Künstlerkolonien in Deutschland: Gelbe Felder, blaue Reiter

Großartige Landschaften kombiniert mit einem besonderen Licht: Nicht nur die Provence entzückt Künstlerherzen. Auch in deutsche Dörfer wie Ahrenshoop und Murnau zogen Maler einst scharenweise. Noch heute fühlen sich Kreative inspiriert - und alle anderen genießen ihre Werke.

Künstlerkolonien: Von Ahrenshoop bis Murnau Fotos
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Wilde Natur, einsame Landschaften und knorrige Menschen - viele Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren fasziniert vom Leben fern der Großstädte. Deshalb zogen sie in Scharen in entlegene Dörfer in der Provinz. Dort war es günstig zu wohnen, und die Sehnsucht vieler Künstler nach einem naturnahen, einfachen Leben erfüllte sich für sie.

Das kreative Schaffen fand vor allem in der freien Natur statt, die Künstlerkolonien entwickelten sich zu Geburtsstätten neuer Kunstströmungen. Der Pioniergeist von damals ist auch heute noch zu spüren - etwa in diesen fünf Dörfern von der Ostsee bis in die Voralpen.

Ahrenshoop: Kunstmuseum vor Eröffnung

Entdeckt wurde das weltabgeschiedene Fischerdorf Ahrenshoop 1889 durch den jungen Maler und Grafiker Paul Müller-Kaempf. In den Folgejahren siedelte sich eine muntere Schar Künstler in dem ursprünglichen Dorf mit seinen Reetdachhäusern an. Ahrenshoop entwickelte sich nach und nach zu einem bekannten Badeort an der Ostsee.

Die einzigartige Landschaft und die besonderen Lichtverhältnisse inspirieren bis heute viele Künstler. Acht Galerien und Ausstellungshäuser präsentieren klassische und moderne Kunst aller Genres. In den Ahrenshooper Kunstkaten, von Müller-Kaempf und Theobald Schorn 1909 für die Malerkolonie entworfen, werden auch heute wieder regelmäßig Ausstellungen, Auktionen und Lesungen angeboten.

Sehnsüchtig erwartet wird die Eröffnung des neuen Kunstmuseums Ahrenshoop im Spätsommer 2013. Dort sollen die vielen Werke der Ahrenshooper Künstler eine gemeinsame Heimat finden. Traditionell startet im Juni wieder das Ahrenshooper Jazzfest, beim Keramikertreff im Juli dürfen Besucher auch selber Ton gestalten. Weitere kulturelle Höhepunkte sind die Ahrenshooper Filmnächte im September sowie die Literaturtage im Oktober.

Worpswede: Käseglocke und Barkenhoff

"Worpswede - das ist ein Wunderland", so begeisterte sich Paula Modersohn-Becker bereits 1897. Die Malerin sowie ihr Ehemann Otto Modersohn, Fritz Mackensen und Hans am Ende gehörten mit zu den ersten Künstlern, die sich in dem Dorf etwa 30 Kilometer nordöstlich von Bremen niederließen. Noch immer faszinieren die weite Landschaft und ihr hoher Himmel, die Birkenalleen und das geheimnisvolle Teufelsmoor die Besucher.

Worpswede ist bis heute eine aktive Künstlerkolonie mit vielen Galerien und Museen. Eine "Insel des Schönen" schuf der vielseitige Künstler Heinrich Vogeler mit seinem Anwesen Barkenhoff, dem heutigen Heinrich-Vogeler-Museum. Die Große Kunstschau präsentiert Bilder der Gründer der Künstlerkolonie sowie zeitgenössische Kunst. Bei einem Bummel durch die Gärten und Parks entdecken Besucher ein knuffiges Rundhaus: die Worpsweder Käseglocke. In diesem Baudenkmal residiert das Museum für Worpsweder Möbel und Kunsthandwerk.

Ein besonderes Kleinod ist das Haus im Schluh. Das Hofensemble aus drei reetgedeckten Niedersachsenhäusern beherbergt ein Museum, eine Handweberei und eine kleine Gästepension. Wer dort übernachtet, der schläft in Originalmöbeln, entworfen von Heinrich Vogeler, und frühstückt mitten im Museum.

Willingshausen: Rotkäppchens Heimat

Es war einmal ... ein verträumtes Fachwerkstädtchen in Nordhessen. Vor mehr als hundert Jahren war Willingshausen ein beliebter Treffpunkt von Malern. Auch Ludwig Emil Grimm, der Bruder der märchensammelnden Brüder Jakob und Wilhelm Grimm, zog es in den abgelegenen Ort. Seine Gemälde der Schwälmer Trachten mit den roten Hauben gelten als Vorbild für Rotkäppchen.

Ein beliebter Treffpunkt der Künstler war das Malerstübchen im Gasthaus Haase. Dort wurde gefeiert und gemalt, und den Gastraum schmückten bald viele Bilder. Irgendwann kam einer auf die Idee, die Tür der Gaststube gemeinsam zu bemalen. So entstand eines der schönsten Willingshäuser Kunstwerke, das heute in der Ausstellung "Malerstübchen" bewundert werden kann.

