Kinderparadies Venedig Gruselgeschichten, Gelato und Glasbläser

Victoria Huber

4. Teil: Gänsemarsch durch Gässchen


Der letzte entscheidende Punkt, der unseren Venedigtrip zum gelungenen Erlebnis werden lässt, ist die Begegnung mit Susanne Kunz-Saponaro. Sie kommt aus dem Ruhrgebiet und ist der Liebe wegen in Italien. Sie heiratete einen Römer, Architekt in Ferrara, und lebt mit ihm und den gemeinsamen vier Kindern in Venedig. Ihr Spezialgebiet sind Stadtführungen für Familien. Die studierte Kunsthistorikerin trägt eine dunkle Sonnenbrille - und an den Füßen bequeme Trekkingsandalen.

"Kommt mit, ich weiß ein schattiges Plätzchen", flötet sie bei der Begrüßung vor dem Markusdom aus der Menge. Im Gänsemarsch, die Kinder fest an den Händen, folgen wir ihr unter die kühlen Arkaden des Dogenpalasts. "Wisst ihr, worauf wir hier sitzen?", beginnt Kunz-Saponaros spannende Erzählung von der Geschichte Venedigs. Mit vielen Gesten entwirft sie ein lebendiges Bild der Lagunenstadt, die auf hölzernen Pfählen gebaut wurde. Vor allem die Jungs horchen bei ihrer Beschreibung der alten Zeiten auf, in denen Verbrecher im Dogenpalast verurteilt und über die Seufzerbrücke ins Gefängnis nebenan gebracht wurden.

Die Kinder pressen ihre Gesichter zwischen die steinernen Säulen der Brücke nebenan, um einen Blick auf die Grusel-Sehenswürdigkeit zu erhaschen. Lynn und Sophie reiten anschließend auf einem geflügelten Markuslöwen, dem Wahrzeichen der Stadt, der in Stein gemeißelt vor dem Markusdom steht. Einige hundert sind in Venedig aufgestellt oder zieren die Paläste und Säulen.

Dann entführt uns Kunz-Saponaro in eine kleine verwinkelte Gasse. Urplötzlich verebbt der Touristenstrom. Wir sind fast die Einzigen, die sich durch die anliegenden Straßen mit Kurs auf die berühmten Giardini fortbewegen, wo in diesem Sommer die Biennale stattfindet. Immer wieder passieren wir auf unserem Weg kleine Brücken. Die Gässchen sind teilweise so eng, dass bloß wenige Wäschestücke auf den Leinen zwischen ihnen Platz finden.

Die Kinder bleiben vor einem Geschäft mit venezianischen Roben stehen. Es ist heiß, unsere Kleinste will getragen werden, denn das Laufpensum ist ziemlich happig - spätestens jetzt ist jedem von uns klar, warum Kunz-Saponaro Trekkingsandalen an den Füßen trägt.



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