Unberührte Badestellen in Italien Die Geheimtipps des Wildschwimmers

Für Wildschwimmer ist es das Größte: Der Sprung in ein einsames Wasserfallbecken oder in einen wilden Fluss. Der Italiener Michele Tameni kennt die besten Spots in seiner Heimat.

Michele Tameni

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Michele Tamenis Urlaub gleicht manchmal einer Schatzsuche: Der Italiener sucht auf Karten und mit dem Navigationsgerät nach einsamen Flussläufen, Seen oder Wasserfällen. Dann geht er los, oft auf Wegen, die keine sind, schlägt sich durchs Buschwerk oder erklimmt Berge, wandert stundenlang durch den Wald. Nicht immer klappt es. Doch meistens kommt am Ende der Moment, den er liebt, wie nichts anderes auf der Welt: der Sprung ins kalte, klare Wasser.

Tameni ist Wildschwimmer. Für ihn ist es das pure Glück, eine Badestelle fernab von übervölkerten Stränden oder Hotelpools zu finden. "Es ist aufregend, in einen Bergsee oder einen Fluss zu springen", sagt der 33-Jährige. "Nach ein paar Momenten bin ich total entspannt und kann abschalten." Nach der Arbeit fahre er manchmal raus in die Natur, um noch eine Runde zu schwimmen. "Ich brauche das, nach einem ganzen Tag vor dem Computer", sagt der IT-Ingenieur.

Michele Tameni
Michele Tameni

Michele Tameni

Schon als Kind sei er überall ins Wasser gesprungen. "Ich bin süchtig nach Wildschwimmen", sagt Tameni, der begeistert von seiner Lieblingsbeschäftigung erzählt. "In einem natürlichen Gewässer fühle ich mich total frei und mit der Natur verbunden."

Um auch andere an dem Lebensgefühl teilhaben zu lassen, hat er ein Buch geschrieben: einen Reiseführer mit den 160 besten Orten zum Wildschwimmen in Italien - jedenfalls wenn es nach Tameni geht.

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Er hat dazu das ganze Land bereist, drei Sommer lang, vom bergigen Norden bis zu den südlichen Inseln. Er sprang in die Wasserläufe der Friauler Dolomiten sowie in die großen Seen der Lombardei. Wilde Bergseen im Piemont, deren Wassertemperatur zum Ligurischen Meer hin wärmer wird, waren dabei und Thermalquellen in der Toskana. Er badete in Wasserfallbecken und Vulkanseen in Latium, sprang von Klippen in den Abruzzen und erkundete das weniger touristische Inselinnere von Sardinien und Sizilien.

"Manchmal habe ich einfach Einheimische gefragt, wo man gut schwimmen kann", sagt er. "In Italien ist es nichts Besonderes, in den Fluss hinter deinem Haus zu springen, und fast jeder kann dir Tipps geben."

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Italien: Die sechs besten Plätze zum Wildschwimmen

Vor seinem Trip durch Italien, habe er viele Gewässer in Europa getestet. "Ich habe immer gedacht, ich kann Italien ja immer noch bereisen, liegt ja vor meiner Haustür." Doch es sei eine spannende Erfahrung gewesen, im eigenen Land unterwegs zu sein, sagt er. "Je weiter man nach Süden kommt, desto herzlicher werden die Menschen."

Die meisten wilden Badestellen hat Tameni in den nördlichen Regionen Italiens zusammengetragen. Rund um den Gardasee sind auf der Übersichtskarte viele kleine rote Punkte. Kein Wunder, denn dort ist Tameni aufgewachsen, die Gegend kennt er so gut wie keine andere.

"Schon als Kind habe ich die Gewässer rund um den Gardasee erkundet", sagt er. "Für Kinder ist das toll, es ist natürlich." Auf seiner Reise durch Italien habe er auch zahlreiche Badestellen gefunden, die sich gut für Familien eignen, wo der Zustieg einfach ist und es keine Strömungen gibt. Überhaupt, auf die Strömungen müsse man achten, sagt er.

"Es gibt einige Regeln für das Wildschwimmen", sagt Tameni. "Man muss immer schauen, dass es keinen Damm in der Nähe gibt oder dass der Fluss sich nicht plötzlich verengt." In seinem Buch listet er zehn goldene Regeln für das wilde Planschen auf.

Wild, aber sicher!

