Irland-Videoblog: Krieg der Bilder

Es sind steinerne Zeugen des Bürgerkriegs: Auf riesigen Wandgemälden schufen nordirische Maler in Belfast Propagandamotive für die verfeindeten Parteien. Heute sind die Bilder eine Touristenattraktion - und teils so radikal, dass sie übermalt werden.

Jörg Pfeiffer

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Noch vor wenigen Jahren hätten sich die nordirischen Wandmaler Mark Irvine und Danny Devenny wohl kaum die Hand geschüttelt: Sie machten Auftragsarbeiten für die im Bürgerkrieg verfeindeten Parteien, Irvine für die Loyalisten, Devenny für Sinn Féin. Noch heute sind viele ihrer kriegerischen "Murals" in Belfast zu sehen.

Jetzt trafen sich die beiden Künstler zu einem einmaligen Projekt von großem Symbolwert. Zusammen malten sie ein Kunstwerk an eine Hauswand, das Picassos "Guernica" nachempfunden ist. Es reiht sich ein in eine große Zahl von historisch interessanten Kunstwerken, die Episoden des Nordirland-Konflikts nachzeichnen - oft mit einem starken propagandistischen Anstrich. Immer häufiger buchen heute Touristen Rundfahrten zu den bekannten Wandgemälden.

Die "Murals" der verfeindeten Parteien des Nordirland-Konflikts bedienen sich häufig einer martialischen Bildsprache: Maskierte Männer, Pistolen und Kalaschnikows, Panzerfäuste sind darauf zu sehen, vielfach werden Terroristen zu Märtyrern verklärt. Einige der Darstellungen waren der Stadt inzwischen zu heftig, sie wurden kurzerhand mit harmloseren Motiven übermalt, deren Botschaft die Hoffnung auf eine bessere und friedlichere Zukunft ist.

In der Cultra Street im Norden der Stadt wurde beispielsweise ein "Mural" entfernt, das zwei Kämpfer der paramilitärischen Ulster Freedom Fighters (UFF) neben einem Tigerkopf zeigte - ein kunstvolles Stück Kriegspropaganda einer terroristischen Untergrundorganisation. Eine Gruppe von Grundschulkindern half vor einigen Monaten beim Übermalen des Originals, jetzt ist dort nur noch ein neuer Tigerkopf zu sehen mit der Überschrift "Gemeinschaft, Stolz und Kultur". Doch so sehr sich das künstlerische Gesicht der Stadt wandelt, der Frieden ist immer noch fragil: Erst im Juli kam es wieder zu mehrtägigen Krawallen in Belfast, als katholische Demonstranten gegen die traditionellen Märsche der Protestanten protestierten.

Der Beitrag aus Belfast vervollständigt die Serie von SPIEGEL-ONLINE-Videoreporter Jörg Pfeiffer über die Grüne Insel. Vorherige Berichte können Sie auf der Themenseite "Pfeiffers Reisen" betrachten. Dort finden Sie auch die Videoblogs seiner bisherigen Fahrten in Deutschland, den USA, Großbritannien, Indien und Rumänien.

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Zur Person
Jörg Pfeiffer
Jörg Pfeiffer, Jahrgang 1972, lebt als freier Videojournalist und Multimedia-Entwickler in Berlin. Mit einer interaktiven Reise durch Australien realisiert er 2000 ein frühes WebTV-Format. Seit 2002 regelmäßige Produktionen für SPIEGEL ONLINE.
Im Mai 2006 erhält Pfeiffer den Grimme-Online-Award und den Leadaward in Silber für "Worldtrip.tv". Weitere Produktionen: "km42 – der Sinn des Reisens" und "Pfeiffers Reisen".

www.joergpfeiffer.de

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