Kelburn Castle in Schottland Graf will Graffiti-Schloss unter Denkmalschutz stellen

In einem Land mit unzähligen Schlössern muss man sich schon was Besonderes einfallen lassen, damit das eigene auffällt - so wie Patrick Boyle. Der Graf von Glasgow ließ sein Castle von Graffiti-Künstlern verschönern - und hofft jetzt auf Denkmalschutz für seine Villa Kunterbunt.

Getty Images

Fairlie - Riesige Glubschaugen starren vom Turm des Kelburn Castle, lilafarbenes Haar mit blassen Strähnchen legt sich um den runden Bau. Das 750 Jahre alte Schloss an Schottlands Westküste ist so gar nicht das, was man sich unter einem Schloss vorstellt - doch es trifft genau den Geschmack von Patrick Boyle, dem Grafen von Glasgow. Der 72-Jährige hat sein Domizil 2007 von brasilianischen Graffiti-Künstlern mit bunter Sprühfarbe in eine Villa Kunterbunt verwandeln lassen - und will, dass es nie wieder ergraut. Boyle stellte deshalb einen Antrag auf Denkmalschutz.

Ursprünglich sollte Kelburn Castle nur drei Jahre lang in diesem Zustand bleiben und dann renoviert werden. Doch der farbenfrohe Südflügel entpuppte sich bald als echter Besuchermagnet.

"Das Mauergemälde hat in den vergangenen drei Jahren für ein enormes Interesse in der ganzen Welt gesorgt", sagt Boyle laut einem BBC-Bericht. "Jeder, der es sieht, liebt es."

Besonders bei Familien mit Kindern ist das Schloss in der Grafschaft Ayrshire ein beliebtes Ausflugsziel, das außer dem Wandgemälde einen Geheimpfad durch den Wald bietet sowie Tierbeobachtungen mit einem Ranger. Liest man die Reiseberichte auf Seiten wie Tripadvisor, wird zwar deutlich, dass nicht jeder mit dem Angebot zufrieden ist - einige Besucher kritisieren zum Beispiel die Wege als nicht kinderwagentauglich und beschreiben das Gelände als heruntergekommen.

Doch für andere ist das Riesen-Graffito am Kelburn Castle eine Reise wert. Laut Boyle ist es inzwischen zu einer Sehenswürdigkeit geworden, es habe "dem Anwesen einen ganz neuen Charakter verpasst".

Fremdartig, fröhlich, futuristisch

Genau das ist auch der Grund, warum das Kunstwerk zunächst nur für drei Jahre genehmigt wurde. Laut Denkmalschutzbehörde dürfen Eigentümer historischer Gebäude die Fassaden nur mit solchen Farben anstreichen, die sie auch im Verlauf der Geschichte hatten.

Davon will Patrick Boyle, dessen Familie seit 800 Jahren im Besitz des Kelburn Castle ist, jedoch nichts wissen: "Alle Gebäude, die wir heute als historisch bezeichnen, waren bei ihrer Entstehung Trendsetter in Architektur und Design", sagte der Graf laut dem Bericht. "Das Wandgemälde mag etwas fremdartig und futuristisch anmuten, aber es zaubert den Leuten ein Lächeln aufs Gesicht - warum sollte es nicht bleiben?"

Das Schloss ist auf jeden Fall noch bis Ende Oktober zu besichtigen, wie es auf der Website des Kelburn Castle derzeit heißt. Ob auch in Zukunft noch ein Uhu als buntes Gaubengemälde über die Birnen-Melonen-Bäume an der Schlossfassade wachen wird, müssen nun die Behörden entscheiden.

jus



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insgesamt 2 Beiträge
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betawa 12.09.2011
1. Darf man das?
In Deutschland hätte ihn der Denkmalschutz und das Bauordnungsamt auf den Mond geschossen. :)
lemming51 13.09.2011
2. Begeisterung
Zitat von sysopIn einem Land mit unzähligen Schlössern muss man sich schon was Besonderes einfallen lassen, damit das eigene auffällt - so wie Patrick Boyle. Der Graf von Glasgow ließ sein Castle von Graffiti-Künstlern verschönern - und hofft jetzt auf Denkmalschutz für seine Villa Kunterbunt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,785778,00.html
Das ist etwas, für was ich die Briten liebe und mein Leben lang lieben werde: wenn die mal eine Meise haben, dann aber richtig !!! Phantastisch die Sache Mr. Boyle, spitzenmäßig !!!
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