Insel Ischia in Italien Wandern für Warmduscher

Und dann kam Brunhilde. Als Antonio di Meglio die Deutsche am Hafen von Ischia sah, wusste er: Sie ist die Richtige für sein Hotel. Inzwischen führen ihre Kinder den Betrieb und zeigen Wanderern Inselpfade und heiße Quellen.

TMN / Detlef Berg

Der Ischia-Urlaub beginnt schon auf dem Sonnendeck der Fähre: Die Silhouette von Neapel, geprägt von Castel Nuovo und Castel dell'Ovo, verschwindet langsam am Horizont, der Vesuv zeigt sich mit seinem charakteristischen Doppelgipfel. Später tauchen die Landspitze von Capo Miseno und Procida - Ischias kleiner Schwesterinsel - auf. Nach nur 45 Minuten steuert der Kapitän sein Schiff zielsicher ins kreisrunde Hafenbecken von Ischia Porto.

Zahlreiche Taxifahrer umwerben die ankommenden Passagiere. Mit dreirädrigen Gefährten, perfekt für die Fahrten auf den schmalen Straßen der Insel geeignet, befördern sie die Gäste zu ihren Quartieren.

"Das war auch schon Ende der Fünfzigerjahre so", sagt Antonio di Meglio. Damals steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen, erzählt der heute 80-Jährige. "Ich habe schnell gelernt, dass man mit Touristen mehr Geld verdienen kann als mit den Weinbergen, die meine Eltern bewirtschafteten", erklärt er.

Zunächst sei er nur mit dem Taxi unterwegs gewesen, am Anfang sogar ohne Lizenz. Später habe er Gäste, die eine Unterkunft suchten, im Wohnhaus der Eltern einquartiert. "Viele Besucher wollten die Insel kennenlernen - also habe ich auch noch Inselrundfahrten für sie gemacht und ihnen die schönsten Ecken gezeigt", sagt di Meglio.

Heiße Quellen erhitzen das Meer

Di Meglio baute ein eigenes kleines Gästehaus, schon bald aber wuchs ihm die Arbeit über den Kopf. Eine Frau aus Deutschland wäre perfekt fürs Geschäft, dachte er. Und dann stand eines Tages Brunhilde aus Hagen am Hafen und wartete auf ein Taxi.

"Als ich sie sah, wusste ich sofort, das ist genau die Frau, die ich suche. Natürlich war auch Liebe im Spiel", sagt er und lacht. Heute führen die beiden Kinder Andrea und Giovangiuseppe die zum Mittelklassehotel gewachsene Herberge weiter.

"Die meisten Gäste kommen immer noch zum Badeurlaub", sagt Tochter Andrea. Schließlich böten die zahllosen heißen Thermalquellen fast das ganze Jahr über die Möglichkeit, in natürlich warmem Wasser zu baden.

In der Bucht von Sorgeto zum Beispiel ist das Meer durch die heißen Fumarolen, kleine Öffnungen im Vulkangestein, so warm, dass man selbst im Winter in warmes Wasser eintauchen kann. Am Strand von Carta Romana schwimmt man mit Blick auf das Castello Aragonese, und auch dort sorgen heiße Quellen für traumhafte Badetemperaturen.

Doch gerade Besucher aus Deutschland haben Ischia auch als Wanderziel entdeckt. "Ischia ist eine grüne, durch vulkanische Aktivitäten geprägte Insel", sagt Andrea di Meglio. Sie bietet wöchentlich mehrere Wandertouren für Gäste an, die durch Weinberge und schattige Wälder führen und immer wieder großartige Ausblicke auf das im Sonnenlicht blau glänzende Mittelmeer bieten.

Der Wanderklassiker: der Gipfel des Epomeo

Eine der schönsten Touren beginnt in Ischia Ponte. Zwar hat sich auch das einstige Fischerdorf auf den Tourismus eingestellt, aber die engen Gassen mit alten Häusern und verwitterten Fassaden haben bis heute viel Charme.

Überragt wird der kleine Ort vom mächtigen Kastell der Aragoneser. Der Burgkomplex thront auf einer vorgelagerten Felsinsel und ist stolzes Symbol der wechselhaften Inselgeschichte. Das etwas höher gelegene Dörfchen Campagnano bietet nach rund 20 Minuten Wanderung den wohl schönsten Blick auf das Kastell.

Nach einer weiteren halben Stunde taucht Torri di Campagnano auf. Nur noch wenige alte Bauernhäuser sind im winzigen Dorf bewohnt. Das Panorama ist postkartentauglich - und der Blick reicht bis hinüber zum benachbarten Capri.

Unterwegs erzählt Andrea di Meglio viel über die Flora der Insel. Sie ist froh, dass die Bauern wieder die lange vernachlässigten Weinberge kultivieren: "Die Arbeit in den steilen Hanglagen ist beschwerlich, aber es lohnt sich. Immer mehr Gäste möchten regionale Produkte probieren, da darf Wein nicht fehlen."

Ein Klassiker bei den Wanderungen ist der Aufstieg zum Gipfel des Epomeo. Mit 789 Metern ist der Vulkankegel Ischias höchster Berg. Gestartet wird in Forio Monterone. Der Weg führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft hinauf bis zur Einsiedelei Santa Maria del Monte. Danach passieren die Wanderer einen Akazienhain, um dann den letzten steilen Streckenabschnitt in Angriff zu nehmen.

Die Mühen des Aufstiegs werden mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Wer mag, stärkt sich im Bergrestaurant für den Abstieg. "Frühaufsteher können hier oben auf dem Gipfel ein besonders stimmungsvolles Schauspiel erleben", erzählt Andrea di Meglio: "Dann taucht die aufgehende Sonne unsere Insel in ein unvergleichlich schönes Licht."

Detlef Berg/dpa/abl

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aprilapril 16.09.2015
1. Ich weiß nicht sicher,...
welche Insel Sie auf dem Bild zeigen. Ischia ist es jedenfalls niemals!
licorne 16.09.2015
2.
Zitat von aprilaprilwelche Insel Sie auf dem Bild zeigen. Ischia ist es jedenfalls niemals!
Doch.
spon-facebook-1642677444 16.09.2015
3. Abzockerinsel
Historische Bausubstanz ist ja wirklich toll, vergammelt aber grundsätzlich alles, hat das mit charmantem Flair nichts mehr zu tun. Zudem ist die Insel so klein, daß man nach einer Woche keinen Wunsch verspürt noch länger zu bleiben. Wir empfanden die Preise allgemein sehr auf Touristen zugeschnitten - man könnte auch sagen, man fühlt sich nach einem Aufenthalt dort sehr erleichtert...
zora81 16.09.2015
4. Villa Ravino ist ein Traum
Na klar ist das Ischia. Sehr schöne Insel! Wer da mal hin will, sollte sich die Villa Ravino merken!
spon-facebook-10000154386 17.09.2015
5.
bin an einem Tag einmal außenrum gewandert, aber es lohnt sich, dort Urlaub zu machen, eine sehr schöne Insel, nicht nur für Rentner.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.