Balearen Mallorca will ab 2016 Touristensteuer erheben

Der Tourismusminister der Balearen macht ernst: Ein bis zwei Euro sollen Inselgäste künftig pro Urlaubstag am Mittelmeer zahlen. Touristisch wie politisch ein Balanceakt.

Touristenabgabe: Die Balearen wollen ab 2016 Kasse machen
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Touristenabgabe: Die Balearen wollen ab 2016 Kasse machen


Die spanische Ferieninsel Mallorca und die übrigen Balearen wollen im kommenden Jahr eine Touristenabgabe einführen. Die Höhe der Abgabe kündigte der Tourismusminister der Balearen, Biel Barceló, nun in einem Interview der "Mallorca Zeitung" an: Ein bis zwei Euro pro Tag und Urlauber sollen es werden. Mit der Einziehung soll voraussichtlich Ende 2016 begonnen werden.

"Ein mögliches Datum ist der 1. November", sagt der Minister. "Die Reiseveranstalter und Hoteliers haben uns gebeten, die Steuer aus logistischen Gründen noch nicht zur nächsten Hauptsaison einzuführen, da die Verträge bereits so gut wie unterschrieben sind. Dafür haben wir Verständnis."

Von Mai 2002 bis Oktober 2003 mussten Balearen-Urlauber schon einmal eine ecotasa - eine Ökosteuer - von durchschnittlich einem Euro pro Tag zahlen. Die Reisebranche hatte die Abgabe damals heftig bekämpft. Sie sah darin den Hauptgrund dafür, dass viele Deutsche Mallorca damals den Rücken kehrten.

Einnahmen in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro

Die neue Linksregierung auf den Balearen, die nach den Regionalwahlen im Mai die Konservativen von der Macht verdrängt hatte, will aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. "Wir müssen nun mit den Unternehmen der Reisebranche kooperieren", sagte Barceló. "Das ist keine Abgabe gegen den Urlauber, sondern für die Urlauber." Die Einnahmen in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro im Jahr sollen in den Tourismus reinvestiert werden. Dazu gehörten der Umweltschutz, das Kulturerbe, Infrastrukturprojekte oder die Modernisierung in die Jahre gekommener Tourismusgebiete.

Die Regionalregierung strebe für die Balearen keine deutliche Steigerung der Touristenzahl an. "Wir sind schon jetzt bei 14 Millionen", sagt der Minister. "Wünschenswert wäre die gleiche Zahl von Urlaubern, aber verteilt aufs ganze Jahr." Mitte Juni hatte die Regierung sogar eine Beschränkung der Touristenzahlen auf den Inseln erwogen.

Bisher konzentriere sich der Urlauberansturm auf zwei Monate im Sommer. Um in der Nebensaison mehr Gäste nach Mallorca zu locken, solle die Insel verstärkt als Reiseziel für Wander-, Segel- und Sporttouristen angepriesen werden. Die Höhe der geplanten Touristenabgabe könne zudem nach Haupt- und Nebensaison gestaffelt werden.

ele/dpa

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