Bildband Die letzten Fischer vom Lago Maggiore

Einst warfen Hunderte Fischer auf dem Lago Maggiore ihre Netze aus. Heute sind es nur noch 14, das Handwerk droht auszusterben. Fotograf Claudio Verbano setzt der Zunft ein Denkmal.

Claudio Verbano

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Es ist stockdunkel, die Luft klirrend kalt und klar, als sich Eugenio Tomaselli auf den Weg zum Hafen macht. An der sonst so belebten Uferpromenade von Luino am Lago Maggiore ist es noch ruhig, als der Fischer sein Boot startet, um gleich seine Netze auszuwerfen. Es wird das letzte Mal für ihn sein: So wie viele andere gibt er seinen Beruf auf.

Einst fischten vor der malerischen Kulisse rund tausend Fischer, mittlerweile sind es nur noch 14. Packt auch der letzte seine Netze ein, dann wird das alte Handwerk hier aussterben - Nachwuchs gibt es keinen. Der Fotograf Claudio Verbano will mit seinem Bildband "Die letzten Fischer am Lago Maggiore" die Erinnerung an diese alte Tradition aufrechterhalten.

Seine Familie stammt vom Lago Maggiore. Auch wenn er selbst nicht dort aufwuchs, so verbrachte er doch häufig die Ferien am See, bei Onkeln, der Großmutter oder Freunden der Eltern. Damals schon faszinierten Verbano die Fischer: wie sie ihr Boot nachts zum Wasser brachten, wie zäh sie waren und wie verbunden mit der Natur.

Die Fischerei hat das Leben am Lago Maggiore stark geprägt. "Die Dörfer haben sich beispielsweise dort entwickelt, wo die Fischer waren", sagt Verbano. 2014 fing er an, die Männer in den Dörfern und Städten wie Ispra, Stresa und Arona rund um den See aufzusuchen, sie bei der Arbeit zu begleiten.

Die Fischer zu fotografieren, war oft schwierig für Verbano - nicht nur wegen der Kälte und des frühen Aufstehens. Um den passenden Moment für eine gelungenes Foto zu erwischen, verbrachte er viele Stunden auf dem See, über vier Jahre hinweg. Manchmal fuhr er mit einem Boot neben den Männern her und musste gleichzeitig die Kamera bedienen. Mal sprang er ins Wasser, weil er von dort aus besser fotografieren konnte.

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15  Bilder
Sie trotzen Wind und Wetter: Die Fischer vom Lago Maggiore

Jede Nacht, selbst bei Nebel, Regen und Schnee sind die Männer auf dem Lago Maggiore unterwegs, um Schwarzbarsche, Zander oder Hechte zu fangen. Lange und ungewöhnliche Arbeitszeiten, kaum Freizeit, nur wenige Stunden in der Woche mit der Familie und Freunden, stattdessen viel allein sein - das bringt das Leben als Fischer mit sich. Noch dazu ist die Arbeit körperlich anstrengend, finanziell aber kaum lohnenswert.

Ein Großteil der Fangrechte ist bereits seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie Borromeo, die Fischer müssen von ihr Zonen des Sees pachten. Rückgang der Fischzahlen, Überfischung, sinkende Wasserqualität - das alles führte dazu, dass es für die Menschen im Laufe der Jahre immer schwieriger wurde, sich vom Fischfang zu ernähren.

Das Handwerk wurde von Generation zu Generation weitergegeben, viele der Fischer lernten es von ihren Eltern. Als er das erste Mal zu seinem Vater ins Boot stieg, war der heute 69-jährige Alberto Rodi gerade einmal drei Jahre alt. Ein paar Jahre später stand für ihn fest, dass er Fischer werden will. Jeden Tag fährt er heute noch raus auf den See, selbst im Winter. Er sagt: "Die Fischerei ist meine Leidenschaft."

Doch die heutigen Nachkommen der Fischer haben kaum Interesse daran, den Beruf zu ergreifen: zu anstrengend, zu wenig profitabel und zukunftsorientiert. "Es ist schade, wenn so eine lokale Kultur ausstirbt - aber aufhalten kann man es nicht", sagt Verbano. Zumindest will er sie aber nicht in Vergessenheit geraten lassen.

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