Weingut Monteverro in der Toskana Ein Herz für große Weine

Erst seit wenigen Jahren mischt Georg Weber in der Toskana mit. Mit dem Weingut Monteverro wollte der junge Deutsche es mit den besten Winzern aufnehmen. Das ist ihm gelungen - obwohl vieles zunächst dagegensprach.

Monteverro

Von Rainer Schäfer


Das Wandbild im Restaurant Da Maria zeigt das mittelalterliche Städtchen Capalbio mit den vor ihm liegenden Hügeln im Querformat. Es ist ein stimmungsvolles toskanisches Panorama - von den Wehrtürmen, dem Grün der Macchia und vom Strohgelb der Getreidefelder geprägt. Aber es müsste dringend aktualisiert werden, sagt Georg Weber.

Immer wieder bleibt der Blick des 36-Jährigen am unteren rechten Bildrand haften. Dort, wo eigentlich Monteverro, eines der interessantesten Weingüter Italiens, zu sehen sein müsste, stehen nur Weizenähren. "Nächstes Mal bringe ich Pinsel und Farben mit", scherzt Weber, der das Weingut leitet.

Monteverro befindet sich unterhalb von Capalbio in der Provinz Grosseto, auf dem letzten Hügel vor dem Meer. Mit ihm hat Weber sich entschlossen Zugang zur Gesellschaft der toskanischen Weinaristokratie verschafft. Diese feiert seit den Achtzigerjahren Erfolge mit ihren "Super Tuscans" genannten Rotweinen, die nach Bordelaiser Vorbild erzeugt werden, so wie der Sassicaia oder der Masseto.

Eine Flasche Grand Cru Classé als Erweckungserlebnis

Als Goldküste wird die Gegend um Bolgheri auch bezeichnet. Hier lässt sich mit Prestigeweinen gutes Geld verdienen - seit 2008 ist auch Monteverro dabei, damals hat das Gut seine ersten Weine abgefüllt und macht den Alteingessenen seitdem Konkurrenz. Georg Weber traf auf viele Vorbehalte: Musste er als Deutscher unbedingt noch ein Weingut in der Toskana eröffnen? Zählte er etwa zu diesen gelangweilten Neureichen, die sich von so einem Projekt nur ein bisschen Aufregung versprechen?

In Deutschland wurde der Unternehmer in Neiddebatten verstrickt, aber bald stellte sich heraus: Der Chef einer deutschen Gartencenterkette leistet sich kein Spielzeug, das er bei der nächsten größeren Laune wieder abzustoßen gedenkt. Weber trägt Einstecktücher zu seinen Anzügen, er wirkt bodenständig, nicht wie ein Draufgänger - und doch ist er mit Monteverro entschlossen ins Risiko gegangen.

Dass er sein Herz an große Weine verliert, war nicht vorgesehen. Es passierte in Lausanne, wo er Betriebswirtschaft studierte - bei einer Flasche Grand Cru Classé aus Bordeaux. Für den Studenten ein Erweckungserlebnis, das seine bis dahin auf Vernunft gebaute Welt mächtig erschütterte. Damals setzte sich ein Gedanke in Webers Kopf fest: Er wollte sein eigenes Weingut führen.

Weber sagt, er habe sich in den besten Weinregionen der Welt umgeschaut. Dann entschied er sich für die Maremma - obwohl der südlichste Zipfel der Toskana bis dahin nicht durch önologische Glanztaten aufgefallen war. Doch von den Reizen der geschwungenen Hügellandschaft und des nahe gelegenen Tyrrhenischen Meers ließ der vorsichtige Unternehmer sich nicht blenden.

Abstand der Reben mit Laserstrahlen vermessen

Wohlhabende Römer leisten sich hier ihre Sommerresidenzen, es gehört dazu, dass man sich am Prominentenstrand Ultima Spiaggia sehen lässt. Aber deshalb kam Weber nicht in die Maremma. Er gab aufwendige Bodenanalysen in Auftrag, das Resultat überraschte: Unter den Getreideähren verbarg sich rote Erde, mit einem hohen Gehalt an Eisen, Kalkstein und Ton.

"Es sind stark mineralhaltige Böden mit unglaublichem Potenzial", schwärmt Weber - für ihn der ideale Standort. 2003 erwarb er 50 Hektar Land, doch das war nur ein Zwischenschritt auf einer beschwerlichen Etappe. Es dauerte noch einmal drei Jahre, bis die Baugenehmigung endlich vorlag. "Ich weiß nicht, ob ich noch mal die Kraft hätte, das durchzustehen", sagt Weber heute.

2006 konnte es dann endlich losgehen: Der Keller wurde in den Hügel hineingebaut, davor das Gebäude errichtet, in dem das Monteverro-Team arbeitet. Dabei durfte sich kein Stararchitekt verwirklichen, Prunk war nicht gefragt. Alles wurde der Funktion untergeordnet, besondere Weine erzeugen zu können, sagt Weber. Eine in den Weinbergen installierte Drainage transportiert überschüssiges Wasser ab. Die Rebzeilen stehen preußisch da, in Süd-Südwest-Ausrichtung. Die Abstände zwischen ihnen wurden mit Laserstrahlen ausgelotet. Italienische Winzer schütteln den Kopf über so viel Akkuratesse.

