Klettergebiete in Europa Wo es im Frühling an den Felsen geht

Raus aus der Halle, ran an den Felsen: In einigen Teilen Europas können Sie an Ostern schon im T-Shirt klettern. Wir stellen die schönsten Klettergebiete zwischen Ägäis und Atlantik vor.

Josito Guesthouse/ Moritz Latzka

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Die Hände mit Hornhaut und Schwielen überzogen, die Haut blass, dafür aber klappt endlich der einarmige Klimmzug. Viele Kletterer haben die Wintermonate in der Halle trainiert, um fit zu bleiben - und sich auf die Outdoor-Saison vorzubereiten. Nun ist der Frühling da, und es heißt endlich wieder: raus an den Felsen.

In vielen südlichen Klettergebieten Europas kann beinahe das ganze Jahr über geklettert werden. Doch während die Sommermonate oftmals zu heiß sind und der Winter zu feucht ist, sind Temperaturen und Felsqualität in den Wochen um Ostern meist ideal. Wir stellen einige der schönsten Klettergebiete vor:

Klettergebiete in Europa

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Griechenland: Der populärste Spot in Europa

"Es ist aber kein zweites Kalymnos..." - dieser Satz fällt häufig in der Kletterszene. Denn immer wieder werden Klettergebiete mit der griechischen Insel in der Ägäis verglichen und schneiden dabei meist schlechter ab. Kalymnos ist der wohl populärste Kletterspot in Europa, und in der Hochsaison wird die Insel von Sportlern regelrecht überlaufen.

Zahlreiche, gut abgesicherte Routen in den unteren Schwierigkeitsgraden erleichtern den Einstieg für Anfänger. Die Sintersäulen und extremen Überhänge der berühmten "Grande Grotta" locken Fortgeschrittene an. Die Anreise nach Kalymnos ist jedoch ein wenig umständlich und nicht gerade günstig: Es gibt keine Direktflüge, man reist von der Urlaubsinsel Kos oder von Athen aus mit der Fähre an.

Leichter zu erreichen ist das neuere Klettergebiet Leonidio auf der Peloponnes-Halbinsel. Und siehe da: Dem noch recht unerschlossenen Gebiet wird in der Kletterszene ein "Potenzial wie Kalymnos" nachgesagt.

Überhängende Sportkletterroute mit Sinterstrukturen in Kalymnos
imago/ Westend61

Überhängende Sportkletterroute mit Sinterstrukturen in Kalymnos

Frankreich: Die "Wiege des Boulderns"

Rund eine Stunde südlich von Paris befindet sich ein magischer Ort: der Wald von Fontainebleau, genannt "Die Wiege des Boulderns". Jeder, der bouldert, sollte einmal mit geschulterten Crashpads durch die ruhigen Kiefernwälder gestreift sein, auf der Suche nach dem perfekten Felsblock. Und davon gibt es viele in Fontainebleau.

Rund 10.000 bis 20.000 erschlossene Boulder aus grauem Sandstein liegen in dem etwa 25.000 Hektar großen Gebiet - teils mitten im dichten Wald, teils eingebettet in feinen, weißen Sand. Die optimale Zeit ist von Oktober bis April, denn die Griffigkeit des Felsens ist bei niedrigeren Temperaturen besser. Im April ist die Wahrscheinlichkeit dazu recht hoch, ein paar wärmere Sonnentage abzubekommen.

Doch natürlich gibt es in Frankreich nicht nur die kurzen, kraftvollen Boulderprojekte, sondern auch die langen Ausdauerrouten: Unter dem Gipfel des Mont Blanc erstrecken sich zahlreiche Sportklettergebiete im Tal von Chamonix. Rotgelber, griffiger Granit, sonnige Wände und sehr gut abgesicherte Alpintouren ziehen Kletterer aus der ganzen Welt an. Mit maximal 15 Grad Celsius ist es hier im April jedoch noch etwas frisch. Dann doch besser auf die französische Mittelmeerinsel Korsika mit ihrem mediterranen Klima.

Boulderer auf der Suche nach dem perfekten Felsblock im Wald von Fontainebleau
Getty Images

Boulderer auf der Suche nach dem perfekten Felsblock im Wald von Fontainebleau

Deutschland: Mit etwas Glück verzieht sich die Nebelsuppe

Hartgesottene haben sich auch in der kalten Jahreszeit nicht abschrecken lassen und sind zum Klettern ins Frankenjura oder in den Harz gefahren. Doch so richtig attraktiv sind die eiskalten Felsen und das regnerische Wetter im Winter nicht. Im Frühling verzieht sich die Nebelsuppe in den deutschen Klettergebieten allmählich.

