Mountainbiken auf Teneriffa: Weiße Wolken, schwarzes Land

Zahllose Serpentinen und gigantische Lavafelder: Wer die Vulkaninsel Teneriffa mit einem Mountainbike erkundet, wird mit einer Kruste aus Lavastaub und Schweiß auf der Haut belohnt. Gut, dass ein Badestrand zur Abkühlung niemals weit ist.

Mountainbiken auf Teneriffa: Strampeln, Schwitzen, Schwimmen Fotos
N. Eisele-Hein

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Früh am Morgen scheinen die Kanaren in Watte gepackt - nichts als Nebel breitet sich vor unseren Augen aus. Wir klettern auf unseren Rädern zahllose Serpentinen hoch zum Pico de Teide. Bei Vilaflor, mit 1500 Metern Seehöhe Teneriffas höchstes Dorf, stoßen wir durch die Wolkendecke. Mit jeder Radumdrehung wird die Kulisse großartiger. In der Entfernung tauchen die Nachbarinseln El Hierro und La Gomera aus dem Wolkenmeer auf.

Den König des Atlantik, den Pico de Teide können wir hier zwar noch nicht sehen, aber die aufgehende Sonne wirft den langen Schatten des Bergriesen direkt auf La Palma. Auf den Wolkensaum folgt ein grüner Gürtel wohlriechender kanarischer Kiefern. Die uralten Bäume erreichen ungeahnte Höhen, der Umfang ihrer wuchtigen Stämme beträgt nicht selten mehrere Meter.

Am Boca Tauce, am Rand des Kraters, wechselt die Landschaft abrupt. Der Blick über die große Caldera mit fast 16 Kilometer Durchmesser und gigantischen Lavafeldern, aus denen der Teide aufragt, lässt nicht nur Geologen ehrfurchtsvoll durch die Zähne pfeifen. Wir fühlen uns augenblicklich wie auf einen fernen Planeten versetzt.

Schneeflocken im Hochsommer

Der Vulkankegel des Pico de Teide thront im Herzen der größten der sieben Kanarischen Inseln. Mit seinen 3718 Metern ist er nicht nur Spaniens höchster Gipfel, sondern auch annähernd so hoch wie der Großglockner. Das gesamte Areal wurde schon 1954 zum Nationalpark erklärt. Das bedeutet für Mountainbiker, dass sämtliche noch so verlockende Trails auf die zahlreichen Kuppen dieser Mondlandschaft tabu sind.

Aber auch die Asphaltrunde durch den Parque Nacional de las Canadas del Teide hat ihren Reiz. Im Südwesten dominieren erstarrte Lavaströme, riesige Felder wild zerborstener Lava und bizarr geformte Felstürme. Diese Roques wirken im Gegenlicht wie ein Miniaturabbild der Dolomiten. Im Ostteil begeistern die Asche- und Schlackehügel, die zum Teil mit bunten Ginsterbüschen bewachsen sind.

Ein kleines, knallrot umrandetes Warnschild mit einer Schneeflocke darauf wirkt angesichts eines blauen Himmels und Temperaturen um die 25 Grad Celsius fast schon grotesk. Aber es hat seine Berechtigung: Selbst im Hochsommer kann es am Teide gelegentlich schneien.

Wie ein Torero zwischen Stierhörnern

Nicht nur die Teide-Rundtour lohnt sich für Mountainbiker auf Teneriffa. Das Teno-Gebirge an der Westspitze der Insel etwa birgt den Härtetest für die Bremsen. Zuerst schrauben wir uns auf einer abenteuerlichen Straße von Santiago del Teide bis zum Barranco de Masca, einer jäh eingekerbten Schlucht, hoch. Die anschließende Abfahrt bringt glühende Felgen und taube Bremsfinger.

Wer nebenbei noch die Ausblicke in die senkrechten Wandabstürze genießen will, der sollte dies auf die ohnehin notwendigen Bremspausen verschieben. Bis zu 20 Prozent Gefälle und enge 270 Grad Kurven erfordern volle Aufmerksamkeit. Zwischen den markanten Felszacken funkelt das Meer durch die berühmte Schlucht.

Auch die weitere Strecke von Buenavista del Norte entlang der Steilküste zum Faro de Teno hat es in sich. Der Leuchtturm am westlichen Inselkap wird nicht selten von heftigen Böen heimgesucht. Je nach Windrichtung heißt das für Mountainbiker bergauf fliegen und bergab wie angewurzelt stehen bleiben. Kommt der Wind mit bis zu acht Beaufort von der Seite, fühlt man sich auf dem Rad wie ein Torero zwischen den Hörnern des Stiers.

