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Südtiroler Hüttentour: Zirbenschnaps und Ohrstöpsel

Hüttentour in Südtirol: Zwischen Villnösser und Eisacktal Fotos
Jens Schulze / SRT

Murmeltiere, Alpenrosen, Kuhglocken und ein atemberaubendes Panorama - das macht Bergwanderer glücklich. In der Südtiroler Geislergruppe gibt es all das, und eine viertägige Hüttentour ist auch für Anfänger geeignet.

Mela und die Schöne sind als Erste auf den Beinen. Schon kurz vor sechs Uhr läuten die beiden Rinder mit ihren Glocken den Tag ein - und die Gäste der Schlüterhütte aus dem Schlaf. Eine Urlauberin ist schon längst munter und auch ein wenig aufgeregt. "Das ist meine erste Hüttentour", sagt Angela Schreiber.

Die 59-Jährige ist wandererfahren, doch eine mehrtägige Tour hat sie sich bisher noch nicht zugetraut. Mit guten Tipps von ihrem hüttenerprobten Bruder im Gepäck hat sich die Leipzigerin nun mit ihrem Mann Manfred in den Dolomiten auf den Weg gemacht.

Die Südtiroler Geislergruppe zwischen Villnösser Tal und Eisacktal eignet sich gut für Hüttentouranfänger: Schwierige Passagen lassen sich während der viertägigen Tour gut mit leichten Etappen verbinden, die Tagestouren sind flexibel kombinierbar und auch bei schlechtem Wetter zu meistern.

Die Gebirgsgruppe bildet einen Kamm im Süden von Gröden, der im Norden von Villnöß und im Westen vom Eisacktal begrenzt wird. Die Berge liegen zu großen Teilen im Naturpark Puez-Geisler. Hauptgipfel ist der 3025 Meter hohe Sass Rigais im östlichen Teil.

Nach einem relativ kurzen Anstieg von der Zanser Alm zur Schlüterhütte auf 2297 Meter und der ersten Hüttennacht soll es am zweiten Tag für die Schreibers auf die erste längere Strecke mit großem Gepäck gehen. Das Wichtigste im Rucksack sind Sonnencreme und Sonnenbrille, Regenjacke und Hüttenschlafsack, Wasserflasche und Tagesproviant. Frühstück und Abendessen bekommt man in den Hütten. Teleskopstöcke werden passend eingestellt - und der Wandertag kann beginnen.

Wie e in Schluck Badewasser

Ein Schwarm Dohlen zieht über das Tal, ein Murmeltier pfeift und verschwindet in seinem Bau. Der Weg schlängelt sich am Berg entlang, Alpenrosen, Nelkenwurz und Arnika säumen die Strecke. Später geht es über Geröll bis hin zur Roa-Scharte, wo es steil und mühsam wird und die Wanderer durch ein kleines Schneefeld stapfen müssen. Danach bergab ins Tal, und schließlich in unzähligen Kehren bergauf über die Nives-Scharte mit kurzem Klettersteig und weiter bis zur Puezhütte in 2475 Meter Höhe.

Zwischen vier und fünf Stunden hatte der Reiseführer für die Tour veranschlagt - und für die Schreibers kam das hin. "Anspruchsvoll, aber machbar", lautet das Fazit der beiden Wanderer, als sie sich am Abend einen Zirbelkieferschnaps auf das vollbrachte Tagwerk genehmigen. "Schmeckt ein wenig wie Badewasser", kommentiert Manfred Schreiber den Hochprozentigen. "Das ist pure Natur!", erklärt die Wirtin, während sie nebenbei die Tische abräumt.

Um 22 Uhr geht das Licht aus. Das erinnert Angela Schreiber ein wenig an frühere Jugendherbergserfahrungen, auch weil die 85 Betten der Puezhütte alle in Mehrbettzimmern stehen. "Hier geht es natürlich viel disziplinierter zu als in einer Jugendherberge", sagt die Leipzigerin. "Wanderer wollen abends keine Party mehr machen. Schließlich ist man nach so einer Tour ganz schön kaputt und müde." Aber das allein garantiert noch keinen tiefen Schlaf. Die beiden Neulinge haben sich vorsorglich Ohropax mitgenommen. Denn wie heißt es so schön unter Hüttenwanderern: Einer schnarcht immer!

In der Nacht regnet es. Am nächsten Morgen hüllt sich die Puezhütte in eine dichte Wolke. Die rund zweistündige Tour zur Alten Regensburger Hütte auf 2037 Metern beginnt daher feucht, aber nicht nass. Nach und nach schieben sich ein paar Felsspitzen aus dem Nebel, geben mystisch anmutende Gebilde frei. Auf dem Grashang tummeln sich drei schwarze Schafe, die lauthals blöken, als die beiden Sachsen durch Pfützen und Matsch vorbeistapfen.