Die besten Chancen auf sonnige Felswände hat man wohl in der Fränkischen Schweiz. Zwischen Bamberg, Nürnberg und Bayreuth erstreckt sich eines der größten Klettergebiete Europas mit insgesamt mehr als 7000 Routen. Flach und steil, Löcher und Leisten, leicht und schwer - hier ist für jeden etwas dabei.

Spanien: Kletterprominenz trifft Freizeitsportler

Mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr gibt es in El Chorro in Andalusien quasi Schönwettergarantie. Im Frühjahr gibt es zu den perfekten Bedingungen auch noch frische Orangen und Avocados.

Das nördlicher gelegene Gebiet Siurana in Katalonien ist in der Kletterszene nicht minder beliebt - jedoch eher bei den Fortgeschrittenen. Eine der berühmtesten Routen Spaniens "La Rambla" (Schwierigkeitsgrad 9a+) wurde hier vom Extremkletterer Alexander Huber 1994 erstbegangen. Seitdem gilt sie als Meilenstein der Sportklettergeschichte und zieht die Kletterelite aus der ganzen Welt an.

Die Kanareninsel Teneriffa ist unter Urlaubern vor allem für ihre Wanderwege und die schönen Strände bekannt. Doch in den Schluchten und Tälern auf der Südostseite der Insel versteckt finden sich auch abwechslungsreiche Sportkletterrouten. In vielen davon wurde jedoch mit Bohrhaken gespart. Wer keine Keile und Klemmen zum Selbstabsichern mitschleppen will, sollte sich da vielleicht besser im Deep Water Solo versuchen. Bei dieser nicht ganz ungefährlichen Sportart klettert man ungesichert aus dem Wasser oder einem Boot heraus die Klippen hinauf, bis man nicht mehr kann oder will. Dann springt man ab - und landet im Meer.

Mutige beim Deep Water Solo auf Teneriffa
Tenerife Climbing House

Mutige beim Deep Water Solo auf Teneriffa

Italien: Alpen versus Inselfeeling

Wenn man an Berge und Italien denkt, kommen einem natürlich erst einmal die Alpen in den Sinn. Und ja, in den Dolomiten, in den Tälern Valtellina und Valchiavenna und in Mello finden sich die großen Wände mit Mehrseillängentouren von bis zu 800 Metern. Doch im April kann es in den norditalienischen Alpen noch empfindlich kalt sein. Selbst im Outdoor-Paradies Arco am Gardasee ist das Wetter um Ostern herum noch sehr unbeständig.

Da lohnt es sich schon eher, im April die Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien zu erkunden: In mediterranem Klima kann man hier meist direkt vom Strand losklettern.

Malta und Gozo: Einfache Routen in spektakulärer Klippenlage

Noch nicht so bekannt und daher ein echter Geheimtipp ist Malta, insbesondere die vorgelagerte Insel Gozo. In spektakulärer Klippenlage findet man hier auch in den einfacheren Schwierigkeitsgraden Routen direkt am türkisblauen Meer. Die hellgrauen überhängenden Kalkfelsen eignen sich auch hervorragend für Deep Water Solo.

Bulgarien: Günstige Preise und traditionsreiches Klettern

Bulgarien hofft auf einen Rekordsommer und ist vor allem bei jüngeren Leuten als günstiger Gegenentwurf zu Ibiza beliebt. Doch auch abseits des Partyrummels lohnt sich ein Ausflug in das Schwarzmeerland. Denn das größte und traditionsreichste Klettergebiet wartet am Fuße des Balkangebirges.

Vratza ist in der westeuropäischen Kletterszene nur wenigen ein Begriff, dabei bietet der Spot neben sehr langen Mehrseilrouten auch gut abgesicherte Sportkletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden. Hauptsächlich aber ist Vratza der Ort in Europa für traditionelles Klettern, auf Englisch: Trad Climbing. Mobile Sicherungen, wie etwa Klemmen und Keile, werden in Felsspalten und -risse gelegt. Das schont den Felsen, der so frei von Bohrhaken bleibt.

Türkei: Familiäre Kletteratmosphäre unweit von Antalya

Wenn es um dreidimensionales Klettern mit schönen Sinterstrukturen, Überhängen und griffigem Sandstein geht, hat die Türkei eine Antwort: Geyikbayiri. Rund 25 Kilometer vom Touristenort Antalya entfernt liegt ein Areal, das Kletterherzen höher schlagen lässt - und noch dazu den Geldbeutel schont. Nach Antalya kann man von unterschiedlichen Flughäfen in Deutschland schon für rund 100 Euro fliegen, die Unterkünfte vor Ort sind preisgünstig und familiär.

