Günstig Ski fahren in Serbien Wo Djoker auf die Piste geht

Viel Glamour - und für deutsche Urlauber dennoch günstig. Kopaonik gilt als St. Moritz Serbiens. Auf den Hängen des größten Skigebiets des Balkans stand auch Tennisstar Novak Djokovic das erste Mal auf Brettern.

C. Schrahe/ SRT

Nicht nur Tennis-Ass Novak "Djoker" Djokovic kommt jeden Winter nach Kopaonik. Auch Prominenz und Geldadel aus dem fünf Stunden entfernten Belgrad, russische Touristen und Besserverdiener aus Rumänien und Ungarn machen gerne Urlaub im größten Skigebiet auf dem Balkan.

"Da oben ist der Lieblingsplatz seines Hundes." Igor Mickovic zeigt die steile Stiege hinauf, die zum zweiten Schlafzimmer der rustikal gemütlichen Suite unter dem Dach führt, Zimmer Nummer 35. "Er kommt immer für 10 bis 14 Tage", sagt der Eigentümer des Hotels, der sich auch im hoteleigenen Restaurant um die Gäste kümmert.

"Novaks Lieblingsessen sind Sarma, Kohlrouladen, die will er schon zum Frühstück", sagt Mickovic. Auch er ist ein Prominenter: Der Hotelbesitzer war der erste Serbe am Südpol. Auf dem Mount Everest war er auch schon, dem Gipfel verdankt das Haus seinen englischen Namen "Mount".

Trotz all der Prominenz ist der 2000 Meter hohe Berg an der Grenze zum Kosovo auch ein ideales Ziel für Familien. Die Hotels liegen direkt auf der Piste, es gibt reichlich sanftes Terrain und ein breites Angebot an Aktivitäten mit und ohne Schnee. Die Preise für Besucher aus den Euroländern sind nicht besonders hoch. Man muss ja nicht gleich für 300 Euro die Nacht im Zimmer Nummer 35 des Hotel Mount absteigen, so wie der weltbeste Tennisspieler.

Gleich gegenüber dem Hotel Mount liegt das Grand Hotel & Spa. In Novaks Kindertagen bot es die einzige Tennisakademie des Landes, und hier wurde Djokovic, dessen Eltern auf dem Berg ein Schnellrestaurant betrieben, von der Tennisspielerin Jelena Gencic entdeckt. Das Skifahren lernte er auf den gleich vor dem Hotel startenden Pisten. "Er ist ein sehr guter Skifahrer, wobei wir das hier in Serbien daran festmachen, wie schnell jemand fahren kann", sagt Mickovic und schmunzelt.

Ein ideales Pflaster für weite Carving-Schwünge

Dementsprechend sollte man sich auf den Pisten vorsehen, doch die Waldabfahrten um die in schneereichen 1720 Meter Höhe gelegene Hotelsiedlung sind für Höchstgeschwindigkeiten zu flach. Dafür muss man die Nordhänge des Pancicev Vrh oder des Ledenica ansteuern. Dort gibt es schwarze Pisten. Perfekt präpariert sind sie ein ideales Pflaster für weite Carving-Schwünge. Bergauf geht es mit Kopaoniks neuester Sesselbahn. Der Gvozdac-Express hat Sitzheizung, freies WLAN (ohne nerviges Passwort) und Wetterschutzhauben.

Helmträger sind in seinen Sesseln absolute Exoten. Genauso wie Nichtraucher in den zahlreichen urigen Berghütten. Besonders gemütlich: die Hany Bany an der Piste Nummer sieben mit ihrem riesigen offenen Kamin in der Mitte. In dem gart Koch Deda Kohl im Tontopf, 23 Stunden lang. Deswegen wird die Glut die ganze Nacht bewacht. Das köstliche Lamm ist schon nach drei, vier Stunden fertig.

Ist mittags alles aufgegessen, entfacht Deda ein richtiges Feuer. Die Haute Volée aus Belgrad allerdings dringt bis hierhin gar nicht vor, sondern lümmelt sich bei Sonnenschein auf den Lounge-Möbeln der Terrasse des Grand Hotel oder vor der Novak-Bar, die dem Tennisstar gehört - eingehüllt in Zigarettenqualm und beschallt von lauter Musik.

Keinen Rauch, aber Musikbeschallung gilt es auch in den Skiliften zu ertragen. Die Betreibergesellschaft - das staatliche Unternehmen Skijalista Srbije - hat einen Sponsorenvertrag mit einem Radiosender. So tönt unablässig Chartmusik, selbst im Sommer, wenn die Lifte stehen, obwohl der Kopaonik Nationalpark ist. Das stößt auch bei den Einheimischen auf Unverständnis.

