Masters-Woche in Augusta: Rummel um den heiligen Rasen

Aus Georgia berichtet Denis Krick

Jeden April wird Augusta zum Golfmekka der Welt: Das Masters-Turnier zieht Hunderttausende Besucher in die beschauliche Stadt im US-Bundesstaat Georgia. Während viele Anwohner dem Spektakel entfliehen, erfüllen sich andere ihren großen Traum.

Augusta in Georgia: Magisches Masters Fotos
REUTERS

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Die ersten Schilder tauchen schon an der Abfahrt des Interstate Highway 20 auf. Und je länger man danach auf der Washington Road durchs Zentrum in Richtung Magnolia Lane fährt, um so mehr werden es. "Brauche Tickets!", steht auf ihnen in Großbuchstaben geschrieben. Die Schildermaler sind dann nicht weit entfernt. Sie stehen an der Straße oder campieren auf Parkplätzen. Ihnen geht es in diesen Tagen um ein wertvolles Gut: Eintrittskarten zum prestigeträchtigsten Golfturnier der Welt, dem Masters.

Anfang April befindet sich Augusta im Ausnahmezustand. "Dann haben wir statt 200.000 Einwohner für eine Woche 400.000", sagt Chris Blackburn, der in der beschaulichen Stadt im US-Bundesstaat Georgia zu Hause ist. Seit 1934 wird im elitären Augusta National Golf Club das Masters ausgetragen. Die Veranstaltung ist eines der vier Major-Turniere der Saison. Ein Sieg beim Masters ist für Profis einer der größten Triumphe.

"Die Touristen denken immer, dass wir hier alle golfverrückt sind", sagt Blackburn und lacht. "Dabei ist das überhaupt nicht so." Tatsächlich würden viele Einwohner Augustas in der Masters-Woche liebend gerne die Stadt verlassen und ihre Häuser an Turnierbesucher und -teilnehmer vermieten. Wer dann auch noch die begehrten Tickets im Angebot hat, mache ein gutes Geschäft. "Bis zu 30.000 Dollar in einer Woche", sagt Blackburn. "Steuerfrei."

Auch die Golfclubs in der Umgebung verdienen ganz gut in dieser Zeit. Wenn das Masters stattfindet, steigen die Greenfee-Gebühren in der Region um ein Vielfaches. Dann muss man für eine Runde auf einem eher unspektakulären Platz bis zu 250 Dollar zahlen. Blackburn empfiehlt den Besuchern den Bartram Trail Golf Club. "Der Preis liegt in der Masters-Woche ungefähr bei 150 Dollar", sagt er. "Und der Kurs macht wirklich richtig Spaß." Den Rest des Jahres kommt man hier ziemlich günstig auf den Platz: 18 Loch für 25,50 Dollar.

Eine Runde Golf im Augusta National spielen

Besucher, die auf dem heiligen Rasen von Augusta National spielen wollen, muss Blackburn enttäuschen. "Die wenigsten Einwohner der Stadt haben jemals einen Fuß auf das Grundstück, geschweige denn den Platz gesetzt", sagt der Golflehrer. Eine Runde in dem Privatclub, der erst seit vergangenem Jahr Frauen aufnimmt, sei noch immer eine höchst exklusive Angelegenheit. Bill Gates, Warren Buffett und die anderen knapp 300 Mitglieder wollen schließlich ihre Ruhe haben. Allerdings gebe es auch einen kleinen Trick, um doch dort abzuschlagen.

"Freiwillige Helfer beim Masters-Turnier dürfen Ende Mai dort spielen", sagt Blackburn, der als Jugendtrainer für Tiger Woods' Ex-Coach Hank Haney arbeitet. "Und in diesem Jahr bin auch ich endlich dabei." Damit werde ein Traum wahr. Als sogenannter Shottracker ist er dann ganz nah dran, wenn die Profis um den Sieg in Augusta kämpfen. Und als Belohnung gibt es eine Runde in Augusta National. Dementsprechend begehrt sind die Aushilfsjobs. Wer jedoch einmal mitgeholfen hat, der darf im nächsten Jahr auch wieder mitmachen.

In Augusta freut man sich während der Masters-Woche jedoch nicht nur auf das Golfturnier - ein großes Rockkonzert im hiesigen Amphitheater zieht die Massen an. "Für uns Einwohner ist das eines der absoluten Highlights im Jahr", sagt Blackburn. "Das ist immer einen riesige Party." Augustas berühmtester Sohn kann da leider nicht mehr mitfeiern: Der 2006 verstorbene "Godfather of Soul" James Brown, dem im hiesigen Museum der Geschichte eine ganze Ausstellung gewidmet ist.

Etwas ruhiger als das Open-Air-Konzert ist die Moonlight Music Cruise. Für 25 Dollar fährt man am Freitag in der Masters-Woche hier auf einem Boot durch den Kanal der Stadt. Die Teilnehmer bringen ihre eigenen Snacks und Getränke mit an Bord und lauschen in diesem Jahr der Countrysängerin Erica Sunshine Lee.

Blackburn hat aber auch noch einen Tipp für Masters-Fans, die ohne Eintrittskarten angereist sind. "In diesem Fall lohnt sich immer eine Fahrt über die Washington Road", sagt er. Denn die Schildermaler von Augusta brauchen keineswegs nur Tickets, sie verkaufen diese auch. Man müsse nur nett fragen - und genügend Bargeld dabei haben.

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