London Britannia Airport Kommission schlägt Startbahn auf künstlicher Insel vor

Die Londoner Flughafen-Kommission hat genauere Pläne für einen Mega-Airport vorgelegt. Das Drehkreuz soll in der Themse liegen. Für Heathrow könnte dies das Aus bedeuten, für die Menschen im Süden der Hauptstadt eine große Entlastung.

Gensler

London - Großbritannien treibt seine Pläne für einen neuen Mega-Flughafen im Raum London voran. Die von Bürgermeister Boris Johnson eingesetzte Kommission schlug am Montag den Bau des London Britannia Airport mit sechs Start- und Landebahnen für 47,3 Milliarden Pfund (56,4 Milliarden Euro) vor.

Der neue Flughafen könnte innerhalb von sieben Jahren auf einer künstlichen Insel in der Themse vor der Isle of Sheppey fertiggestellt werden, sagte eine Sprecherin der Kommission. Er würde damit etwa 80 Kilometer östlich des Londoner Stadtzentrums liegen. Die Pläne sollten im Laufe des Tages dem Oberhaus vorgelegt werden.

Da London im 21. Jahrhundert um zwei Millionen Menschen wachsen werde, brauche es einen neuen Flughafen, sagte die Sprecherin. Britannia solle Londons Status als Weltstadt sichern, diese aber auch mit ganz Großbritannien verbinden. Dank seiner Lage würde der Flughafen den Osten und Westen der Stadt entlasten. Es ginge vor allem darum, "Menschen und Flugzeuge zu trennen", fügte sie hinzu. Die Bevölkerung sollten Flugreisen unternehmen können, ohne dass Flugzeuge wie bisher über dicht besiedelte Gegenden fliegen.

Neues Wohnviertel in Heathrow

Vermutlich würde Heathrow - Europas größter Airport - geschlossen werden. In der Gegend könnte dann ein Stadtbezirk entstehen mit 300.000 neuen Häusern und rund 200.000 Arbeitsplätzen, gleichzeitig könnten sich Ost-London, Kent und Essex wirtschaftlich erholen, erklärte die Kommission.

Eine andere von der britischen Regierung eingesetzte Kommission soll bis Ende des Jahres Vorschläge veröffentlichen, wie die Flugkapazitäten im Süden Englands ausgebaut werden können. Der Schlussbericht wird aber erst nach der Wahl 2015 erwartet.

Besonders Heathrow platzt mit einer Auslastung von 99 Prozent aus allen Nähten. Dessen Betreiber Ferrovial, dem auch Gatwick und Stansted gehören, hat vorgeschlagen, die bestehenden Flughäfen mit zusätzlichen Start- und Landebahnen zu erweitern. Johnson lehnt dies vehement ab: "Wenn wir an einem neuen Standort so viele Möglichkeiten für ein neues Drehkreuz haben, wäre es verrückt, Heathrow, den lautesten Flughafen Europas, zu erweitern."