Bis auf Vermentino wachsen hier französische Reben, vor allem aus dem Bordelais. Ein Premier Grand Cru auf toskanischem Boden, das war immer Webers Zielsetzung. Es ist nicht übertrieben, ihn als Qualitätspedanten einzustufen. Das müsse man auch sein, wenn man "Kaschmir erzeugen will und keine Baumwolle", sagt er selbst metaphorisch.

Keine Kompromisse - aber immer wieder Bedenken

Selbst kleinste Kompromisse lehnt er ab, wenn es um die bestmögliche Qualität geht. Dafür vertraut er dem Rat namhafter französischer Experten: der Bodenspezialisten Claude und Lydia Bourguignon und von Michel Rolland, dem wohl einflussreichsten Weinberater. Aber selbst wenn man die größten Koryphäen an seiner Seite weiß - Zweifel kamen immer wieder auf. Was ist, wenn die Böden nicht halten, was sie versprechen? Wenn die Weine nicht so groß werden wie erwartet? Es dauerte beinahe neun Jahre, bis die Bedenken ausgeräumt waren.

Aus den Weinbergen kommen nun Trauben hoher Güte, und im Keller des Weinguts hat man für eine möglichst schonende Verarbeitung der Trauben gesorgt - mit Details, von denen viele Winzer träumen: In einem Kühltunnel wird das Lesegut sofort auf sieben Grad herabgekühlt. Der Barriquekeller ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, mittels derer sich die Temperatur unter den Holzfässern erhöhen lässt, sollte die malolaktische Gärung unterbrochen worden sein. Es wird ohne Pumpen gearbeitet, nur mit Schwerkraft. Ein Garant für besonders seidige Tannine, die man eben für "Kaschmir"-Weine benötigt.

Vor der Eingangstür des Weinguts steht ein gusseisernes Wildschwein. Es ist ein Geschenk von Webers Vater und eine exakte Nachbildung des bronzenen Originals, das auf dem Strohmarkt in Florenz steht. Das Schwein hat dem Weingut auch den Namen gegeben: Monteverro bedeutet Eberberg. "Man muss ihm die Schnauze reiben, das bringt Glück", sagt Weber. Davon hat er auf seinem kurzen Weg in die toskanische Weinelite schon reichlich abbekommen.

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insgesamt 7 Beiträge
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thelabskaus 23.07.2014
1. Schleichwerbung - Wer braucht noch einen weiteren Supertoskaner?
Wer braucht noch einen weiteren Supertoskaner mit "internationalem Charakter"? Französische Rebsorten, französisches Team. Warum hat sich Weber nicht gleich ein Weingut im Bordelais gekauft? Ein Wein, den die Welt nicht braucht und ein "Artikel", für den das Gleiche gilt.
schoenesland 23.07.2014
2. Perfektionismus
Schlimm dieser Perfektionismus. Herrlich war dieses Land, als man in irgendeiner Trattoria den lokalen, köstlichen Landwein aus Wassergläsern trank. Es gibt sie noch diese versteckten Orte...
harnack-schuetz 23.07.2014
3. Capalbio
Was in Gottes Namen hat Capalbio mit der Goldküste von Bolgheri zu tun? Chiaro, auch in Capalbio wird Wein angebaut, geografisch liegen aber Welten zwischen diesen Orten, weintechnisch gesehen. Macht nichts, vermengt wird e alles, Bordelaiser Klone im Land der Maremma, vafanculo
dont_think 23.07.2014
4. Als Amateur ...
... hat sich Georg Weber sicherlich viel Mühe gegeben. Genau so wie sein "Kollege" Günther Jauch. Die Kunst des Weinanbaus erlernt man aber nicht mit dem Kauf von Parzellen, sondern mit dem stetigen Schaffen in den eigenen Weinbergen - sei es nun Sommer oder Winter, nass oder trocken, kalt oder heiß. Es macht auch keinen Sinn, Bordelaiser Klone in der Toskana anzupflanzen, in der Hoffnung, sie könnten auf magische Weise die Bodenqualität des Bordelaise mit der Landschaft der Toskana in der Flasche verbinden. Falls das nicht deutlich geworden ist: im Rheingau gedeihen die Reben auf Löß/Lehm/Ton, an der Mosel auf (Phyllit-)Schiefer, in Rheinhessen auf Kartoffelacker oder Rotliegendem, und auf Sylt auf Sand. Nach einem Semester FH Geisenheim oder Uni Montpellier wüsste man, das Wein wahrscheinlich auch auf dem Mond wachsen würde und es nur Aufgabe des Winzer (und nicht unbedingt des Weingutsbesitzer) sein kann, die speziellen Qualitäten der verschiedenen Lagen herauszuarbeiten. Das nennt man dann "Terroir".
NightToOblivion 24.07.2014
5. 100 Langweiler... äh Parkerpunkte
Wenn die Welt etwas braucht, dann noch einen international angepassten, überproduzierten Supertoskaner.
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