Kinderfreies Hotel am Wolfgangsee "Ich mache keine Ausnahmen"

Roland Ballner führt ein Vier-Sterne-Hotel in Österreich. Bereits 2005 entschied er, keine Kinder unter zwölf Jahren als Gäste mehr zu erlauben. Bereut hat der 51-Jährige das nicht.

Hotel Cortisen am See
Hotel Cortisen am See

Hotel Cortisen am See

Ein Interview von


Ein Lokal auf Rügen hat in dieser Woche entschieden: Ab 17 Uhr sind Kinder unter 14 Jahren unerwünscht. "Restaurant sperrt Kinder aus" und "Kinder müssen draußen bleiben", titelten Medien bundesweit. Roland Ballner kann diese Aufregung nicht nachvollziehen. Der 51-Jährige ist Inhaber eines Vier-Sterne-Hotels am Wolfgangsee in Österreich - und hat bereits 2005 entschieden, Kinder in seinem Haus erst ab zwölf Jahren zuzulassen.

Zur Person
  • Roland Ballner
    Roland Ballner, 51, ist Inhaber des Vier-Sterne-Hotels Cortisen am See. Das Haus im oberösterreichischen Salzkammergut verfügt über 20 Doppelzimmer sowie zwölf Suiten und Juniorsuiten. Familien mit Kindern unter zwölf Jahren müssen sich anderweitig nach einer Unterkunft umschauen.

SPIEGEL ONLINE: War das eine gute Entscheidung?

Ballner: Ja, auf jeden Fall. Die Ankündigung hat damals einen Medien-Tsunami ausgelöst. Die Berichterstattung war zwar überwiegend negativ, aber natürlich auch eine super PR. Ich hätte es mir nie leisten können, so viel Geld für Werbung auszugeben. Aus Marketing-Sicht war es ein Selbstläufer. Und die Reaktionen der Kunden fielen zu mehr als 80 Prozent positiv aus.

SPIEGEL ONLINE: Gab es einen konkreten Anlass für Ihre Entscheidung?

Ballner: Ich werde im deutschsprachigen Raum gerne als Pionier dargestellt. Aber eigentlich war es eher Zufall. Ich kannte das Prinzip der "No Children Policy" aus dem Ausland. Wir hatten damals für viel Geld renoviert und umgebaut - und es gab einige Vorfälle. Einmal wurde zum Beispiel eine helle Ledercouch komplett mit Kugelschreiber beschmiert. Die Reaktion der Eltern: "Sind halt Kinder" und "Selbst Schuld, wenn man so teure Möbel da reinstellt".

Innenansicht des Hotels
Hotel Cortisen am See

Innenansicht des Hotels

SPIGEL ONLINE: Haben Sie Ihr Konzept seitdem verändert?

Ballner: Nein. Ich mache auch keine Ausnahmen. Ich hatte am Anfang erwartet, dass das Publikum im Hotel eher älter wird. Doch die Hauptklientel sind inzwischen junge Eltern Anfang 30. Sie wollen sich bei uns ein paar ruhige Tage gönnen, wenn die Kinder alt genug sind, um auch mal bei Oma und Opa zu übernachten.

SPIEGEL ONLINE: Fallen die Reaktionen auf das kinderfreie Hotel anders aus als damals?

Ballner: Heute ist das eigentlich kein großes Thema mehr. Es gibt inzwischen so viele Hotels und Restaurants, die sich ähnlich positioniert haben. Die letzte negative Reaktion ist schon ein paar Jahre her. Ich bin ja auch kein Kinderhasser, sondern biete lediglich ein Produkt an, für das es eine Nachfrage gibt. Und für Familien mit Kindern gibt es auch tolle Hotels im Salzkammergut.

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insgesamt 271 Beiträge
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Seite 1
mullertomas989 18.08.2018
1. Legitime Entscheidung
Denn den Markt für solche Hotels gibt es. A propos: Als Helmut Kohl immer am Wolfgangsee Urlaub gemacht hat, muss er die "Ruhe-Problemarik" anders gelöst haben...... ;D
spon_2937981 18.08.2018
2.
Recht hat er, der Mann: Er bietet ein Produkt an, für das eine Nachfrage gibt. Familienhotels gibt es ja auch. Ich habe selbst (kleine) Kinder, und kann es voll und ganz verstehen, wenn es Menschen gibt (Kinderlose UND Eltern), die auch mal 'frei von Kindern' Urlaub machen (oder Essen gehen) wollen. Ich würde so eine Möglichkeit auch mal in Anspruch nehmen, wenn die eigenen Kinder von Großeltern oder anderweitig betreut sind. Das ist doch völlig legitim, da werden einfach Bedürfnisse befriedigt, das hat nichts mit Kinderhass zu tun. Und rechtlich (zumindest in Deutschland) dürfte das unproblematisch sein: es gilt die Vertragsfreiheit, und dann ist ein Hotelier oder Gastronom ja frei in seiner Entscheidung, mit wem er einen Beherbergungs- oder Bewirtungsvertrag abschließt oder eben nicht.
tulius-rex 18.08.2018
3. andere Ziele
Warum sollte man nach Österreich fahren bei einer solchen Regierung und solchen Gastgebern? Woanders werden Kinder, deren Stimmen, deren Herumtoben, deren Lebenslust gerne gesehen und gehört.
markus.w77 18.08.2018
4.
wahrscheinlich sind die, die jetzt am lautesten schreien wie diskriminierend das ist genau die, die in 15 Jahren solche Angebote dankend nutzen. Meine Güte, viele können sich einfach nicht in andere Lebenssituationen hineinversetzen. Erzieher/ innen die im Urlaub keine Kinder sehen wollen, ungewollt kinderlose, die im Urlaub nicht auch noch an Leid erinnert werden wollen usw. Jeder wie er mag.
SNOWSTAR 18.08.2018
5. selbst Schuld :p
Wenn das eigene Kind teure Möbel bekrakelt, lautet die Antwort nicht "selbst Schuld!", sondern "Tut mir leid, was kostet das? Hier sind die Daten meiner Versicherung". Wenn man keine Versicherung hat, ist man selbst Schuld. Und man ist selbst Schuld, wenn man auf die Kleinen nicht aufpasst -_-
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