Schön und günstig: Klettern in Geyikbayiri bei Antalya
Josito Guesthouse/ Klaas Willems

Schön und günstig: Klettern in Geyikbayiri bei Antalya

Kroatien: Zwei Schluchten voll Glück

Im Velebit-Gebirge in Kroatien ist schönes Wetter im Frühling und Sommer quasi garantiert. In den zwei großen Schluchten im Paklenica Nationalpark machen anspruchsvolle Mehrseillängentouren, Trad-Climbing-Routen und Boulderblöcke am Fuße des Anica Kuk Kletterer aller Disziplinen glücklich. Das Gebiet ist allerdings nicht ganz einfach zu erreichen und meist mit einer kurvenreichen Fahrt über die adriatische Küstenstraße verbunden.

insgesamt 8 Beiträge
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Christina444 12.04.2017
1. El Chorro
Der caminito del Rey wurde im Jahr 2014 renoviert und hat nun nicht mehr viel mit einem Klettersteig gemeinsam. Es ist sicherlich immer noch ein tolles Erlebnis, aber als spektakulären Klettersteig kann man ihn leider nicht mehr bezeichnen.
schnucki17 12.04.2017
2. Zielgruppe?
Schon bei der Einleitung fragt man sich ernsthaft, wer hier welche Zielgruppe anspricht: "mit einarmigen Klimmzügen von der Halle an den Fels" lässt eher nicht auf Vollblut-Kletterer schließen, die sowieso schon den ganzen Winter in Südeuropa verbracht haben (wo es übrigens noch deutlich schönere und wärmere Gebiete gibt als die oben beschriebenen) und sicher auch ohne einarmige Klimmzüge, dafür mit guter Technik, richtig schwer unterwegs sind. Das klänge natürlich nicht so schön medial wirksam und lässt den blasshäutigen, zahlungswilligen Großstädter ziemlich kalt. Lieber DAV, höre ich da etwa die nächste PR-Aktion durchklingen, um weitere solvente Mitglieder für den "größten Naturschutzverein" zu werben, die sich mit ihrer Gast-Rolle in der Natur nur schwer anfreunden können? Jetzt, da sie doch endlich den einarmigen beherrschen...
waeller1 12.04.2017
3. Livestyle Klettern
Ja wenn schon der Spiegel von den Winterasylen für Kletterer berichtet… Vorbei die schönen Zeiten, als ein paar abgerissene T y p e n im Frühjahr mit ihren schrottreifen Kisten nach Süden bretterten um anzuklettern – bei ein paar Bier oder anderen Genussmitteln zusammen unter den Felsen abhingen um die dicken Unterarme abkühlen zu lassen, die Nächte in Felsnähe unter dem großen Bären – nach Gelagen bei Pedro in der örtlichen Taverne… Heute gefühlte Milliarden von Leuten, die unter den Felsen Ihre dicken Audi und BMW´s parken, mit fuschneuer Ausrüstung sich brav am Einstieg anstellen, sich beschwerend über die riesigen Abstände der Bolts und all dem Ungeziefer, um Abends im Sterne Hotel von Ihren verwegenen Bergabenteuern zu berichten…
supereks 12.04.2017
4. Ihre Angaben über Paklenica sind inkorrekt
In der Kleinen Paklenica ist das Klettern nicht erlaubt. Eine neue Autobahn geht von Zagreb in Richtung Zadar und kommt bis 10 km an die Paklenica Schluchten. Man muss die alte Küstenstrasse überhaupt nicht mehr benutzen. Obwohl diese Küstenstrasse nur Zeit ziemlich leer ist und eigentlich einen sehr schönen Ausflug möglich macht, falls man dazu Zeit hat. Die Gegend is atemberaubend und relativ dünn bevölkert. Sehr empfehlenswert.
BadTicket 13.04.2017
5. Ruhe in den Felsen
Aber bitte, wenn ihr jetzt aus den lauten Hallen in die ruhige Natur kommt, verhaltet euch auch so. Beim Klettern in einer Seilschaft ist eine verbale Kommunikation nur bei Problemen notwendig, wenn alles richtig gemacht wird muss man nie durch die Felsen brüllen. Eine eingespielte Seilschaft braucht kein Wort um zu wissen was Sache ist, das könnte man schon in der Halle üben. Die Ruferei ist gefährlich und nervt andere Kletterer!
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