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Schneemangel in Schweizer Skigebiet: Einheimische sollen unten bleiben

In den Schweizer Alpen ist nicht genug Schnee für alle da. Der Betreiber des Skigebiets Flims Laax Falera bittet daher Einheimische, Touristen den Vortritt auf den Skipisten zu lassen. Das sorgt für schlechte Stimmung.

Schnee fehlt: Einheimische bitte zu Hause bleiben Fotos
DPA

Hamburg - So mancher Einheimische im Schweizer Skigebiet Flims Laax Falera wird sich auf schöne Weihnachtstage auf der Piste gefreut haben. Doch erstens liegt angesichts des milden Winters nicht einmal in den Alpen viel Schnee. Und zweitens dürfte auch ein Brief des örtlichen Bergbahnbetreibers vielen Alteingesessenen die Lust aufs Skifahren verdorben haben.

Pünktlich zu Heiligabend flatterte den Einwohnern der Gemeinden Flims, Laax, Falera, Trin und Sagogn ein Schreiben der Weisse Arena Gruppe ins Haus, in dem sie gebeten werden, die Skier zu Hause zu lassen. Dabei beginnt der Brief, über den mehrere Schweizer Medien übereinstimmend berichten, recht unverfänglich. Zunächst wird auf die schlechten Pistenverhältnisse in vielen Skigebieten hingewiesen. "Das Skigebiet Flims Laax Falera gehört glücklicherweise NICHT dazu", heißt es weiter. Denn oberhalb von 1600 Metern liege genügend Schnee.

Manch Einheimischer dürfte sich da noch gefreut haben. Denn wortreich wird dann noch erklärt, mit welchem Aufwand man sich um gut präparierte Pisten bemühe. Der nächste Absatz lässt dann aber schon nichts Gutes erahnen: Keine der fünf Talabfahren sei aktuell in Betrieb. An den Bergstationen komme es am Nachmittag bei den Bergbahnen in Richtung Tal deshalb bereits zu längeren Schlangen.

Und dann erst kommt das Tourismusunternehmen endlich zum Punkt: "Daher benötigen wir Ihre Unterstützung: Wir bitten Sie höflich, aufgrund des zu erwartenden Gästeaufkommens zugunsten unserer Gäste zurückzutreten und als Einheimische auf die Nutzung der Anlagen solange zu verzichten, bis die Talabfahrt nach Flims oder Laax verfügbar ist."

Die Absender von der Weisse Arena Gruppe dürften schon geahnt haben, dass an dieser Stelle so manch Einheimischer empört nach Luft schnappt. "Für uns ist dies eine absolute Ausnahmesituation", heißt es weiter. Und dann wird den Einheimischen noch Hoffnung gemacht. Bereits zu Beginn der nächsten Woche solle sich die Schneesituation verbessern.

Dann allerdings sind die Weihnachtsfeiertage vorbei und ich muss wieder arbeiten, dürfte so mancher Einheimische gedacht haben. Kooperation wird wohl dennoch vorausgesetzt. Denn das Schreiben endet mit den Worten: "Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr." Unterzeichnet ist es von Reto Gurtner, dem Chef der Weisse Arena Gruppe.

Doch nicht alle Einheimischen haben offenbar Verständnis. "Das ist frech, ich bin verärgert. Wir zahlen Steuern und das Ski-Abo und müssen zu Hause bleiben", zitiert die News-Webseite "20 Minuten" einen Einwohner von Laax. Ein anderer sagte "20 Minuten", viele Einheimische blieben an den Festtagen wegen der vielen Touristen sowieso den Pisten fern. Der Brief sei dennoch unhöflich. "Ich fühle mich bevormundet."

In anderen Skigebieten dagegen amüsiert man sich über die Probleme in Laax. Via Twitter werden die Skifahrer ins Engadin eingeladen.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Dazu passend: Rundmail an deutsche Touristen
stefanberger 25.12.2014
"Hallo Stefan, In LAAX ist einiges los über die Festtage! Oberhalb von 1600 Metern haben wir sehr gute Pistenbedingungen zum Skifahren und Snowboarden oder Winterwandern. Auch die Wetterprognose für die nächsten Tage verspricht Sonne satt. (..) Dank dem Einsatz der Bergbahn-Crew werden voraussichtlich zu Weihnachten 27 von 29 Anlagen geöffnet sein. (..) geh direkt ohne Anstehen auf den Berg. Noch keine Pläne für Silvester? (..) Ankommen und geniessen. (..) Frohe Festtage. Dein LAAX Team"
2. Macht schon Sinn
shooop 25.12.2014
Die Gäste reisen unter Umständen von weit an für eine Woche Skiurlaub und haben nur diese eine Woche. Die Einheimischen können jedes Wochenende auf die Bretter. Etwas Sinn macht dieser Brief also schon. Gott sei Dank bin ich zeitlich flexibel. Ich fahre dann runter zu. Skifahren wenn tatsächlich Schnee liegt und buche nicht schon Monate vorher.
3. Schneesozialismus
tailspin 25.12.2014
Sozialismus ist die Verwaltung des Mangels. Die lokalen Wurstlaeden koennten hier ein paar Schilder an die Liftbetreiber zur Regulierung der Einheimischen ausleihen: "Wir muessen leider draussen bleiben"
4.
kdshp 25.12.2014
Vieleicht sollten die leute mal überlegen wovon sie leben! Ohne touristen keine arbeit ohen arbeit kein geld.
5. Wo...
sebastianw13 25.12.2014
... ist denn das Problem, wenn der örtliche Anlagenbetreiber den Einheimischen mitteilt, besser sie bittetm (!), dass um der gemeinsamen (!) wirtschaftliche Grundlage - dem Tourismus - willen bitte der Pistenbetrieb entlastet werden soll?!? Das dürfte im allgemeinen Allgemeininteresse sein. Wer dann noch egoistisch sein will - na los!
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