bon/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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Inmate777 12.11.2013
1. King Boris I
nun, was erwarten wir, wenn König Boris I eine Kommission einsetzt um zu untersuchen, ob sein (bzw. Sir Norman Fosters) Vorschlag realiserbar wäre und welche Vorteile dies bringen würde. Kosten: Rechnen wir mal nach: (56,4 Milliarden Euro Neubaukosten + Abriss Heathrow) / (freiwerdende Fläche Heathrow - Verkehrsfläche) ergibt ca. 5000 Euro/m2. Es müssten also 5000 Euro pro Quadratmeter beim Verkauf als Baulande erzielt werden, damit es sich finanziell rechnet. Nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass man dies für Bauland zwischen Staines und Hounslow erzielen kann. Nun, Kosten ist nicht alles, es gibt auch Dinge wie Lebensqualität, das ist eigentlich unbezahlbar, deshalb... Standort: Ein Standort Erdinger Moos ist sicherlich nicht erste Wahl, aber ein Flughafen in der Themsemündung scheint mir als Laie doch äusserst gewagt. Ich kenne die klimiatisch/metreologischen Begebenheiten an der Küste von Kent nicht im Detail, bin mir aber sicher, dass es nicht anders ist als an Donau und Rhein: Nebel ist im Winter ein grosses Problem! Wenn ich soeinen Flughafen verlege, dann versuche ich doch die Verkehrswege zu vernetzen und Synergien zu erzeugen: ein Standort in Buckinghamshire oder Oxfordshire könnte von der Metropolregion London und Birmingham (immerhin zweitgrößte Stadt Englands) aus genutzt werden, mit 2 Autobahnen M1 und M40 ist die Region redundant angebunden, wie es mit der Eisenbahn aussieht weiss ich nicht, ist aber in England idR. relativ dicht (wenn auch marode). An der Küste von Kent gibt es diese Redundanzen nicht, das Einzugsgebiet ist deutlich kleiner, immerhin gäb's in der Ecke schon mal Schnellzuggleise (Eurotunnel). Aber andere Standorte hat man bestimmt schon diskutiert...
michel-nr-4711 12.11.2013
2. London macht ernst - und Frankfurt?
Als lärmgeplagter Rhein-Mainer kann ich die Londoner Initiative nur loben: Neubau an einem anderen Standort. Bei der Fraport ist man - dank der viel zu laxen Handhabung der wachsenden Lärmproblematik noch nicht so weit und plant lieber Terminal 3.... Dass die Belastung der Bevölkerung nicht unendlich steigen darf, ist offenbar den politisch Verantwortlichen in Hessen und im Bund nicht präsent. Nicht dass ich der Fraport ihre Strategie vorschreiben möchte, aber als ersten Schritt schlage ich eine konsequente Deckelung der Flugbewegungen vor, mit abnehmender Staffelung über die kommenden Jahre. Vielleicht geht dann der Fraport ein Licht auf, und sie fängt an, sich nach Alternativen umzusehen. Richtung Nordosten wäre Platz genug, und dank schneller Bahnanbindung sollte ein Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet nicht allzu schwierig sein. Den Fluggästen, die Frankfurt nur als Drehkreuz benutzen, ist es sowieso egal, ob sie ein paar Kilometer weiter nördlich landen.
felisconcolor 12.11.2013
3. Hm und die Fluggäste werden mit
Zitat von sysopDie Londoner Flughafen-Kommission hat genauere Pläne für einen Mega-Airport vorgelegt. Das Drehkreuz soll in der Themse liegen. Für Heathrow könnte dies das Aus bedeuten, für die Menschen im Süden der Hauptstadt eine große Entlastung. http://www.spiegel.de/reise/europa/london-plant-neuen-flughafen-heathrow-wird-wahrscheinlich-geschlossen-a-933066.html
den Kreuzfahrtschiffen zum Flughafen gebracht? 80km Luftlinie nach London? Das Ding ist sicher eine interessante Idee und für die Lärm geplagten Londoner eine willkommene Sache. Nur von der Infrastruktur her.... Schnellbahntrasse unterseeisch mit Anbindung an das nationale Streckennetz? Gütertransporte? und und und die Lösungen stell ich mir interessant vor. Und, dann gibts ja noch den Nebel. Der ja laut Asterix bei den Briten nur da ist wenn es nicht regnet.
DonCarlos 12.11.2013
4. Das hätte Berlin auch haben können
Berlin hätte auch einen schönen neuen Flughafen mit viel Ausbaupotential und Nachtflug haben können - Sperenberg. Aber nein, die Politik musste Schönefeld ausbauen, damit keine große Konkurrenz zu Frankfurt oder München entsteht. Es gab damals auch Kommissionen für den neuen Berliner Flughafen. Schönefeld lag da immer ganz weiten hinten in den Bewertungen. Sechs Landebahnen halte ich für etwas übertrieben. In Dubai wird der Al Maktoum International Airport mit 5 Landebahnen geplant für ca. 160 Millionen Reisende pro Jahr. Heathrow hatte 2012 ca. 70 Millionen. Das steigende Passagieraufkommen wird durch größere Flugzeuge kompensiert, so das es in den nächsten Jahren kaum zu mehr Flugbewegungen kommt. Der riesen Vorteil für London dürfte mit dem neuen Flughafen die Möglichkeit für unbeschränkten Nachtflug sein.
johannroth49 14.11.2013
5. NO Problem
a) Der Nebel ist kein Problem b) Die Piccadilly Line bedient alle fünf Terminals in Heathtrow, ist aber lange unterwegs c) Der Regionalexpress us Heathrow endet am Bahnhof Paddington. Eine Verlängerung nach KingsCross St.Pancras (TGV/ICE) ist geplant. d) Eine Autobahn, Schnellbahn und Hubschrauber Verbindungen werden gebaut werden müsen. e) Die Lärmteppiche liegen überwiegend in der Nordsee oder in dünnbesiedeltem Gebiet f) Die Schadstoffe aus den Abgasen gehen an 300 Tagen im Jahr über der See nieder g) Bei Notlandungen kann das Kerosin auch fast immer über See abgelassen werden Ähnlich ist die Sachlage beim geplanten Megadrehkreuz Istanbul. Im Nordosten das Schwarze Meer, im Südwesten das Marmarameer.
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