Insgesamt jedoch bescheinigt man Skijalista Srbije eine gute Arbeit. Seit 2005 wurden zehn Sesselbahnen erneuert, fast alle Pisten mit Beschneiungsanlagen ausgestattet, auch der Service kann sich sehen lassen. Bei Schneefall fegen die Mitarbeiter am Einstieg die Sessel und sogar die Teller der Schlepplifte.

Weit geht der Blick in alle Richtungen

Gegründet wurde die Station bereits 1964. Die meisten Bauten wurden in den Achtzigerjahren errichtet. Sie sind mittelalterlichen Klöstern nachempfunden. Mit ihren tief heruntergezogenen Dächern, den Fachwerkfassaden und den Türmen und Erkern prägen sie noch immer das Stadtbild, das sich wohltuend unterscheidet von jenem alpiner Retortenorte.

Auch landschaftlich hat Kopaonik seine Eigenart. Der alleinstehende massige Gebirgsstock erhebt sein kahles Haupt hoch über das Umland. Weit geht der Blick in alle Richtungen, erst fern am Horizont ragen Gebirgszüge von ähnlicher Höhe auf, der Westbalkan an der Grenze zu Bulgarien und das 2760 Meter hohe Šar Planina an der Grenze zu Mazedonien.

Weit weg ist - trotz Kopaoniks Status als serbisches It-Resort - auch die Art des Après-Ski, für die vergleichbar positionierte Skiorte in Österreich bekannt sind - obwohl ein Bier hier nur 1,50 Euro kostet. Nach dem Skifahren ruht man sich erst mal aus, geht vielleicht (natürlich bekleidet) in die (nicht wirklich heiße) Sauna oder den dampfenden Outdoor-Pool, bummelt durch die Ladenzeile mit ihren zahlreichen und für echte Schnäppchen guten Sportgeschäften.

Erst nach einem späten Abendessen stürzt man sich ins Nachtleben, zum Beispiel im Alo Alo (Livemusik) oder im Pub (Achtziger-Rock aus dem Lautsprecher). Freitags und samstags ist es hier brechend voll, und zwar bis in den frühen Morgen.

Dann füllen sich die Pisten nur langsam, aber letztlich doch gewaltig. Wer Urlaub in Kopaonik macht, der sollte das Wochenende für andere Aktivitäten nutzen. Für eine Fahrt mit der Bergachterbahn, einen Flug an der Zipline, Tubing, Snowmobilfahren, Langlaufen oder Schneeschuhwandern.

Auch Ausflüge in eines der nahegelegenen Weingüter oder zu orthodoxen Klöstern lohnen - eine Reise nach Serbien nur des Schnees wegen wäre schließlich so unvollständig wie die Titelsammlung seines größten Sporthelden. Die French Open hat Novak trotz seiner Dominanz noch nie gewonnen.

Weitere Informationen
Skigebiet
58 km Pisten, 23 Lifte, 1057 bis 1978 Meter.
Skipass-Preise
Der Tagespass kostet für Erwachsene 27 Euro, Kinder zahlen 20 Euro, der Fünftagepass kostet 85 Euro für Erwachsene und 59 Euro für Kinder (www.skijalistasrbije.rs/en/).
Unterkunft
Viersternehotel Grand Hotel & Spa, Halbpension ab 69 Euro pro Person im Doppelzimmer (www.mkresort.com),

Viersternehotel Familienhotel Angella, Halbpension ab 50 Euro pro Person im Doppelzimmer (www.mkresort.com),

Villa Ivanovic B&B, Pension in Brzece, Übernachtung mit Frühstück ab 12,50 Euro pro Person im Doppelzimmer.
Anreise
Airserbia fliegt von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Zürich und Wien nach Belgrad. Von dort sind es 294 km bis Kopaonik. Per Fernbus fährt man z.B. von Frankfurt 20 Stunden. Tägliche Busverbindungen vom Belgrader Hauptbahnhof nach Kopaonik (15 Euro pro Richtung).

Christoph Schrahe/srt/beh



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
edinelle 01.03.2015
1. sarajevo 1984
würde ich da nur sagen. olympische Winterspiele Schöne berglandschaft. dagegen ist kopaonik zu teuer und nicht zu vergleichen mit igman oder bjelasnica in sarajevo
endstadium73 01.03.2015
2. 1,50? Bier
...wirklich der wichtigste Faktor bei der Auswahl des Skigebietes....Mann, Mann, Mann....
humbahumba 01.03.2015
3.
Živela Jugoslavija!
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