Im Bummeltempo durch Europa Neuer Luxuszug verbindet Moskau und Nizza

Europa hat einen neuen Luxuszug: Die Russischen Eisenbahnen haben eine Direktverbindung zwischen Moskau und Nizza eröffnet. Ein Ticket kostet bis zu 1200 Euro, doch dafür können die Passagiere ihr luxuriöses Abteil 52 Stunden lang genießen - bei gemächlichen 63 km/h.

AP

Nizza - Nach mehr als 52-stündiger Fahrt ist am Samstagabend in Nizza erstmals der neue Luxuszug aus Moskau eingetroffen. Mit 14-minütiger Verspätung fuhren die graurot-gestreiften Waggons der Russischen Eisenbahnen (RzhD) im Bahnhof der Stadt an der Côte d'Azur ein. Am Donnerstagnachmittag hatten sie den Weißrussischen Bahnhof der russischen Hauptstadt verlassen. Ein russisch-französisches Orchester mit etwa 20 Musikern spielte zum Abschied Lieder aus beiden Traditionen, darunter auch Edith Piafs "Non, je ne regrette rien".

"Heute ist ein Festtag", sagte der russische Vize-Bahnchef Michail Akulow kurz vor der Abfahrt. Sein französischer Kollege Frédéric Pardé schwärmte von der langen Tradition russischer Erholungssuchender an Frankreichs Mittelmeerküste.

Erstmals seit 1914 gibt es nunmehr wieder eine direkte Zugverbindung zwischen Russland und Frankreich. Vor dem Ersten Weltkrieg fuhren vor allem Mitglieder der Zarenfamilie auf der Strecke Moskau-Nizza, um sich an der südfranzösischen Küste zu erholen. Bei gemächlichen 63 km/h durchfährt der neue Zug zwei Dutzend Städte - darunter Minsk, Warschau, Wien, Mailand und Genua - und sechs Länder.

Die Verbindung ist also nur etwas für Menschen mit Zeit - und Geld: Das billigste Zugticket für die zweite Klasse ist zwar schon ab 306 Euro zu haben. Wer aber während der mehr als zweitägigen Fahrt doch etwas mehr Wert auf Komfort legt, muss tiefer in die Tasche greifen: 1200 Euro kostet eine einfache Fahrt im Luxusabteil, das ausgestattet ist mit einem großen Bett, Dusche, Toilette und TV.

Von den zwölf Waggons sind drei für die Luxusklasse, sechs für die Erste Klasse, zwei für Restaurants und nur einer für die Zweite Klasse reserviert. Um einen anspruchsvollen Service zu gewährleisten, mussten die russischen Zugbegleiter ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen, nicht nur Englisch- und Französisch-Kenntnisse werden verlangt, sondern auch tadellose Manieren.

Einmal pro Woche wird der Zug nun die 3300 Kilometer zwischen Moskau und Nizza zurücklegen. Nach erfolgreicher Jungfernfahrt ging es am Sonntag zurück nach Moskau.

abl/AFP/apn

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Bayerr, 27.09.2010
1. Das glaub ich nicht !
Schließlich funktioniert die Anbindung an den Osten erst, wenn Stuttgart 21 fertig ist.
maipiu 27.09.2010
2. Luxus Zeit
Wo kann man denn in Deutschland zusteigen? Ich würde auch gerne mitfahren nach Nizza.
GM64 27.09.2010
3. Da kann die DB mal was lernen
habe neulich nach einem Bahnangebot gesucht, aber es war zu teuer. Da war dann eine Umfrage was man sich von der DB wünscht, und da wurde dann auch gefragt, was man beim Bahnfahren gerne tut. Da war alles mögliche dabei, nur eines nicht, das was mir beim Bahnfahren am meisten Spaß macht. Leute, ich will zum Fenster hinaus sehen und die Landschaft bewundern, nichts anderes, nur sehen. Warum gibt es keinen Cabrio Waggon? Es war doch früher so schön, da konnte man die ganze Zeit am Fenster stehen, es öffnen und die Fahrt genießen. Bei einem ICE ist es nicht möglich. Bahnfahren war früher ein Vergnügen. Der Weg war ein Ziel. Den heutigen Bahnchefs ist das gar nicht mal mehr ein Bedürfnis. Da war viel dabei, man fährt Bahn um zu essen, zu lesen, Musik zu hören, um Leute zu treffen. Das ist genau so ein dummer Trend wie eine Seereise zu machen und dabei ein Eisstadion zu haben. Wer auf See Eis laufen muss, soll zu Hause bleiben.
IsArenas, 27.09.2010
4. ...
Zitat von GM64habe neulich nach einem Bahnangebot gesucht, aber es war zu teuer. Da war dann eine Umfrage was man sich von der DB wünscht, und da wurde dann auch gefragt, was man beim Bahnfahren gerne tut. Da war alles mögliche dabei, nur eines nicht, das was mir beim Bahnfahren am meisten Spaß macht. Leute, ich will zum Fenster hinaus sehen und die Landschaft bewundern, nichts anderes, nur sehen. Warum gibt es keinen Cabrio Waggon? Es war doch früher so schön, da konnte man die ganze Zeit am Fenster stehen, es öffnen und die Fahrt genießen. Bei einem ICE ist es nicht möglich. Bahnfahren war früher ein Vergnügen. Der Weg war ein Ziel. Den heutigen Bahnchefs ist das gar nicht mal mehr ein Bedürfnis. Da war viel dabei, man fährt Bahn um zu essen, zu lesen, Musik zu hören, um Leute zu treffen. Das ist genau so ein dummer Trend wie eine Seereise zu machen und dabei ein Eisstadion zu haben. Wer auf See Eis laufen muss, soll zu Hause bleiben.
So ist es. Und in Nizza bin ich in 5 Stunden mit dem Auto.
dawo1980 27.09.2010
5. ?
---Zitat--- "Erstmals seit 1914 gibt es nunmehr wieder eine direkte Zugverbindung zwischen Russland und Frankreich." ---Zitatende--- Wer hat Ihnen denn das erzählt? Schon lange gibt es einen Kurswagen von Moskau nach Paris und umgekehrt. Er ist nur nicht im DB-Verzeichnis zu finden, da er mehrere Stunden aufenthalt in Berlin hat, wodwurch Umsteigeverbindungen schneller sind. Da er aber ebenso ein touristisches Angebot ist, wie der vorgestellte Zug, ist es ja egal. Falls jemanden die Fahrzeiten interessieren, einfach mal bei der russischen Bahn vorbeischauen: http://eng.rzd.ru/isvp/public/rzdeng?STRUCTURE_ID=4068&layer_id=3290&id=2162 Möglicherweise ist der vorgestellte Zug die erste Direktverbindung von Moskau nach Nizza seit 1944, aber definitiv nicht Russland - Frankreich. Können Sie auch in diversen Bahnerforen nachlesen.
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