Der Weg führt erneut über die steinig-schroffe Nives-Scharte und im Zickzack nach unten ins Tal, wo eine grüne und blühende Landschaft wartet. "Schon allein wegen der Blumen hat sich für mich die Tour gelohnt", sagt Angela Schreiber, als sie Edelweiß und Alpennelke neben blauem Enzian entdeckt. Nun wird die Wanderung fast gemütlich, auch die Sonne zeigt sich wieder.

"Wo geht es denn hin?", fragen die Schreibers eine kleine Gruppe Wanderer, die ihnen entgegenkommt. "Zum Kaiserschmarrn!", lautet die Antwort. Da ist man in Südtirol wohl in jedem Haus an der richtigen Adresse. Natürlich auch südlich am Fuße der Geislerspitzen in der Alten Regensburger Hütte. "Ja, Kaiserschmarrn wird häufig bestellt, aber eher als Nachtisch", bestätigt der Wirt.

Klettereinlage zum Abschluss

Der letzte Tag hat es in sich. Vor allem die Pana-Scharte erfordert Fitness. Der Weg nach oben läuft sich - für alpine Verhältnisse - fast gemütlich und wird mit einem grandiosen Ausblick gekrönt: Geislergruppe, Puezgruppe, Sellamassiv, Langkofel und Plattkofel, Rosengarten mit Kesselkogel, Seceda, Raschötz, Tullen und Peitlerkofel haben sich zu einem Panoramabild aufgereiht.

Beim Abstieg muss geklettert werden. Langsam und mit einer Hand am Stahlseil, das in den Felsen verankert ist, steigen Angela und Manfred Schreiber über das steinige, abfallende Gelände. Volle Konzentration - immer wieder rutschen Steine unter den Füßen weg. Zum Glück ist die Passage nur kurz, und der Weg führt anschließend in unzähligen Kehren ins Tal. Über den vergleichsweise beschaulichen Adolf-Munkel-Weg geht es schließlich zur Glatschalm und wieder zurück zur Zanser Alm, wo die kleine Hüttentour endet.

Dort wird das Ehepaar von zwei jungen Männern gefragt, welche Scharte sie als Übergang empfehlen. Manfred Schreiber studiert mit den beiden die Karte. Und seine Frau lacht, als sie feststellt: "Vor drei Tagen waren wir noch die Anfänger, jetzt sind wir schon Experten."

Hüttentour in der Südtiroler Geislergruppe
Schlüterhütte
St. Magdalena 22, 39040 Villnöss; Preise: von 20 Euro (Matratzenlager) bis 45 Euro (Bett mit Halbpension), geöffnet: bis Mitte Oktober, Tel. 0039/0472 840132, www.schlueterhuette.com
Puezhütte
39033 Corvara, Naturpark Puez Geisler; Preise: von 10 Euro (Jugendliche bis 18 Jahre) bis 20 Euro (Erwachsene) im Lager, einfaches Frühstück 6,50 Euro, geöffnet: bis Mitte Oktober, Tel. 0039/0471795365, www.rifugiopuez.it/de
Alte Regensburger Hütte
39047 St. Christina; Preise: 22 Euro Euro (Matratzenlager) bis 62 Euro (Bett mit Halbpension), Tel. 0039/0471796307, www.rifugiofirenze.com

Katrin Schreiter/srt/abl

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Hübscher Artikel
nordstaedter12 30.08.2015
Gerade zurück aus den Alpen wird hier sehr schön eine Hüttentour beschrieben, incl. der tiefhängenden Wolken, die einen manchmal dabei erwischen, aber auch der tollen Atmosphäre auf den Hütten. Mehr davon!
2. Südtirol oder Norditalien
stand.40 31.08.2015
ein herrliches schönes Stück von der Welt.Alles was man sich wünscht:Seeen , Berge , Felsen und riesige Wald und Weidenareale. Wunderschöne Städte und Gebirgsdoerfer.Man muß es einfach erlebt haben .
3.
cochon 31.08.2015
Die beiden "Kühe" auf Foto Nr 2 sind erstens Kälber und können zweitens die Wanderer "mit ihren Glocken" gar nicht wecken weil sie gar keine tragen.
4.
jorrig von knorrig 01.09.2015
Man sieht doch, dass die linke Kuh eine Glocke um den Hals hat. Wir waren dort auch im August. Das schönste Erlebnis war aber nicht die Tour, sondern das Gipfelerlebnis auf dem Piz Puez oder die Wanderung zur Puez-Hütte. Die Fernwanderkarawane war schon durch, und ich stand auf einer Wiese mit 10 Murmeltieren und ein paar Schafen. Auf dem Gipfel dann kein Mensch und beste Sicht. Selbst ein Sonnenaufgang von der Hütte aus ist schöner als Alkohol abends in einer engen Hütte. Aber jedem das Seine!
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