Zehn goldene Regeln
Unterhalb von Staudämmen mit Wasserkraftwerken auf wechselnde Wasserpegel achten.
Keine schmalen Schluchten erkunden, wenn stromaufwärts starker Regen angesagt ist.
Nicht in Kanälen, urbanen Flüssen oder modrigen Tümpeln schwimmen. Schnitte und Wunden mit wasserdichtem Pflaster bedecken.
Nie bei Überschwemmung in Flüssen schwimmen, immer auf die Wasserqualität achten.
Nie alleine schwimmen und stets ein Auge auf unsichere Schwimmer haben.
Nur ins Wasser springen, wenn man es gründlich auf Tiefe und mögliche Hindernisse geprüft hat.
Bevor man ins Wasser steigt, sollte man sich vergewissern, wie man wieder hinauskommt.
Darauf achten, dass man nicht auskühlt - vor dem Baden durch Bewegungen aufwärmen und gleich danach warm anziehen.
Vernünftiges Schuhwerk tragen.
Sonnencreme auftragen und nie mittags schwimmen - im Wasser vergisst man leicht, wie stark die Sonne ist.

Quelle: Auszug aus "Wild Swimming Italien"

Wenn man einen Reiseführer für einsame Orte veröffentlicht, ist es oft vorbei mit der Einsamkeit. Aber das sei nicht so schlimm, sagt Tameni. "Ich will diese Orte und dieses Lebensgefühl gern teilen. Mein Buch ist für Leute, die gern draußen sind, die nach einem langen Tag in der Stadt nach Idylle suchen." Touristen könnten dadurch eine ganz andere Seite Italiens sehen.

Die Badestellen erreicht man mithilfe der Karten im Anhang des Führers oder mit der eines Straßenatlas'. Auch per GPS lassen sich einige der Orte finden. Mit dem Handy habe man oft kein Signal, warnt Tameni. Wer auf eigene Faust losziehen und noch unentdeckte Badestellen finden will, sollte auf Karten nach Flussbiegungen suchen, an denen sich oft Strände und tiefere Stellen bilden, oder nach Abschnitten oberhalb oder unterhalb von Stauwehren.

Ob geführt durch Tamenis Buch oder durch den Zufall: Wer die noch unberührten Schwimmplätze Italiens findet, entdeckt das Land von einer Seite, die nur wenige kennen.

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insgesamt 15 Beiträge
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geoshd 28.05.2018
1.
Die Bezeichnungen, die Sie suchen, heißen Gumpe und Kolk.
micha670 28.05.2018
2. muss das sein?
Wild schwimmen? Das Eindringen in die letzten Rückzugsgebiete der Tiere? Steht denn jede "Selbstverwirklichung eines Einzelnen über allem anderen? Die einen schwimmen "wild", die anderen fahren mit ihren E-Mountain Bikes querfeldein, Crosser und Quads Kennzeichen allenthalben, Geo-Cacher brechen sich ihren Weg durchs Dickicht. Jeder meint er seine "befreiende" Aktivität der Natur zumuten zu dürfen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich finde in den Regeln kein Hinweis auf Brutzeiten, oder andere die Natur schützenden Regeln... Bleibt zu hoffen, dass es nicht so viele gibt, die seinem Beispiel folgen. Und verglichen mit den o.g. "Naturnutzern" stellt wild schwimmen sicherlich ein eher kleineres Übel dar.
kv21061929 28.05.2018
3. Massentourismus überall
ein wahrer Naturfreund sollte seine "besten Plätze" nicht teilen, wenn er will, das diese besten, schönen Plätze auch so schön bleiben. Überall, kann einem nur noch übel werden, wenn man die Horden von Touristen sieht, der überall seinen Müll und seine Exkremente hinterlässt.
sitcom 28.05.2018
4. Gefährlich
Das ist das Wort das mir im Kopf herumgeht wenn ich den Bericht lese. In Gewässer, gerade Flüssen, zu schwimmen die man nicht kennt bzw. die allgemeine unbekannt sind, gerade mit Kindern
Harfenklang 28.05.2018
5. Was für ein Unsinn...!
Liebe Leute vom Spiegel, ist Euch nicht klar, dass „Geheimtipps“, die im Spiegel veröffentlich werden keine Geheimtipps mehr sind? Dass jemand mit seinen Erfahrungen Geld machen will und ein Buch schreibt...o.k., aber muss man solch einen Unsinn auch noch unterstützen? D.h. also, jetzt gibt es wieder eine Reihe von Orten weniger, wo die Menschen und auch die Natur ein bisschen mehr Ruhe haben konnten... Nehmt doch nächste mal Euren Verstand zusammen und ignoriert einfach solche Unsinns-Bücher!
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