Klettersteige am Gardasee Oben gibt es viel zu Seen

Sie sind leicht bis herausfordernd - und machen glücklich: die Klettersteige rund um den Gardasee. Hier sind die schönsten Wege im und am Fels.

Stefan Herbke/ srt

Für Einsteiger: Via ferrata dei Colodri

Der mächtige Felsbug des Colodri über Arco gilt mit seinen senkrechten Abbrüchen als das Mekka der Kletterer. Gleich daneben tummeln sich die Klettersteiggeher auf einem leichten Eisenweg, der geradezu ideal für Einsteiger und Kinder ist. Der diagonal durch die Wand führende Steig ist mit Drahtseilen und Eisenklammern bestens abgesichert, anstrengend ist nur die kurze Steilstufe am Schluss.

Vom Campingplatz in Arco sind es nur wenige Meter bis zum Einstieg, der mit seinen kurzen Felsstufen typisch ist für den kompletten Klettersteig. Im Anschluss folgt man kurz einem Steig, der bereits von unten aus gut zu erkennen ist, dann führt eine lange Querung stetig ansteigend zu Felsplatten und -rampen, über die man die steile Felsstufe vor dem Ausstieg erreicht. Oberhalb wechselt man von der Senkrechten in die Waagerechte, genießt den Ausblick zum Gardasee und folgt den Markierungen zum Gipfelkreuz.

Der schönste Weg zurück zum Ausgangspunkt führt über Santa Maria di Laghel mit Blick auf Olivenhaine in die Altstadt von Arco.

Zeit: 2.30 Stunden, Schwierigkeit: B

Klettersteig Via ferrata dei Colodri
Stefan Herbke/ srt

Klettersteig Via ferrata dei Colodri


Für Könner: Via attrezzata Monte Albano

Nach mehrjähriger Sperre ist der 1976 angelegte Klettersteig auf den Monte Albano bei Mori seit dem Frühjahr 2014 wieder geöffnet. Die Sicherungen wurden komplett erneuert, teilweise wählte man sogar eine neue Route. Aber keine Angst, die luftigen Passagen mit imposantem Tiefblick auf die Dächer von Mori, für die der Sportklettersteig berühmt ist, blieben bestehen.

Auch die Schlüsselstelle in Form einer senkrechten Wand gleich am Einstieg - die ersten Meter bis zum Beginn der Sicherungen erfordern leichte Kletterei - gibt es noch. Im Anschluss ist jedoch alles bestens abgesichert, wobei durch die Sanierung fast etwas zu viele Tritte gebohrt wurden. Der Vorteil: Beim Umhängen der Karabiner kann man immer kraftsparend auf einem soliden Eisenbügel stehen. Nach dem anstrengenden Auftakt und den ersten ausgesetzten Quergängen folgt eine leichtere Passage hinüber zur senkrechten Schlusswand. Und die hat es in sich, vor allem die letzten Meter sind eine kraftraubende, teilweise leicht überhängende Kraxelei.

Danach hat man es geschafft und steigt vom Plateau des Monte Albano auf einem bequemen Wanderweg seitlich der Felswand ab nach Mori.

Zeit: 3.30 Stunden, Schwierigkeit: D

Klettersteig Via attrezzata Monte Albano
Stefan Herbke/ srt

Klettersteig Via attrezzata Monte Albano


Der pure Genuss: Via Ferrata F. Susatti

Die senkrechte Nordwand der Cima Capi bildet neben dem Felsmassiv der Rocchetta die imposante Kulisse von Riva. Beim Anblick ist es eigentlich kaum zu glauben, dass dieser Gipfel so leicht zu erreichen ist - zumindest für die, die schwindelfrei sind und etwas Klettersteigerfahrung mitbringen.

Der Zustieg von Biacesa auf dem Sentiero dei Bech ist kurzweilig und liegt vormittags angenehm im Schatten. Erst auf dem Südostkamm der Cima Capi wechselt man in die Sonne, doch zum Glück weht hier in der Regel ein frischer Wind, der für erträgliche Temperaturen sorgt. Der Tiefblick auf den Gardasee ist großartig und der Blick nach oben zur Cima Capi sehr beruhigend. Nirgends senkrechte Wandabbrüche, stattdessen angenehm gestuftes Gelände mit kurzen Felspassagen, über die der Susatti-Klettersteig geschickt nach oben führt.

Eine italienische Flagge ziert den höchsten Punkt der Cima Capi (909 Meter), die von Riva aus betrachtet überaus groß ausschaut, vom Gipfel aus gesehen dagegen ganz klein ist - alle Nachbargipfel sind deutlich höher. Für den Weg entlang des Kammes, der ehemaligen Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg folgt, ist Schwindelfreiheit hilfreich. Danach wechselt man auf die kurze Via ferrata M. Foletti, die eine bereits von der Cima Capi aus zu sehende Felswand quert. Kurz darauf erreicht man die Selbstversorgerhütte Arcioni und die Kapelle S. Giovanni, von der ein steiler Weg hinunter nach Biacesa führt.

Klettersteig Via Ferrata F. Susatti
Stefan Herbke/ srt

Klettersteig Via Ferrata F. Susatti

Zeit: 4 Stunden, Schwierigkeit: B


Für heiße Tage: Ferrata Torrente Sallagoni

An heißen Sommertagen muss man auf den Klettersteigen rund um Riva früh dran sein oder erst spät nachmittags starten, ansonsten wird man in den sonnigen Felswänden regelrecht gegrillt. Oder man wählt die Ferrata Torrente Sallagoni, die unterhalb von Drena durch eine versteckte Schlucht führt.

