Iglu-Hotel in Lappland Ab ins Bett, die Polarlichter-Show geht los

In der Wildnis von Lappland hat ein Finne ein ungewöhnliches Luxushotel gebaut. Seine Gäste schauen aus gläsernen Iglus in den klaren Polarnachthimmel - und genießen die Nordlichter unter kitschigen Zebradecken.

Von Alva Gehrmann

Kakslauttanen

So sieht der perfekte Blick auf den Sternenhimmel aus: Aus dem Glasiglu von Kakslauttanen, rund 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, schaut der Besucher aus seinem Bett heraus auf schimmernde Nordlichter. Mitten in der verschneiten, einsamen Wildnis Lapplands wirken die ungewöhnlichen Kugelhütten wie warme Kokons.

"Auf die Idee kam ich, weil viele meiner Gäste selbst bei minus 30 Grad im Schlafsack vor den Holzhütten oder den Schneeiglus kampierten, damit sie auf keinen Fall die Nordlichter verpassen", sagt Jussi Eiramo, Besitzer des Kakslauttanen Arctic Resort. "Als ich dann vom Thermoglas hörte, bauten Freunde und ich den Prototypen." Das war 1999.

Zwar wusste Eiramo, wie man Schneeiglus anfertigt, doch bei den Glasbauten dauerte es eine Weile, bis der Finne die richtige Form fand. Hätte er die Halbkugel aus Fünf- oder Sechsecken wie bei einem Fußball gebaut, wäre es zu Einbußen bei der Isolierung gekommen - nicht so bei den nun gewählten Drei- und Vierecken. Aus rund 40 Stück ist das Glasiglu konstruiert. Etwa 15 Quadratmeter Platz, zwei Betten und eine winzige Toilette bietet das Hotelzimmer. In die größeren Modelle mit 33 Quadratmeter passen vier Betten, eine Toilette und eine Dusche.

Eine Nacht ohne Sprit

Dass sein Hotel in Kakslauttanen steht, verdankt Eiramo einem Zufall. Das Wort bedeutet sinngemäß "zwei Rentierfleischlager" - die befanden sich schon vor mehr als hundert Jahren hier, sonst war der Ort aber unbewohnt. Doch dann ging Eiramo auf dem Weg in den Süden Finnlands genau an dieser Stelle das Benzin aus. Er zeltete und verbrachte die Nacht am Lagerfeuer. "Der Ort fühlte sich richtig für mich an", sagt er. Also blieb er.

Zunächst eröffnete er ein Café und servierte Rentiereintopf. Die gute Küche sprach sich schnell herum. Außer Touristen auf der Durchreise kamen auch Rentierhüter und Anwohner. Nach und nach baute Eiramo die ersten Holzhütten.

Heute, 41 Jahre später, ist er so etwas wie Bürgermeister seines eigenen Dorfes, das sogar in ein "West Village" und ein "East Village" unterteilt ist. Neben zahlreichen Blockhütten gibt es 65 Glasiglus. Sind sie mal nicht ausgebucht, übernachtet er selbst gerne darin. "Ich kann dort gut über das Leben nachdenken", sagt er. Auch wenn in der Region jährlich zwischen Ende August und Ende April Nordlichter auftauchen, faszinieren sie ihn noch immer.

Genau wie die Ruhe Lapplands. Fast täglich macht Eiramo Spaziergänge in den lichten Kiefern- und Birkenwäldern. Der Schnee und die bläuliche Dämmerung sorgen für Licht in der dunklen Jahreszeit. "Der Wald ist für mich das Wichtigste. Man hört dort keine Stimmen, ist einfach umgeben von Natur", erzählt der Finne. "Die großen Bäume haben eine eigene Seele."

Chinesen, Japaner und Deutsche unterm Glasdach

Daran glauben auch die Sámi. Die Urbevölkerung Lapplands, die seit jeher im Norden siedelt, überstand früher Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius. Nur noch 9000 Sámi soll es in Finnland geben, die meisten wohnen inzwischen im Süden. Diejenigen, die geblieben sind, leben als Rentierhirten, von der Fischerei oder vom Tourismus. Lokale Sámi bieten Eiramos Gästen Rentierschlittenfahrten und Huskytouren an.

