Mountainbiken auf Gomera: Steil bergauf oder steil bergab

Gemütliches Einrollen gibt es auf La Gomera nicht. Mountainbiker müssen sich auf stets steiles Gelände gefasst machen. Die wilden Pfade rund um den Vulkankegel erfordern zwar gut trainierte Beine - sie führen aber auch zu traumhaften Badebuchten.

Mountainbiken auf La Gomera: Strampeln auf der Kokosmakrone Fotos
SRT

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

La Gomera gleicht einer überdimensionalen Kokosmakrone - denn sie ist wie alle kanarischen Inseln vulkanischen Ursprungs. Doch die mit nur 25 Kilometer Durchmesser zweitkleinste der sieben kanarischen Geschwister hat anscheinend einen dauerhaften Friedensvertrag mit der Erdkruste. Die letzte vulkanische Aktivität liegt mehr als zwei Millionen Jahre zurück. Zeit genug für Wind und Wetter, den Kegel La Gomera ordentlich zu zerfurchen.

Das Ergebnis lässt keine Wünsche offen: Vom höchsten Gipfel der Insel, dem 1497 Meter hohen Garajonay, fräsen sich mehr als 50 sogenannte barrancos, das sind bis zu 800 Meter tiefe Schluchten, ihre Bahn zu den Stränden und Klippen am Atlantik. Somit bietet La Gomera Mountainbikern gewissermaßen das Sahnehäubchen der Kanaren: ganzjährig beste Bedingungen. Meist aber gibt das Terrain nur zwei Optionen her, steil bergauf oder steil bergab. Flache Abschnitte zum gemütlichen Einrollen sucht man auf Gomera vergeblich.

Die Grate, Flanken und Taleinschnitte der barrancos sind gespickt mit gewundenen Bergpfaden, nur zum Teil ausgebauten Pisten und caminos reales. Das heißt frei übersetzt "königliche Straßen". Doch diese alten Verbindungswege zwischen den Gemeinden haben wenig mit asphaltierten Prachtalleen zu tun. Häufig sind es gerade mal lenkerbreite Trails - ein Fest für Mountainbiker.

Ein Paradebeispiel schlängelt sich hinunter ins Valle Gran Rey. Die Wegbefestigung aus groben Gesteinsbrocken lässt die Federgabel zappeln. Bis zu 25 Prozent Gefälle erfordern volle Konzentration. Der Ausblick auf das wie durch einen Axthieb eingekerbte Tal macht die Sache nicht leichter. Durch ein Meer von Palmen funkelt der tiefblaue Ozean.

Café con leche zum Entspannen

Die weißgekalkten Kuben der Häuser klammern sich förmlich an die Steilhänge, liefern dem Gemälde noch die krönenden Farbtupfer. Das Panorama lullt ein, aber die Abfahrt gleicht dem Ritt auf einem wildgewordenen Stier. Offen verlegte Wasserleitungen sorgen für zusätzliche Stolperfallen. Hohe Steinstufen erfordern eine technische Grundausbildung am Bike.

Nach diesem Adrenalinfeuerwerk hilft nur ein Sprung in die Fluten. Danach einen Café con leche in der Hafenkneipe schlürfen. Den bunten Fischerbooten beim rhythmischen Schaukeln im Hafenbecken zusehen. Den Fang begutachten und den melancholischen Gitarrenklängen der Gomeros lauschen. Ein Tagesablauf, an den man sich gewöhnen könnte. Nicht wenige Deutsche haben das Tal zu ihrer Heimat erkoren. Und weil nichts die Fremde so unerträglich macht wie ständig Weißbrot zu essen, gibt es sogar eine deutsche Bäckerei im Valle. Dort trifft sich die Gemeinde der Wahlgomeros zum Frühstück mit Roggenbrötchen und kernigem Schwarzbrot.

Dabei galt La Gomera lange als touristisches Stiefkind der Kanaren. Selbst als in den siebziger Jahren die Hippie-Welle über das Valle Gran Rey schwappte, blieb der große Nachfolgeboom aus. Jene, die das Eiland zu ihrer dauerhaften Heimat gemacht haben, befürchteten schon das Schlimmste, als zur Jahrtausendwende in der Nähe der Playa Santiago ein Flughafen gebaut wurde. Aber das Streitobjekt wurde zur Provinzposse: Der Flughafen ist da, aber die Landebahn zu kurz für Düsenjets. So bleibt es bei der Anreise über Teneriffa und weiter per Schiff. Und La Gomera ist verschont von touristischen Auswüchsen.

