Tourismus auf Mallorca Balearen wollen Ökosteuer einführen

Die Ökosteuer auf Mallorca kommt wieder. Die neue sozialistische Balearen-Regierung kündigt die Urlauberabgabe an - und will auch sonst den Tourismus auf der spanischen Insel umkrempeln.

Corbis

Als auf Mallorca die Befürchtung der Restaurantbesitzer, Hoteliers und Reiseveranstalter Gewissheit wurde, war die Verärgerung groß. Touristen sollen künftig eine Öko-Abgabe zahlen - und die Mallorquiner sorgen sich, dass dies Urlauber abschrecken könnte.

Am Ballermann hatte sich die Botschaft am Montag noch nicht rumgesprochen. "Eine Urlaubssteuer wird hier eingeführt? Quatsch, wer sagt das denn?", fragt ein 68-jähriger Rentner aus Gelsenkirchen so überrascht, dass er fast vom Strandstuhl fällt. Wer das sagt? Die Sozialistin Francina Armengol, die an diesem Mittwoch als erster weiblicher Regierungschef der spanischen Ferieninseln den Amtseid ablegen soll.

Nach den Wahlen im Mai, bei denen die konservative Regierung nach vielen Korruptionsaffären abgewählt worden war, hatte es geheißen, die Sozialisten (PSIB) stünden einer Touristenabgabe skeptisch gegenüber. Doch am Ende mussten sie der Forderung der Öko-Regionalisten der Més und der linken Protestpartei Podemos nachgeben, die die Regierung mittragen wollen. "Die Einführung der Ecotasa (Ökosteuer) ist kein Anspruch, sondern eine Pflicht", sagte Armengol am Montag im Regionalparlament in Palma de Mallorca.

Ein bis zwei Euro pro Urlauber

Noch steht weder fest, wie hoch die Abgabe sein soll - es ist von einem bis zwei Euro pro Tourist und Nacht die Rede - noch wie und wo sie kassiert werden soll. Vermutlich soll sie ab 2016 von Hotelgästen, aber auch von Campingplatzbesuchern, Mietern von Ferien- und privaten Unterkünften bezahlt werden. Die Gegner der Pläne schnauben vor Wut. "Eine Ecotasa ist Unsinn", sagt Sebastián Darder, Chef des Hotelierverbands von Palmanova/Magaluf. Bei einer fünfköpfigen Familie kämen da schnell hundert Euro zusammen.

Andere gehen noch weiter in der Kritik. "Die erwarteten Einnahmen machen den Schaden, der durch die Ecotasa verursacht wird, nicht wett", sagt der Chef des Reiseveranstalters Barceló Viajes, Gabriel Subías. "So verrückt das klingen mag: Schon wegen eines Aufpreises von insgesamt zehn Euro verzichten viele auf eine Reisebuchung." Und Bernat Vicens von Fergus Hotels ist davon überzeugt, dass die Abgabe den schleppenden Bemühungen zur Verlängerung der Saison den endgültigen Todesstoß versetzen wird.

Obwohl andere spanische Regionen wie Katalonien mit Touristenabgaben ähnlich der deutschen Kurtaxe gute Erfahrungen machen, haben viele Mallorquiner die Zeit zwischen 2001 und 2003 in Erinnerung. Dank einer Ökosteuer waren damals zwar 160 Millionen Euro in die Inselkassen geflossen - unterm Strich blieb aber wegen des Einbruchs der Buchungen ein großes Minus.

Für den deutschen Rentner Helmut geht es nicht ums Geld, beteuert er, sondern "ums Prinzip". "Wenn man uns schröpfen will, fahren wir nächstes Mal woanders hin", sagt er, während seine Frau zustimmend nickt. Die Mallorquiner haben genau davor Angst: dass sich die Ökosteuer erneut als Bumerang erweist und vor allem die Billigtouristen unter den 14 Millionen Gästen (darunter vier Millionen Deutsche) verschreckt, die zuletzt Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera jährlich besuchten.

Tourismus à la Miami oder Costa Rica?

Aber nicht nur die neue Steuer lässt Hoteliers und Co. zittern. Da sind dieses "neue Wirtschaftsmodell" und dieser "nachhaltigere Tourismus", die vom Linksbündnis propagiert werden. Die Wahlverlierer, allen voran die Politiker der konservativen Volkspartei, warnen vor Chaos, vor Urlauber- und Investorenschwund.