In voller Montur ins Wasser

Reizvoll ist auch die Straße hoch in das Anaga-Gebirge im Nordosten Teneriffas. An einem messerscharfen Grat windet sich das schmale Asphaltband an beängstigenden Abstürzen entlang. Der Nordost-Passat treibt hier unablässig seine Windspielchen. Die Wolken werden über die Gratkante gewälzt und in den Luftstrudeln des Windschattens regelrecht zerfetzt. Die mitgeführte Feuchtigkeit wird abgestreift und nährt eine regenwaldähnliche Flora. An manchen Stellen wird die Straße von Lorbeer-, Kastanien- und Eukalyptusbäumen überwuchert.

Die teilweise fast schon aberwitzig anmutende Straßenführung von West nach Ost verläuft durch das gesamte Gebirge bis zum vermeintlichen Ende der Welt bei Chamorga. Dort ist die Platznot angesichts der steilen Bergflanken so groß, dass der Kirchplatz auch zugleich als Bolzplatz dient. Kirchgänger und kickende Kids wuseln dort durcheinander.

Die weitere Fahrt über zahlreiche Trails durch diesen steilen Dschungel ist zumeist technisch anspruchsvoll. Eine der Routen führt direkt hinunter an den Strand von Las Teresitas. Schattenspendende Palmen, Reggae-Musik aus den Lautsprechern der Holzbude nebenan, die sogar gekühltes Bier verkauft - höchste Zeit für unsere allabendliche Lieblingsübung: Radschuhe wegschleudern und mit voller Montur in die Brandung hüpfen.

Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden langsam am Horizont. Mit einem zufriedenen Lächeln verfolgen wir Fischerboote bei ihrer Fahrt aufs Meer. Ihr gleichmäßiges Schaukeln versetzt uns fast in Trance. Ganz nebenbei spülen die Wogen die dicke Kruste aus Lavastaub und Schweiß von unserer Haut.

Norbert Eisele-Hein/srt/abl

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insgesamt 18 Beiträge
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    Seite 1    
1. Trailbeschaffenheit
dangoo 23.03.2013
hört sich wunderschön an, aber gerne hätte ich über die Wegbeschaffenheit mehr gewusst. Asphalt bei der ersten Wegbeschreibung hört sich eher langweilig an, mag die Aussicht noch so schön sein. Single Trails wäre verlockender!! Irgendwelche weiteren Infos? danke!
2.
Putsche 23.03.2013
Ein Bericht über MTB auf La Palma wäre sicherlich noch interessanter. Da ist es wirklich traumhaft. La Gomera ist halt eher was zum Wandern, aber sicherlich am schönsten, da es nicht so vom Tourismus zugepflastert wurde.
3.
JohnC. 23.03.2013
Zitat von sysopN. Eisele-HeinZahllose Serpentinen und gigantische Lavafelder: Wer die Vulkaninsel Teneriffa mit einem Mountainbike erkundet, wird mit einer Kruste aus Lavastaub und Schweiß auf der Haut belohnt. Gut, dass ein Badestrand zur Abkühlung niemals weit ist. http://www.spiegel.de/reise/europa/mountainbiken-auf-teneriffa-weisse-wolken-schwarzes-land-a-890373.html
Insel erkunden? Hochklettern? Auf La Palma kommen diese Irren auf ihren Schussfahrten zu Tal, Mountainbiker lässt sich per Auto auf den Berg fahren und fährt diesen dann runter, auf den Wanderwegen angebrettert, dass man beiseite springen muss. Bremsen ist häufig gar nicht mehr möglich. Darüber hinaus werden die Wege vollkommen zerstört.
4.
tgratzfeld 23.03.2013
hallo, es gibt geile single trails. am besten mal bei mtb active vorbeischauen, Ralf zeigt euch dann die geilen trails.
5. Touristenparadies Kanarien ?
albert schulz 23.03.2013
Eine trostlosere Gegend als diese Lavafelder kann man sich kaum vorstellen. Kaum Formen, keinerlei Pflanzen, nur schwarzes Geröll, und nur wenige Wege in der Caldera, für wen auch ? In der Sahara gibt es reihenweise Gebirge, die in Form und Farbe hundertmal attraktiver sind als diese schwarze Hölle. Dazu hell, angenehm warm und nicht so stürmisch.
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