Neue Vorschriften auf Mallorca Schluss mit Eimersaufen am Strand

Nackte Haut, Alkoholexzesse, Lärm und versiffte Straßenecken - der Stadtverwaltung von Palma de Mallorca reicht es. Künftig sollen schärfere Benimmregeln für Touristen und Insulaner gelten.

DPA

Ja doch! Mallorca hat viele tolle Ecken. Doch gerade in Palma bietet die Insel auch so einige Aussichten, die die Stadtverwaltung künftig nicht mehr dulden will: Da schieben Männer in Badehose mit breiten Schritten den Einkaufswagen durch Supermärkte, da fahren Urlauberinnen im Bikinioberteil Bus oder spazieren durch die Altstadt, da säuft Partyvolk aus Eimern - sie alle müssen sich künftig zusammenreißen.

Ein Jahr lang haben die Zuständigen über schärfere Benimmregeln für Touristen und Inselbewohner gestritten, am Montag soll im Stadtrat nun die neue "Verordnung zur Förderung und Gewährleistung des Zivillebens in Palma" verabschiedet werden. Tritt die neue Verordnung wie geplant ab Juni in Kraft, können Palmas Ordnungshüter künftig teils empfindliche Bußgeldstrafen gegen diejenigen verhängen, die den Urlaub und das Leben gar zu locker angehen.

Laut der "Mallorca Zeitung" soll die Verordnung zunächst an der Playa de Palma greifen, im Rest der Inselhauptstadt dann ab September. Und ganz so, als müsste man erwachsenen Menschen überhaupt erst mal geduldig erklären, was eine gute Kinderstube ist, hat Palmas stellvertretender Bürgermeister und Tourismusbeauftragter Álvaro Gijón angekündigt, dass die vorgesehenen Strafen erst nach einer Aufklärungskampagne verhängt werden.

Wird die Verordnung vom Stadtrat beschlossen, gelten diese Regeln:

  • Kleidung: Wer in Zukunft mit freiem Oberkörper oder im Bikinioberteil durch Palma flaniert, riskiert eine Geldstrafe zwischen 50 und 200 Euro. Auch im öffentlichen Nahverkehr muss man sich obenrum bedecken - anders als an den Strandpromenaden und Straßen, die zu den Stränden führen.
  • Alkohol: Kein Eimersaufen an der Playa de Palma mehr. Öffentliche Saufgelage auf den Straßen und am Strand sind künftig verboten. Wer mit alkoholischen Getränken erwischt wird, soll 200 bis 400 Euro zahlen. Auch das "Balconing" - das gefährliche Herumklettern von Balkon zu Balkon oder das Springen vom Balkon in einen Pool - ist künftig kein dummer Spaß mehr, sondern ein strafbarer.
  • Körperflüssigkeiten: Wer auf die Straßen spuckt, pinkelt oder seine Zigarettenkippen achtlos wegschnippst, soll künftig mit 50 Euro Bußgeld belangt werden. Auch Kaugummis behält man lieber zwischen den Zähnen - oder wirft sie in den Müll. Besonders schwere Fälle von Umweltverschmutzung können Beamten mit bis zu 200 Euro betrafen. Für Hundebesitzer hingegen hält die neue Verordnung eine Lockerung parat: Wer den Haufen seines Vierbeiners nicht beseitigt, muss "nur" noch 50 bis 200 Euro Strafe zahlen - nicht mehr bis zu 1500 Euro.
  • Schwimmen: 200 bis 400 Euro zahlt, wer beim Baden die rote Flagge ignoriert.
  • Bettelei: Die Stadtverwaltung unterscheidet zwischen "echtem" und "aggressivem" Betteln. Während in ersteren Fällen sofort das Sozialamt eingeschaltet werden soll, droht Bettlern, die zu aufdringlich um Geld bitten oder gar Kinder vorschicken, eine Strafzahlung.
  • Prostitution: Mit 200 bis 400 Euro kann bestraft werden, wer Prostituierte auf offener Straße anspricht. Die Damen selbst müssen allerdings nicht mit Geldstrafen rechnen.
  • Graffiti und Co.: Unerlaubte "Verschönerungsmaßnahmen" im öffentlichen Raum werden teuer. Wer Wände, Nahverkehrsmittel oder den Boden mit "Kunstwerken" verziert und erwischt wird, soll zwischen 200 und 400 Euro Strafe zahlen und kann verpflichtet werden, das Werk selbst zu beseitigen.
  • Radfahren: Kein Problem. Aber nicht auf dem Gehweg. Wer hier gestoppt wird, soll mit 50 bis 200 Euro büßen.
  • Straßenmusiker: Besonders laute Instrumente wie Schlagzeug, Trommeln oder Trompeten sollen der neuen Verordnung nach gänzlich verboten werden. Straßenmusiker sollen nicht mehr vor Geschäften, Denkmälern und historischen Gebäuden spielen, wenn sie den Zugang erschweren. Und sie müssen Ruhezeiten einhalten. In der Altstadt von 21 bis 10 Uhr und zur Siesta-Zeit zwischen 14 und 17 Uhr.

ele

insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
gruenerfg 12.05.2014
1. Hoffnung
Zitat von sysopDPANackte Haut, Alkoholexzesse, Lärm und versiffte Straßenecken - der Stadtverwaltung von Palma de Mallorca reicht es. Künftig sollen schärfere Benimmregeln für Touristen und Insulaner gelten. http://www.spiegel.de/reise/europa/mallorca-stadtverwaltung-von-palma-beschliesst-bikiniverbot-a-968849.html
Nicht schlecht, vielleicht kann man dann auch als Normalbürger mal nach Mallorca, ohne sich unentwegt für seine Nationalität zu schämen.
Wagnerf 12.05.2014
2. Fast richtig...
Zitat von sysopDPANackte Haut, Alkoholexzesse, Lärm und versiffte Straßenecken - der Stadtverwaltung von Palma de Mallorca reicht es. Künftig sollen schärfere Benimmregeln für Touristen und Insulaner gelten. http://www.spiegel.de/reise/europa/mallorca-stadtverwaltung-von-palma-beschliesst-bikiniverbot-a-968849.html
Dazu sollte man noch sagen, dass diese Regelung nur für größeren Gruppen gilt, wenn es zu Lärmbelästigungen kommt. Der Alkoholkonsum am Strand ist also auch weiterhin kein Problem, wenn man sich benehmen kann.
lisa_s 12.05.2014
3. Hört sich gut an!
Vielleicht kommen wir dann doch mal wieder auf die Insel! :-)
peribe 12.05.2014
4. Man kann
auch heute schon nach Mallorca. Vielen ist nur nicht klar dass die Insel aus mehr als dem Ballermann besteht.
ellereller 12.05.2014
5. Was ist wirklich neu?
Der Artikel erweckt den Eindruck, dass Kippen-auf-die-Straße-Werfen, Fremdes-Eigentum-mit-Farbe-Besprühen und Auf-dem-Gehweg-Radfahren auf Mallorca bislang nicht sanktioniert wurden. Das wundert mich doch sehr.
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