Umso verwunderlicher scheint es, dass sich ausgerechnet hier die älteste Bikestation der Kanaren behauptet hat. Seit 22 Jahren stellt sich Detlef Goth in den Dienst der Stollenfraktion unter den Radfahrern. Keine Route, die er nicht kennt. Seiner beständigen Trailrecherche ist es zu verdanken, dass dem widerspenstigen Relief La Gomeras erstklassige Rundkurse abgerungen wurden. Denn ohne Karte und Roadbook - oder ohne die beste Variante: einen ortskundigen Bikeguide - scheitern Biker schnell.

Nebelwald mit Unesco-Gütesiegel

Viele von Detlefs Touren durchqueren sämtliche Vegetationszonen Gomeras. Eine Tour reicht hoch hinauf zum König der Insel, dem 1497 Meter hohen Garajonay. Schweißtreibend steil führt sie durch den dichten Nebelwald des Inselzentrums. Der immergrüne Mischwald aus Lorbeerbäumen, meterhohen Farnen und schillernd grünen Flechten wurde schon Anfang der achtziger Jahre zum Nationalpark erklärt. Mittlerweile trägt er als "Erbe der Menschheit" das Gütesiegel der Unesco.

Meist stößt man erst knapp unterhalb des Gipfels durch die Wolkendecke - ein erhabenes Gefühl. Der gesamte Kanaren-Archipel wirkt dann wie in Watte gepackt. Häufig schwebt dann nur noch der Teide, mit 3715 Meter der höchste Berg der Nachbarinsel Teneriffa, wie ein Raumschiff über dem Dunstmeer. An klaren Tagen reicht der Blick sogar bis nach Gran Canaria.

Der Gipfel des Garajonay ist auch Schauplatz einer herzzerreißenden Sage. Gegen den Willen der Eltern verliebten sich Gara, der Königssohn Teneriffas, und Jonay, die Königstochter von Gomera, ineinander. Nur von der Liebe und einem aufgeblasenen Schweinedarm getragen, schwamm Gara die knapp 35 Kilometer zu seiner Geliebten. Bald schon entdeckt, flüchteten sie auf den Gipfel. Von allen Seiten bedrängt, fanden sie keinen anderen Ausweg mehr, als einen Ast von beiden Seiten anzuspitzen. Diesen spannten sie zwischen ihre Körper, umarmten sich ein letztes Mal und wurden somit zu den traurigen Taufpaten des Garajonays.

An ihrem letzten Ferientag erkundet eine kleine Bikergruppe das Valle Hermoso. Achtlos cruist sie durch die Gegend, vergisst im Übereifer den Blick auf die Karte. Mit Volldampf schreddert sie mehrere hundert Höhenmeter hinunter in eine Sackgasse - und ins konditionelle Verderben. Bergab war der Trail sensationell, aber bergauf ist er eine Nummer zu steil. Anfangs hört man noch leises Fluchen beim Hochschleppen, später reicht der Atem dafür nicht mehr.

Die Moral von der Geschichte: La Gomera gleicht zwar einer Kokosmakrone, aber das macht die Insel noch lange nicht zum Pausensnack.

Weitere Informationen
Adressen
Spanisches Fremdenverkehrsamt Turespaña, Consejería de Turismo, Embajada de España, Lietzenburger Str. 99, 10707 Berlin, Tel. 030/88265-43, infoberlin@tourspain.es, www.spain.info, mit Filialen in Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien, Zürich.
Inselwebseiten
Anreise
Charterflüge nach Teneriffa Süd (Flugzeit 4,5 h) ab allen deutschen Flughäfen, in der Nebensaison schon ab 250 Euro (Bikes vorher anmelden). Alle großen Reiseveranstalter bieten ganzjährig günstige Pauschalarrangements, häufig auch incl. Mietwagen. Mit dem Taxi oder Bus zum Fährhafen von Los Cristianos und neuerdings direkt mit kleineren Fährschiffen zum Hafen vom Valle Gran Rey.
Übernachtung
Einfache Pensionen, viele Appartementanlagen, schicke Hotels, Gomera bietet Möglichkeiten für jeden Geldbeutel.
Empfehlenswert: Hotel Gran Rey, La Puntilla, Valle Gran Rey, Tel. 0034/922/805859, www.hotel-granrey.com, info@hotel-granrey.es.
Gute Infos über deutschsprachiges Reisebüro La Paloma im Valle Gran Rey, Tel. 0922-806043.
Literatur/Karten
Michael Leibl, Mountainbiken auf den Kanaren, enthält 7 Touren zu La Gomera, mit herausnehmbaren Roadbooks, nützliche Infos zu Land und Leuten, Delius Klasing Verlag, 14,90 Euro, für Individualisten unentbehrlich.

