Mystisches Galicien Mit dem Segen der Hexe

2. Teil: Der Kult um die guten Hexen


Im Pilgerland des Heiligen Jakob glauben vor allem die Menschen in den Dörfern immer noch an gute Hexen, die "Meigas". Am deutlichsten wird das in Orten wie dem Fischerdorf Combarro in der Ría de Pontevedra. Die "Meigas" gelten als Nachfahren der Druiden, die mit Wasser, Erde, Luft und Feuer noch immer ihren Kult praktizieren. In Combarro hängen sie nicht nur als Marionetten in Souvenir-Shops, sondern nehmen auch am Alltagsleben der Dorfbewohner teil.

Wenn ein Familienangehöriger sterbenskrank ist oder der viele Regen die Weinernte bedroht, beten viele Menschen zum Heiligen Jakob - und gehen anschließend zu einer "Meiga". Viele Fischer aus Combarro lassen ihr Boot nicht nur von der Kirche segnen, sondern auch von einer guten Hexe, bevor es zum ersten Mal auf See geht. Die Kirche toleriert diese Bräuche, doch sonst wirkt der Ort durch und durch christlich. Im Gassengewirr zwischen den Fischerhäusern stehen steinerne Andachtskreuze, die Kornspeicher sind mit kleinen Kreuzen verziert.

Weniger mystisch ist weiter südlich das Hafenstädtchen Baiona. Von Combarro aus führt die Fahrt zunächst durch das Weinanbaugebiet, in dem der galicische Albariño wächst. Der Legende nach soll die Albariño-Traube mit deutschen Zisterzienser-Mönchen ins Land gekommen sein. Wegen der Lage am Atlantik hat der Weißwein ein spezielles Aroma. Immer wieder sind unterwegs riesige Miesmuschelbänke in den Rías zu sehen, die wie kleine Kriegsschiffe in Angriffsformation wirken. Vorbei an Cangas, einem der bekanntesten Hexendörfer Galiciens, gelangt man nach Baiona.

Das Haus der Hexen-Inquisition

Die herrschaftlichen Villen im Altstadtkern zeugen vom früheren Reichtum der Kleinstadt. Vom Hafen aus starteten Entdeckungsfahrten in die Neue Welt, hier traf die Kolumbus-Galeone "Pinta" zum ersten Mal wieder auf europäisches Festland. Normannen und Türken versuchten, das Städtchen zu plündern. Die meisten Angreifer scheiterten aber beim Versuch, die Festung Castelo de Monte Real einzunehmen, von dessen Verteidigungsanlage noch kilometerlange Wehrmauern und der Palast des Statthalters erhalten sind.

Dem Fluss folgend, gelangt man im Landesinneren nach Ribadavia. Die Kleinstadt, einer der ältesten Winzerorte Europas, liegt mitten im Anbaugebiet des Ribeiro-Weins. Mit dem Weinhandel kam das Dorf zu Wohlstand. Es bezaubert mit mittelalterlichen, von Säulengängen gesäumten Plätzen, romanischen Kirchen und einer Festung aus dem neunten Jahrhundert. Außerdem gibt es ein Inquisitions-Haus, in dem im Mittelalter zahlreiche "Meigas" zum Tode verurteilt wurden.

In Allariz wird die Arnoia zur Abenddämmerung zum Anziehungspunkt. Dorfbewohner mischen sich mit Touristen auf der Flaniermeile am Flussufer. Wie in Monforte de Lemos, Pobra do Caramiñal, Portomarín, Vilalba oder Viveiro treffen sich auch die Dorfbewohner von Allariz abends in den uralten Tavernen aus Stein und Holz und erzählen von Hexen, Wolfsmenschen und alten Keltensagen.

Manuel Meyer, dpa



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