Kulturhauptstadt Kosice: Neues Leben in alten Hallen

Aus leerstehenden Kasernen wird ein Kreativzentrum, aus einem maroden Schwimmbad eine Kunsthalle: Kosice rüstet sich für sein Kulturhaupstadt-Jahr 2013. Die zweitgrößte Stadt der Slowakei kann ein bisschen Bekanntheit vertragen.

Kulturhauptstadt Kosice: Sanieren, Umbauen, Feiern Fotos
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Kosice - Kosice, Kaschau, Kassa, Kasha, Cassovia - schon mal gehört? Ganz gleich, ob der Name in Slowakisch, Deutsch, Ungarisch, der Sprache der Roma oder in seiner lateinischen Form genannt wird: Die nach Bratislava zweitgrößte Stadt der Slowakei ist hierzulande noch eine große Unbekannte.

Doch das soll sich spätestens im nächsten Jahr ändern - 2013 ist Kosice zusammen mit Marseille in Frankreich Kulturhauptstadt Europas. Der Titel soll dabei helfen, Kunst und Kultur zu beleben und Kosice über die Landesgrenzen bekanntzumachen.

Schier endlose Plattenbausiedlungen, die sich auch die Berghänge hochziehen, stechen bei der Fahrt in die Stadt ins Auge. Hinzu kommen Supermärkte und riesige Reklametafeln, die den Weg ins historische Zentrum säumen.

"Die Stadt ist nach dem Zweiten Weltkrieg enorm gewachsen", erklärt die Führerin Eva Hoffmann."Die Kommunisten wollten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen vermischen und bauten deshalb nach 1945 ein gigantisches Stahlwerk." Wirtschaftlich machte das freilich keinen Sinn, denn Kohle und Eisenerz mussten von weit her angeliefert werden.

Und es musste für rund 200.000 Menschen Wohnraum geschaffen werden. Heute zählt die Stadt etwa 260.000 Einwohner. Der einstige Staatsbetrieb gehört mittlerweile zur Firma US Steel und ist nach wie vor der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region. Damit steht Kosice wirtschaftlich besser da als andere Städte an der Ostgrenze der Europäischen Union.

Wachsfiguren-Kabinett im Glockenturm

Nach Ungarn ist es nicht weit: "In Richtung Süden erreichen Sie nach 20 Kilometern die ungarische Grenze", erklärt Hoffmann. Im Norden führt die Magistrale ins Zipser Gebiet, in die Hohe Tatra und nach Polen. Die gut 1500 Meter lange Straße ist heute eine Fußgängerzone, die sich in der Mitte zum sogenannten Inselchen erweitert.

Dort steht mit dem gotischen Elisabeth-Dom das größte Gotteshaus des Landes. Wegen der beeindruckenden Aussicht auf den historischen Stadtkern lohnt es sich, die 160 Stufen auf den Nordturm hinaufzusteigen. Gegenwärtig wird die Fassade - sie erinnert an den Prager Veitsdom - umfassend saniert, und auch im Kircheninneren sind die Handwerker dabei, dem Gotteshaus alten Glanz zurückzugeben. Schön restauriert präsentiert sich bereits der Elisabeth-Altar aus dem 15. Jahrhundert.

Gleich nebenan steht der Urbanturm. Er war einst Glockenturm des Doms und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Heute erwartet den Besucher im Inneren ein kleines Wachsfiguren-Kabinett - prominentester Vertreter ist wohl die Pop-Ikone Andy Warhol, dessen Eltern aus der Ostslowakei stammten.

Zum Inselchen gehört auch ein kleiner, gepflegter Park, in dem lustige Wasserfontänen zum Takt der Musik tanzen und springen. Der Platz ist beliebter Treffpunkt, und die Bänke unter den Schatten spendenden Bäumen laden zum Verweilen ein. Auch der stattliche Bau des Nationaltheaters befindet sich auf dem Inselchen. Dort gibt es das ganze Jahr über Oper, Ballett und Schauspiel. Im nächsten Jahr gastiert unter anderem das Sinfonieorchester Tokio, und auch die in der Slowakei geborene Sopranistin Edita Gruberova kommt zu einem Konzert.

Am oberen Ende der Hauptstraße liegen die schönsten Adelspaläste und Bürgerhäuser. Alle sind sorgfältig renoviert, und jedes hat seine Geschichte: "Da ist zum Beispiel das Bettlerhaus. Der Legende nach war ein Bettler der Bauherr - dafür grüßt er vom Dach alle Spender." In vielen der alten Gebäude sind Cafés, Weinstuben und Restaurants mit Terrassenbereichen eingezogen. Vor allem junge Leute bevölkern die Lokale, denn Kosice ist eine junge Stadt und hat gleich drei Universitäten.

Gedenken an Sandor Marai

Eher an vergangene Zeiten denkt Robert Polak. Er ist Direktor des Ostslowakischen Museums, das am Ende der Magistrale liegt und für das Kulturhauptstadtjahr gerade saniert wird. Polak stellt sich gerne vor, wie wohl die Bürger vor Jahrhunderten über den schönen Corso flaniert sein mögen. In seinem Museum gibt es dazu zahlreiche sehenswerte Exponate, und auch wer die Bücher von Sándor Márai liest, kann in diese Zeit eintauchen.

Dem Dichter, 1900 in Kosice geboren, sind ein kleines Museum und ein Denkmal gewidmet. Zu sozialistischen Zeiten wurde Márai totgeschwiegen. Mehrere Projekte sollen den Autoren des Romans "Die Glut" im nächsten Jahr einem breiteren Publikum näherbringen.

Mit rund 75 Millionen Euro können die Stadtväter für das Kulturhauptstadtjahr planen. "Wir wollen kein Strohfeuer entfachen, sondern langfristige Effekte erzielen", sagt Organisationschef Jan Sudzina. So werden leerstehende Kasernen in Innenstadtnähe zu einem Kultur- und Kreativzentrum umgebaut, in dem sich junge Künstler, Designer und Architekten günstig einmieten können.

Ein marodes Schwimmbad wird in eine Kunsthalle verwandelt, und der angrenzende Stadtpark bekommt die dringend notwendige Sanierung. Ein weiteres Projekt sieht den Umbau von ungenutzten Wärmeverteilstationen in den Plattenbaubezirken zu Kulturzentren vor. Das soll dauerhaft frischen Wind in die tristen Viertel bringen.

Detlef Berg/dpa/abl

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