An Grimms Märchen in Bildern, Märchen und Vorträgen erinnert im Grimm-Jahr die Kunsthalle Willingshausen mit vielen Veranstaltungen. Wer gerne selbst kreativ werden möchte, der findet in mehrtägigen Zeichenkursen und Wochenendworkshops Inspirationen. Besonders beliebt sind die Museumskurse für Kinder und Jugendliche. Gemeinsam dürfen sie beispielsweise Märchen illustrieren oder so wie vor über hundert Jahren wieder eine alte Tür kunstvoll bemalen.

Murnau und Kochel: Rundweg zum Blauen Reiter

Blauer Himmel, blaue Berge und der blaue Staffelsee - Murnau liegt mitten im Bilderbuchland Oberbayern. Für Franz Marc war die Gegend um Murnau das "Blaue Land". Gemeinsam mit Wassily Kandinsky gab er 1912 den Almanach "Der Blaue Reiter" heraus. Im Münter-Haus findet anlässlich dieses hundertjährigen Jubiläums noch bis Herbst 2013 die Sonderausstellung "Die Blaue Reiterei stürmt voran" statt. Aber im Haus der Malerin Gabriele Münter begeistern die Besucher nicht nur die Gemälde, sondern vor allem die von Kandinsky liebevoll bemalte Holztreppe und viele Möbel.

Der Faszination der Berge widmet sich vom 21. März bis zum 23. Juni im Schlossmuseum Murnau die Ausstellung "Alpenglühen - die Berglandschaft als Sehnsuchtsort". Murnau war und ist bis heute nicht nur ein Anziehungspunkt für Maler. Auch Musiker und Dichter zog es schon früh in den beschaulichen Ort. So lebte Ödön von Horváth von 1924 bis 1933 in Murnau. Zum 75. Todestag wird an den Dramatiker während der "Murnauer Horváth-Tage 2013" mit einem umfangreichen Programm erinnert.

Auch im nur etwa 20 Kilometer entfernten Kochel am See können Besucher auf künstlerische Entdeckungsreise gehen. Franz Marc sind dort ein Museum und ein Kunstspaziergang gewidmet. Auf dem Rundweg vom Aussichtspunkt Kohlleite bis zum Kochelsee erleben Besucher an neun Stationen, welche Motive den Maler inspirierten. Im Franz Marc Museum finden sich Werke der Künstler des "Blauen Reiters", aber auch der Künstlergruppe "Brücke".

Sybille Boolakee/srt/abl

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1. Worpswede
Oachkatzlschwoaf 10.03.2013
Zitat von sysopSRT-Archivbild Großartige Landschaften kombiniert mit einem besonderen Licht: Nicht nur die Provence entzückt Künstlerherzen. Auch in deutsche Dörfer wie Ahrenshoop und Murnau zogen Maler einst scharenweise. Noch heute fühlen sich Kreative inspiriert - und alle anderen genießen ihre Werke. http://www.spiegel.de/reise/europa/kuenstlerkolonien-in-deutschland-von-ahrenshoop-bis-murnau-a-887691.html
Und was ist mit Dachau?
2. Ich möchte
syssifus 10.03.2013
mich nicht als Kunstbanause outen,aber bei manchen Kunstwerken denke ich,die sind falsch herum aufgehängt worden.
3. Touristische Legendenbildung rund um das Thema tote Künstlerheroen.
BrunoGlas 10.03.2013
Dass das Geschäft um die touristische Verortung schon längst gestorbener Künstler noch Jahrzehnte nach ihrem Ableben immer weiter blüht, sollte eigentlich zu denken geben, vielleicht könnte es auch Thema einer gut kuratierten Ausstellung sein. Im Grunde geht es bei der Erschließung und bei Marketingaktionen all dieser sogenannten Künstlerdörfer um die fast religiöse Glorifizierung eines in Wirklichkeit so nie gelebten Künstlertums, oft mit einem faden Beigeschmack, der manchmal an Nekrophilie grenzt. Es ist gut geölter Kitsch, der kunsthungrige Touristen in vermeintliche Künstlerdörfer lockt, sie essen dort in namensgleichen Gasthäusern ihren Paula-Modersohn-Becker-Cheese-Burger, besuchen vermeintliche Tempel der Kunst, lernen Malen nach Zahlen, lernen alles, aber nur nicht das, was Kunst in heutiger Zeit tatsächlich ist. Im Grunde lebt eine ganze Verdummungsindustrie vom Devotionalienkitsch. Generationen von Kunsthistorikern schreiben Bücher über tote Künstler, kunstbesessene Beamte zweigen Fördergelder zur touristischen Erschließung solcher Kunstmeilen ab, und alle schwelgen in der Aura eines durch und durch kommerzialisierten Verständnisses von Kunst, Hauptsache, die Künstler sind möglichst tot. Dass die touristische Erschließung eines sogenannten Künstlerortes durchaus lebensbezogen und voller Witz sein kann, zeigt sich am Beispiel der Kunsttoilette von Friedensreich Hundertwasser in Neuseeland: Neuseeland: Pinkeln bei Hundertwasser - Neuseeland - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/reisen/neuseeland/neuseeland-pinkeln-bei-hundertwasser_aid_361787.html) Trotz alledem, Kunst ist eindeutig ein noch viel zu wenig beachteter Wirtschaftsfaktor, erfüllt Bedürfnisse, die im modernen Arbeitsleben nicht befriedigt werden. Die Menschen suchen Werte und Mythen in ihrem Alltag und sind durchaus bereit, dafür viel Geld hinzublättern. zum Autor: https://www.xing.com/profile/Bruno_Toussaint?sc_o=mxb_p
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