E. Schmitt-Burk, Cyklos, Teneriffa und Gomera per Rad, Verlag W. Kettler, 12,80 Euro. Karten: Timah, 1: 48000, wird in der Bikestation und einigen Läden verkauft.

Kompass-Karte Nr. 231 "La Gomera", auch zu Hause erhältlich.
Tourenveranstalter/Leihbikes
Bike Station Gomera, www.bike-station-gomera.com, info@bike-station-gomera.com
Geführte Touren auch mit Wochenprogrammen, Leihbikes (Fullies und Hardtails), Shuttledienste.

Norbert Eisele-Hein/srt

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
zephyros 14.05.2013
viele von diesen Bikern lassen sich erstmal gemütlich samt Fahrrad oben auf den Garajonay karren, flitzen dann runter ins Valle Gran Rey und stören die Wanderer. Wer es wirklich ernst meint mit dem "Mountain"-biken, sollte dann aber auch den mühseligen Hinweg steil bergauf in Kauf nehmen.
2. They call me the Wanderer.....
zeisig 14.05.2013
Da kann man als Wanderer und Naturfreund nur hoffen, daß möglichst wenige Biker diesen Artikel lesen und auf die Idee kommen, Gomera als Ziel für einen Bikerurlaub zu entdecken.
3.
wakaba 14.05.2013
Zitat von zephyrosviele von diesen Bikern lassen sich erstmal gemütlich samt Fahrrad oben auf den Garajonay karren, flitzen dann runter ins Valle Gran Rey und stören die Wanderer. Wer es wirklich ernst meint mit dem "Mountain"-biken, sollte dann aber auch den mühseligen Hinweg steil bergauf in Kauf nehmen.
Die Sportart nennt sich Downhill. Königsdisziplin der Freesportarten. 20 Min. Adrenalin-Kick, Puls 180, grossartiger Trainingseffekt für Hirn und Körper. Die Bikes gehen schlecht den Berg hinauf. Niemand buckelt seine Skis auf den Hügel. Wandern ist extrem langweilig - da nimmst nur den Bürotrott in die Natur mit. Das verschwendest ganz viel Natur undwiederbringlich und die Wanderschilder sind optische Umweltverschmutzung genauso wie die grellen Jack Wolfskin Outdoorjacken. Wandern kannst auch ernsthaft auf dem Laufband - da störst keine Dowhiller.
4. Spaßvogel
albert schulz 14.05.2013
Zitat von wakabaDie Sportart nennt sich Downhill. Königsdisziplin der Freesportarten. 20 Min. Adrenalin-Kick, Puls 180, grossartiger Trainingseffekt für Hirn und Körper. Die Bikes gehen schlecht den Berg hinauf. Niemand buckelt seine Skis auf den Hügel. Wandern ist extrem langweilig - da nimmst nur den Bürotrott in die Natur mit. Das verschwendest ganz viel Natur undwiederbringlich und die Wanderschilder sind optische Umweltverschmutzung genauso wie die grellen Jack Wolfskin Outdoorjacken. Wandern kannst auch ernsthaft auf dem Laufband - da störst keine Dowhiller.
Es ist überaus lobenswert, wenn die Gehirnamputierten Gomera unsicher machen. Dann kann man in aller Ruhe durch die Gegend in Deutschland latschen.
5. Die "Dowhiller".......
paul.roder 14.05.2013
Wie schön war's noch vor 35 Jahren, eine Insel der Individualisten, keine Pauschaltouristen und keine Downhillexibitionisten. Einsame Wanderungen, Natur pur, Ruhe und Respekt vor der einheimischen Bevölkerung. Schade, dass der Spiegel sich als Forum für diejenigen hergibt, die mit dem Bike ihren Adrenalinschub auch im Feierabendverkehr in jeder Großstadt erhalten können....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Outdoor-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
Fotostrecke
Kanarische Inseln: Heimat des ewigen Frühlings

Bevölkerung: 46,196 Mio.

Fläche: 505.988 km²

Hauptstadt: Madrid

Staatsoberhaupt:
König Felipe VI.

Regierungschef: Mariano Rajoy

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Spanien-Reiseseite