Von Julia Stanek
Aus ihrem Zimmer im roten Leuchtturm haben die Gäste einen spektakulären Blick aufs Mittelmeer. Einsam ist es an diesem südlichen Zipfel von Sardinien, nur ein paar Möwen kreischen über der Steilküste. Der mehr als 150 Jahre alte Faro Capo Spartivento ist italienisches Nationaleigentum. Doch die Agenzia del Demanio - die Behörde, die Italiens Staatsimmobilien verwaltet - hat den Leuchtturm an einen Investor vermietet. Und dieser hat ihn vor drei Jahren in ein Hotel verwandelt.
Es ist eins der Vorzeigeprojekte von "Valore Paese" (auf Deutsch: der Wert des Landes), einer größeren Initiative, die sich Italien hat einfallen lassen, um mit seinen Schätzen aus Stein Geld zu verdienen.
Die Idee besteht darin, historische Gebäude im Staatsbesitz für einen Zeitraum von maximal 75 Jahren in private Hand zu geben und so den alten Gemäuern neues Leben einzuhauchen. Laut der in Rom ansässigen Agenzia del Demanio kommen Hunderte Häuser in Frage. Ob Adelspaläste in der Toskana, Gefängnisse auf verlassenen Inseln, Kasernen am Gardasee, Schlösser oder eben Leuchttürme - die Mieter sollen die Immobilien restaurieren und zu Hotels mit komfortabler Ausstattung umbauen.
"Wir wollen ein Netzwerk aus Hotels in historischen Gebäuden aufbauen", sagt eine Sprecherin der Agenzia del Demanio. "Es soll eine Dachmarke entstehen, ähnlich wie bei den Paradores in Spanien." Als Beispiel in Italien soll bald die Villa Tolomei bei Florenz dienen. Ein Millionenprojekt, bei dem einem heruntergekommenen Palast zu neuem Glanz verholfen wurde. Das Vier-Sterne-Resort in den Hügeln der Toskana öffnet im Mai seine neuen Holzpforten für Gäste. Ein Doppelzimmer wird mindestens 300 Euro pro Nacht kosten.
Mehr Baracke als Burg
"Wir wollen aus diesen Gebäuden Nutzen ziehen, sie haben einen immensen Wert", sagte vergangene Woche bei einer Pressekonferenz Domenico Arcuri, einer der Projektverantwortlichen. "30 Jahre lang haben alle nur davon geredet, dass der Tourismus für Italien fundamental wichtig ist. Aber in diesen 30 Jahren haben uns andere Länder überholt." Nun sei es an der Zeit, diesen Trend wieder rückgängig zu machen.
Hinter der Initiative steckt neben der Behörde für Staatsimmobilien auch die Wirtschaftsförderungsbehörde Invitalia, die beide dem italienischen Finanzministerium unterstellt sind. Erklärtes Ziel sei es zwar, das touristische Angebot zu erhöhen und das historische Erbe in den Mittelpunkt zu stellen. Doch wenn dabei die Staatsschulden sinken, ist das laut der Agenzia del Demanio ein willkommener Nebeneffekt.
"Wir können nicht das Eigentum des Staates verkaufen, aber wir können damit für mehr Einnahmen sorgen", lautet die Ansage einer Behördensprecherin. Für den Leuchtturm Capo Spartivento auf Sardinien kassiert Italien 36.000 Euro pro Jahr. Die Vermietung der Villa Tolomei bringt dem Staat jährlich 150.000 Euro ein.
Kasernen und Knäste zwischen Bergamo und Neapel
Mehr als 2000 staatliche Gebäude kommen laut der Agentur für Staatsimmobilien für den Umbau in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen in Frage. In einer ersten Projektphase wurden etwas mehr als 100 Häuser begutachtet und auf Lage, Schönheit und den jeweiligen Restaurationsbedarf untersucht.
Für folgende sieben Gebäude sollen bald die Ausschreibungen veröffentlicht werden, heißt es auf der Website der Agenzia del Dimore:
Wie feudal sie künftig aussehen könnten, zeigt das Beispiel vom Leuchtturm Capo Spartivento: Der Charme der alten Anlage blieb trotz des Umbaus erhalten, weil laut dem Investor Alessio Raggio "kein neuer Stein auf einen alten gesetzt wurde". Aber nun können die Gäste unterm Leuchtfeuer exquisit dinieren, Champagner trinken oder in einen Infinitypool springen. Wer den exklusiven Traumurlaub buchen will, muss für eine Woche mit Meerblick bis zu 7000 Euro hinblättern - Halbpension und Getränke exklusive.
"Wir müssen uns auf den Luxusmarkt konzentrieren", sagt Unternehmer Raggio, der das Leuchtturmhotel auf Sardinien führt. "Der Faro hat nur sechs Zimmer, verursacht aber Kosten wie eine Unterkunft mit 60 Zimmern." Nicht nur die Restauration, auch die Instandhaltung sowie Personalkosten seien extrem teuer. Ein billiges Bed & Breakfast wäre da wirtschaftlich nicht erfolgreich.
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