnelle in 50 Meter Höhe befördert werden.

Dort wartet auf zehn Quadratmetern edles Industriedesign: eine Zweierdusche mit farbig wechselnden Lichtspielen, DVD-Player, Bar und eine vom Wind umtoste Dachterrasse. Den besonderen Clou erleben die Gäste im gläsernen Führerhaus des Krans, der vom Ende der sechziger Jahre bis 1996 beim Entladen von Holzfrachtern aus Russland und Skandinavien eingesetzt wurde: Mit leichtem Hebeldruck lässt sich der stählerne Riese in Bewegung setzen und um die eigene Achse drehen.

Zirkuswohnwagen: Die Wohnwagen "Mammaloe" und "Pipo de Clown" sind mitten in Delft geparkt
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Derweil schaukeln die Wellen die Gäste von Harlingens drittem Kleinsthotel sanft in den Schlaf: Vor dem Rathaus hat der britische Seenotrettungskreuzer "Lilla Marras" für immer festgemacht und bietet an Bord exklusiv ein Bett für zwei und eine Teakholzbadewanne mit maritimem Flair. Bei 115 Einsätzen, so steht es im Bordbuch, rettete die Besatzung 45 Menschen aus Seenot. Passenderweise ist in der kleinen DVD-Sammlung auch der Spielfilm "Titanic" zu finden.

Aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich und selbst aus den USA reisen inzwischen Gäste an, um eine Nacht in Leuchtturm, Kran oder Rettungskreuzer zu verbringen. Der Luxus kostet zwischen 229 und 299 Euro pro Nacht. Längere Wartezeiten gehören dazu - für ein Wochenende im Leuchtturm sind es mittlerweile mehrere Monate.

Hotel Zirkuswagen

Weniger spektakulär, aber ebenso ausgefallen können Touristen in anderen Mini-Herbergen in Holland nächtigen. Mancherorts sind Hausboote die Alternative zum Hotelbett. Auf der weitläufigen Seenlandschaft der "Loosdrechtse Plaatsen" bei Breukelen zwischen Hilversum und Amsterdam zum Beispiel schaukelt ein Hausboot, das zu einer Ferienwohnung für vier Personen umgestaltet wurde und selbst nur mit dem Motorboot oder dem hauseigenen Kanu zu erreichen ist.

Hausboote in Amsterdam: Schaukelnde Ferienwohnung für vier Personen
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Hausboote in Amsterdam: Schaukelnde Ferienwohnung für vier Personen

Mitten in Delft sind seit 1999 die Wohnwagen "Mammaloe" und "Pipo de Clown" geparkt. Drei Treppenstufen die Leiter hinauf, ein wenig den Kopf einziehen - und schon ist der Gast mittendrin in den Träumen von der Zirkuswelt aus Kindertagen. Im flachen Grün von Friesland auf dem Landgut Sonneborghe bei Leeuwarden steht dagegen ein gemütlicher Ferienwohnwagen - gedacht fürs einfache Leben auf dem Lande, mit Etagenbett, Kochecke und Dusche auf dem benachbarten Bauerngehöft.

Am alten Hafen von Stavoren checken die Gäste im "Hotel De Vrouwe van Stavoren" ein und verschwinden samt Schlüsseln - und zwar nicht im Hotel, sondern nebenan. Dort kann die Nacht in vier Schweizer Fässern verbracht werden, in denen einst jeweils 15.000 Liter Wein gelagert wurden. Neben dem Bett ist auch Platz für ein Wohnzimmer mit Fernseher, Radio, Telefon und Dusche mit Toilette.

Und was wäre Holland ohne Nächte in einer Windmühle? Am Dorfrand von Bergharen in der Nähe von Nijmegen etwa reckt eine Getreidemühle ihre Flügel in den Wald. Der steinerne Riese ist ein Feriendomizil für bis zu zwölf Personen. Von Bergharen aus erkunden die Gäste im "Land van Maas en Waal" per Fahrrad die stille Landschaft der Provinz Gelderland oder unternehmen Ausflüge ins quirlige Nijmegen. Und wer ins "Grandhotel De Kromme Raake" in Eenrum bei Groningen kommt, reibt sich verwundert die Augen: An der Rezeption hängen nur die Schlüssel von Zimmer Nr. 1. Das "Grandhotel" hat nur ein einziges Zimmer.

Von Bernd F. Meier, gms

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