Flughafencheck Istanbul: Ruhe? Gibt's nicht!

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Der Istanbul Atatürk Airport ist die Metropole im Kleinen: freundlich, übervölkert, deshalb ein wenig chaotisch - und mit Klassenunterschieden, die man auf den zweiten Blick entdeckt. Zeit für einen Zwischenstopp am größten Flughafen der Türkei.

Istanbuls Flughafen: Shopping oder Stadtbummel Fotos
Atatürk Airport

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Istanbul ist die einzige Großstadt der Welt, die sich über zwei Kontinente erstreckt. Der Bosporus teilt sie in einen europäischen und einen asiatischen Teil. Die Lage macht Istanbul zum idealen Umsteigeort für Reisende von West nach Ost und Ost nach West - vor allem, wenn man mehrere Stunden Zeit hat, um in die Innenstadt zu fahren.

Schon der Landeanflug auf den Atatürk-Flughafen, Drehkreuz von Turkish Airlines und benannt nach dem Gründer der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, ist ein Erlebnis: im Norden das Schwarze Meer, im Süden das Marmara-Meer, mittendrin die Verbindung zwischen beiden, der Bosporus. Man sieht Containerfrachter und Kreuzfahrtschiffe, Segelyachten und Fischer, Inselchen und die Hügel, aus denen Istanbul besteht, Wohnsiedlungen entlang der Hänge und Hochhäuser.

Der Atatürk-Flughafen liegt auf der europäischen Seite der Stadt, etwa 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Mit deutschem Pass oder Personalausweis kann man ohne Visum in die Türkei einreisen, sprich: auch einen Transitaufenthalt für einen Besuch in der Stadt nutzen. Aber Achtung: Man muss durch die Passkontrolle, was lange dauern kann. Um später wieder in den Flughafen zu kommen, sollte man ausreichend Zeit einplanen, denn es gibt zwei Sicherheitskontrollen.

Wenn Sie viel Zeit haben: Ab in die Stadt!

Man kann innerhalb einer halben Stunde ins Stadtzentrum kommen. Dafür sollte man mehrere Stunden Zeit mitbringen, am besten mindestens fünf. Denn der Verkehr in Istanbul ist unberechenbar. Ein Taxi für die Fahrt hin und zurück bekommt man für etwa 50 Euro. Gut ist auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Verpflegung mäßig, Shopping monumental

Essen ist am Atatürk-Flughafen teuer und mittelmäßig. Es gibt die üblichen Fast-Food-Häuser, McDonald's und Burger King, Starbucks und die in der Türkei beliebte Bäckereikette Simit Sarayi, außerdem eine Ecke mit diversen Restaurants und Cafés, wo es neben Pizza und Burger auch türkische Spezialitäten gibt. Viele Mitarbeiter sprechen kein Wort Englisch.

Herausragend ist - seltsamerweise im Ankunftsbereich - der Duty-Free-Shop, ein "Monument der Weltbürgerlichkeit, des Konsums und der Trinkfreude", wie der SPIEGEL neulich schrieb. Es gibt hier so viele Alkoholika wie in kaum einem anderen Duty-free-Shop.

Für Leseratten: Bücher von türkischen Autoren

Die Kioske bieten eine große Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften, auch deutsche Medien. Außerdem gibt es einen Buchhandel, der auch englischsprachige Bücher im Sortiment hat. Es ist eine gute Gelegenheit, neben Orhan Pamuk auch mal andere türkische Autoren kennenzulernen.

Internet gibt's nur theoretisch

Theoretisch gibt es überall am Flughafen kostenloses Internet. Tatsächlich zeigen das Telefon oder das Notebook auch Wifi-Netze an. Doch in vielen Fällen klappt die Verbindung nicht. Eine oft gehörte Konversation in den Cafés und Restaurants: "Entschuldigung, kommen Sie rein?" - Kopfschütteln. Fragt man an einem der Info-Schalter, bekommt man zu hören: "Doch, doch, hier gibt es Wifi." Aber wie gesagt, nur theoretisch.

Ruhe? Gibt's nicht!

Wer nun einen Platz zum Lesen sucht oder um zu entspannen, sucht vergeblich. Der Atatürk-Flughafen mit seinen drei Terminals, davon ein internationales, eins für Ziele innerhalb der Türkei und ein Frachtterminal, ist zu klein für das heutige Passagieraufkommen. So, wie man oft das Gefühl hat, Istanbul sei zu klein für seine mindestens 15 Millionen Einwohner. Vor zwölf Jahren kam das heutige internationale Terminal neu hinzu. Der Flughafen ist damit ausgelegt für etwa 20 Millionen Passagiere im Jahr. Es sind jetzt schon mehr als doppelt so viele. Entsprechend eng und laut geht es hier zu. Die Regierung von Premier Recep Tayyip Erdogan will bis 2017 einen dritten Airport für Istanbul bauen. Es soll der weltgrößte Flughafen werden - drunter geht's nicht.

Kein Angebot für Kinder

Platz für Kinder gibt es kaum. Sie zu beschäftigen kostet in dem Gewusel mitunter Nerven. So wie in Istanbul, wo es zu wenig Grünflächen und Spielplätze gibt. Wenigstens ist der Ausblick von fast überall in den gläsernen Terminals gut: Man schaut auf Flugzeuge und hier und da auf die Start- und Landebahnen.

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die türkische Gesellschaft ist gespalten - auch am Flughafen Atatürk. Ein unscheinbarer Eingang führt in die Business-Class-Lounge, hinter der man ein paar breitere Sofas, eine Auswahl an freien Getränken und vielleicht einen großen Fernseher vermutet. Aber von wegen: Die Lounge ist eine Halle mit Kino, Liegen, einer ganzen Wand voller Getränke, diverse Essensstationen und tollem Ausblick.

Wer sich Business Class leisten kann, taucht in eine andere Welt ein. Mit funktionierendem Internet. Für umgerechnet etwa 500 Euro bietet der Flughafenbetreiber TAV einen Pass an, dessen Inhaber Sonderrechte genießen. Zum Beispiel Sicherheits- und Passkontrollen an weniger vollen Stellen, kostenfreies Parken und spezielle Wartehallen fern der Massen. Lohnt sich aber bei dem Preis nur für Menschen, die den Atatürk-Flughafen extrem oft nutzen.

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