Nur wenige Meter sind es vom Parkplatz bis zum Einstieg und doch sieht man den Taleinschnitt mit dem Klettersteig erst, wenn man direkt davor steht. Der kleine Bach und die schattige Schlucht sorgen für angenehme Temperaturen, das straff gespannte Drahtseil und die künstlichen Tritte dafür, dass man die regelrecht glattpolierten Felswände oberhalb des Baches überhaupt entlangklettern kann. Ohne die Sicherungen würde man keinen Zentimeter abheben, natürliche Tritte und Griffe gibt es nicht.

Der Steig leitet in die Schlucht, die mit jedem Meter enger und dunkler wird, teilweise kann man mit den Armen beide Wände gleichzeitig berühren. Die Schwierigkeiten sind überschaubar, dennoch erfordern einige Passagen etwas Kraftaufwand, vor allem beim Umhängen der Karabiner. Nach der zweiten Seilbrücke führt ein Ausstieg hinauf zum Castello di Drena, geübte Geher können der Schlucht aber auch bis zu ihrem Ende folgen. Ein spannender Abschnitt, bei dem man teilweise von Stein zu Stein springend dem Bach folgt.

Zeit: 2 bis 2.30 Stunden, Schwierigkeit: C

Dro am Gardasee: Klettersteig
Stefan Herbke/ srt

Dro am Gardasee: Klettersteig


Der Klassiker: Via dell'Amicizia

Zur Feier ihres 100. Geburtstages im Jahr 1972 schenkte die Società degli Alpinisti Trentini (SAT) sich und den Bergen einen Klettersteig. Die Via dell'Amicizia ist damit einer der ältesten Klettersteige der Region - und einer der beliebtesten. Die Ferrata führt mitten durch die markanten Felsabbrüche der Cima SAT, die direkt über Riva aufragt.

Eigentlich handelt es sich bei dem Gipfel nur um einen 1276 Meter hohen Vorsprung im mächtigen Massiv der Rocchetta, doch bei einer Ausgangshöhe von gerade einmal 70 Metern kommt man auf dieser Tour doch ganz schön ins Schwitzen - auch weil der Aufstieg durch die bereits in der Früh komplett in der Sonne liegende Ostflanke führt.

Der Großteil der Tour folgt steilen Wegen und Steigen, erst oberhalb der nur an Wochenenden bewirtschafteten Capanna S. Barbara unterhalb der kleinen, von Riva deutlich zu sehenden, gleichnamigen Kapelle, startet der für seine ewig langen Leitern berühmte Klettersteig. Die überwinden senkrecht bis leicht überhängend die Felsabbrüche und ermöglichen so Tiefblicke nach Riva und zum Gardasee. Der Abstieg führt über den Weg 404 steil zurück zur Hütte und über die Festung Bastione mit einer Einkehrmöglichkeit ins Tal.

Zeit: 6 bis 6.30 Stunden, Schwierigkeit: B/C

Riva am Gardasee: Klettersteig Via dell'Amicizia
Stefan Herbke/ srt

Riva am Gardasee: Klettersteig Via dell'Amicizia


Weitere Informationen: Trentino Marketing, Via Romagnosi 11, 38122 Trento, Italien, www.visittrentino.it/de

Ingarda Trentino Azienda per il Turismo SpA, 38066 Riva del Garda (TN), Largo Medaglie d'oro, 5, Italien, Tel. 0039/0464/554444, www.gardatrentino.it

Stefan Herbke, srt/abl

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 11.07.2016
1. Klettersteige...
...werden von vielen unterschätzt...sehe immer wieder Leute in Turn- und Strassenschuhen da rumsteigen...die Klettersteige am Gardasee sind sehr schön...aber auch nicht ungefährlich.
schmidt herbert 11.07.2016
2. Klettersteigparadies Slowenien
Sehr viele schöne Klettersteige gibt es auch in Slowenien, zum Beispiel auf den Mangart. Einige davon sind noch im Originalzusatnd, andere top restauriert. http://www.verdon.de/aktivitaeten/klettersteig.html
Wilmalein 11.07.2016
3. Ja
Die Klettersteige am Gardasee sind sehr schön. Genau wie die in der Brenta. Leider sind dort viel zu viele Menschen unterwegs. Nix mehr für mich. Zu viele Muttis, zu viele Kinder. Zu viel Lärm.
zoon.politicon 11.07.2016
4.
Die "ewig langen Leitern" des Via dei Amicia sind allerdings nicht jedermanns Sache, da auch sehr ausgesetzt. Ich erinnere, wie einige "Mitbewerber" vor diesen Leitern wieder umgekehrt sind.
vkaras 11.07.2016
5.
also dem Via attrezzata Monte Albano würd ich nur als C bewerten, nicht besonders schwer.... haufen Eisen in der Wand, alles kein Problem. Via Ferrata F. Susatti sehr schöner Steig! wenn man vom Cima Capi über den Cima Rocca geht kann man durch die alten Weltkriegsanlagen gehen, Taschenlampe notwendig! Ferrata Torrente Sallagoni lustige kleine schnelle Tour! auch das nach dem Steig weiter gehen kann man durchaus mal machen ;) Via dell'Amicizia aka der Leitersteig... bis auf die 40 und 70m langen Leitern eigentlich ziemlich langweilig Wie beschrieben viel in der Sonne, da wirds ganz schön warm ^^ meine Empfehlung, der Ferrata Gerardo Sega Steig nicht allzu schwer und schöne Aussichten.
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