Inzwischen kommen Touristen aus der ganzen Welt an den abgelegenen Ort. Im Restaurant des East Village sitzen beim Abendessen Spanier, Chinesen, Japaner, Deutsche und Brasilianer. Die meisten locken die Polarlichter. Und die Ruhe. Dennoch wundert es Eiramo, dass viele Besucher ständig auf ihre Smartphones schauen. "Die jungen Leute heute können sich kaum noch entspannen", sagt er und lehnt sich in einem wuchtigen, handgeschnitzten Holzsessel zurück.

Der Finne hat einen langen, weißen Bart und trägt Wollpulli. Die Frage nach seinem Alter beantwortet er stets so: "Ich bin der jüngste Bruder des Weihnachtsmannes. Der erinnert sich nicht, wie alt er ist. Und ich auch nicht." Der umtriebige Hotelier baut seine Herberge immer weiter aus. Heute gehört auch ein Restaurant samt verglaster Bar, aus Holz geschnitzten barbusigen Damen sowie einem Minifluss für lebendige Lachse dazu.

Manche seiner Bauten - wie Santas Haus - wirken kitschig. Die Glasiglus selbst sind schlicht gehalten, von der Bettdecke im Zebrafellmuster mal abgesehen. Derzeit baut Eiramos Team an der nächsten Iglu-Generation: Im Herbst 2015 eröffnet das neueste Modell - eine Kombination aus Blockhütte und Glasiglu.

Schlittenfahrt bei minus 40 Grad

Fragen ihn Touristen nach Nordlichtern, reagiert Eiramo so: Er zückt sein altes Handy und lächelt: "Ich habe eine gute Verbindung zu Petrus und ihn vorhin angerufen", sagt er. "Natürlich wird es heute Nordlichter geben!" Die schimmernden Aurora Borealis, so die wissenschaftliche Bezeichnung für das Phänomen, sind aber ähnlich unberechenbar wie die Temperaturen.

In dieser Nacht zeigt das Thermometer um 19 Uhr minus 40 Grad Celsius. Für die abendliche Schlittenfahrt tragen die Touristen einen Extraanzug über den ohnehin schon drei Kleiderlagen. Profis haben sich kleine Wärmekissen besorgt, die sie sich auf die Nase oder Hände legen. Nach der Tour geht es zum Aufwärmen in die Sauna, dann fährt man sein Gepäck mit einem kleinen Schlitten vor das Iglu. Der Eingang reicht gerade für Menschen in Hobbit-Größe, drinnen ist aber genug Platz zum Stehen. Es ist 20 Grad warm. Die Privatsphäre schützt ein kleiner Vorhang.

Iglu mit Aussicht: Nordlichter über dem Bett
Kakslauttanen Arctic Ressort

Iglu mit Aussicht: Nordlichter über dem Bett

Wie bestellt tauchen gegen 23 Uhr die Nordlichter auf. Erstaunlich schnell fließen die grünlich schimmernden Bögen über den sternenklaren Himmel, sie formen ständig neue, elegante Muster. Die Chinesen glauben, die Lichter heilen gebrochene Herzen. Und japanische Pärchen hoffen, unter Nordlichtern gezeugte Babys werden besonders stark und klug.