Isabel Oliver, Tourismussprecherin von der PSIB, winkt ab. "Wir wollen die Saison wieder von sechs auf zehn Monate verlängern, damit wir in den Sommermonaten weniger Druck haben und die Arbeitsplätze im Tourismussektor mehr Stabilität und mehr Qualität erlangen. Und wollen auch, dass die riesigen Einnahmen besser verteilt werden", erklärt die 54-Jährige.

Wenn es nach den Vorstellungen des PSIB-Koalitionspartners Més geht, könnte der Ballermann bald ganz anders aussehen. Auf den Punkt brachte es Més-Koordinator David Abril in einem Interview der "Mallorca Zeitung". Man müsse die Grundlage für einen langfristigen Wandel legen. "Was für ein Mallorca wollen wir 2020? Wollen wir das Miami des Mittelmeers sein, oder doch lieber Costa Rica?"

Also bald kein Massentourismus mehr? Der Sektor macht auf den Balearen immerhin 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Man brauche keine 14 Millionen Urlauber, meint Abril. 1985 habe man mit fünf Millionen das höchste Pro-Kopf-Einkommen Spaniens gehabt - "nun rangieren wir trotz Urlauberrekorde im unteren Mittelfeld". Die Kassen seien leer. "Der Albtraum ist vorbei", rief Armengol im Parlament. Nach Meinung einiger fängt er gerade erst an.

Emilio Rappold/dpa/abl

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ackergold 30.06.2015
1.
Ich finde das Vorhaben absolut in Ordnung. Schließlich gibt es noch andere günstige Urlaubsziele auf Erden und es wird ja niemand gezwungen, nach Malle zu fliegen.
heavenstown 30.06.2015
2. Ökosteuer nur für Touristen...
... das ruft doch wieder die EU auf den Plan..., ich vergleiche das dann mit der Maut in Deutschland angeblich nur für Ausländer!
bernd.stromberg 30.06.2015
3.
Zitat von heavenstown... das ruft doch wieder die EU auf den Plan..., ich vergleiche das dann mit der Maut in Deutschland angeblich nur für Ausländer!
Falls es Ihnen entgangen sein sollte - in Deutschland gibt es auch die Kurtaxe, die vielerorts alle Touristen bezahlen müssen. Bei dieser Steuer ist von Touristen die Rede, nicht von einheimischen. Ibiza und Formentare wird auch von Spanischen Touristen reichlich besucht, auch die sind Touristen und zahlen dann dort diese Kurtaxe.
kraftmeier 30.06.2015
4. Eine Gute Idee,
warum nur an der Deutschen Küste eine Abgabe pro Übernachtung zahlen. Ich habe damit überhaupt kein Problem, und würde die Insel auch mit dieser Steuer gerne weiter besuchen. Was sind schon 2,-€ pro Nacht und Person, aber ich vergaß hier ist immer noch der "Geiz Geil" nicht war. Billigurlaub geht meist nur auf Kosten des Personals und sonstiger Dientsleister die für das wohl der Schnäppchenjäger sorgen. Aber das ist dem Touri ja egal, Hauptsache ich habe Spaß.
olli0816 30.06.2015
5. Pillepalle
An 1 oder 2 € Kurtaxe soll es nicht scheitern. Wenn man irgendwohin fährt, gibt es recht häufig solche Abgaben. Solange sie nicht überhand nehmen, macht das nicht viel aus und hilft der Infrastruktur. Auch wenn es zu einem kleinen Überschuß für die Gemeinden reicht. Damit kann man dann Schulen, Straßen oder was auch immer unterhalten. Die Umgestaltung auf nachhaltigen Tourismus ist dann schon viel gefährlicher. Ich war einmal auf dem Ballermann und da werde ich sicher nicht mehr hinfahren. Ist viel zu langweilig, die Umgebung ist unschön und es gibt nur gepanschten Alkohol. Ich hab es nicht gemocht. Aber was will man dort anderes hinbauen? An anderen Stellen soll Mallorca schöner sein, aber so wie ich das verstehe, möchten sie die Anzahl der Touristen verringern und dafür sollen diese mehr Geld liegen lassen. Die Zukunft wirds zeigen, ob es klappt. Ich denke, mit richtiger Organisation kann man aufgrund der Masse wesentlich mehr aus den Billigtouristen rausholen. Pro Kopf nicht viel Geld, dafür viele Köpfe... Wenn es Malle nicht macht, dann machen es andere.
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