Eine Nacht im Kakslauttanen Arctic Resort ist nicht günstig: Der Preis in den kleinen Glasiglus bei Einzelbelegung liegt bei 336 Euro, zu zweit kostet es 406 Euro.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
AndreasJank 03.02.2015
1. Tolles Konzept - schlechter Service
Das Konzept von Kakslautenen (Polarlichter in einer Wintermärchenlandschaft) ist sehr verlockend und wir haben vor einigen Tagen selbst dort in einem Glasiglo übernachtet. Wir haben uns sehr darauf gefreut, aber leider wurden unsere Erwartungen enttäuscht. Bei den Preisen haben wir ein top Luxus Ressort erwartet. Nach aussen hin wirkt alles Top, aber die Details und der Service sind durchschnittlich. So zB gab als Dinneroption nur Hähnchen Süßsauer und das gesamte Person bestand aus nicht-Finnen was nicht gerade zu einer authentischen lappischen/finnischen Atmosphäre beigetragen hat. Vor allem da das Personal nicht besonders höflich und zuvorkommend war. Ausserdem bekam man den Eindruck das man für alles extra Zahlen musste: Transport des Gepäcks von einer Unterkunft in die nächste EUR 9/Person und all die Aktivitäten wie Huskies und Rentiere kosteten viel mehr als bei anderen Anbietern. Man hat wirklich das Gefühl das es dem Hotel hauptsächlich darum ging soviel Geld wie möglich aus den Gästen zu quetschen. Zudem sollte man auch bedenken, dass die Polarlichter nicht jeden Abend erscheinen - wenn es die ganze Nacht bewölkt ist kann man keine Polarlichter sehen. Ich will lediglich darauf hinweisen, denn EUR 400 für ein Glasiglo sind nicht wenig. Lappland ist mit seiner Winteratmosphäre und den Polarlichtern auf jeden Fall eine oder mehrere Reisen wert. Und Kakslauten sollte man besuchen, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht.
AndreasJank 03.02.2015
2. Tolles Konzept - schlechter Service
Das Konzept von Kakslautenen (Polarlichter in einer Wintermärchenlandschaft) ist sehr verlockend und wir haben vor einigen Tagen selbst dort in einem Glasiglo übernachtet. Wir haben uns sehr darauf gefreut, aber leider wurden unsere Erwartungen enttäuscht. Bei den Preisen haben wir ein top Luxus Ressort erwartet. Nach aussen hin wirkt alles Top, aber die Details und der Service sind durchschnittlich. So zB gab als Dinneroption nur Hähnchen Süßsauer und das gesamte Person bestand aus nicht-Finnen was nicht gerade zu einer authentischen lappischen/finnischen Atmosphäre beigetragen hat. Vor allem da das Personal nicht besonders höflich und zuvorkommend war. Ausserdem bekam man den Eindruck das man für alles extra Zahlen musste: Transport des Gepäcks von einer Unterkunft in die nächste EUR 9/Person und all die Aktivitäten wie Huskies und Rentiere kosteten viel mehr als bei anderen Anbietern. Man hat wirklich das Gefühl das es dem Hotel hauptsächlich darum ging soviel Geld wie möglich aus den Gästen zu quetschen. Zudem sollte man auch bedenken, dass die Polarlichter nicht jeden Abend erscheinen - wenn es die ganze Nacht bewölkt ist kann man keine Polarlichter sehen. Ich will lediglich darauf hinweisen, denn EUR 400 für ein Glasiglo sind nicht wenig. Lappland ist mit seiner Winteratmosphäre und den Polarlichtern auf jeden Fall eine oder mehrere Reisen wert. Und Kakslauten sollte man besuchen, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht.
gintonik 03.02.2015
3. Schade...
...dass die Gästebewertungen, die man so findet der märchenhaften Beschreibung des Artikels häufig widersprechen.
Bin_der_Neue 03.02.2015
4.
Also die Glasiglus finde ich ja mal geil. Allerdings keine ganz günstige Angelegenheit. Und ausser Polarlichter gucken dürfte da drin mangels Privatsphäre auch nicht viel mehr laufen.. ;-)
Kleinunternehmer 03.02.2015
5. Toll :-)
Ja, Privatsphäre hat man da nur bedingt. Auf der Seite sieht man zwar, dass es seitlich kleine Gardinen gibt ... aber die sehen nicht so wirklich hoch aus ;-) Für meine Frau wäre das aber schon etwas - sie hasst die Kälte, aber Polarlichter würde sie trotzdem gerne sehen - da wäre so ein Iglu schon fast ideal. Wenn nur der Preis nicht wäre ...
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