Natururlaub in Deutschland Hainich statt Haiti

Mallorca, Rom oder Urlaub auf Sansibar? Für die meisten Deutschen sind diese Gebiete nicht das Urlaubsziel Nummer eins. Viel lieber schnallen sie den Rucksack in Deutschland um und entdecken die heimische Natur.


Wo soll's denn hingehen? Urlaubsplanung ist wegen zahlloser Alternativen immer mit der Qual der Wahl verbunden. Trekkingtouren in Asien liegen genauso im Trend wie Städtereisen kombiniert mit Wellness. Die Gegenbewegung dazu will zurück zur Natur. Statt lange Flüge auf sich zu nehmen und sich in Großstädten zu tummeln, zieht es immer mehr Deutsche wieder in die heimischen Naturlandschaften - zum Wandern in den Hainich, zum Radeln in die Lüneburger Heide oder zum Klettern ins Elbsandsteingebirge. Natururlaub in Deutschland etabliert sich als Urlaubsform - und bekommt durch die aktuelle Debatte um den Klimawandel zusätzlich Auftrieb.

Nationalpark Bayerischer Wald: Eindeutiger Trend zur deutschen Natur
GMS

Nationalpark Bayerischer Wald: Eindeutiger Trend zur deutschen Natur

Aktuelle Umfragen bestätigen: Natur hat für deutsche Urlauber einen hohen Stellenwert. So hat das Emnid-Institut ermittelt, dass 62 Prozent der Deutschen gerne ihren Urlaub in den Nationalen Naturlandschaften verbringen würden, zu denen National- und Naturparks gehören. Naturschutz liegt den Deutschen am Herzen: "Für 93 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass es solche Schutzgebiete gibt", sagte Holger Wesemüller von Europarc Deutschland. "Und diese Zahlen wachsen von Jahr zu Jahr."

PR-Erfolg "Nationale Naturlandschaften"

Die drei Kategorien von Schutzgebieten - Biosphärenreservate, Natur- und Nationalparks - nun wurden unter dem Dachbegriff Nationale Naturlandschaften zusammengefasst. Mehr als ein Drittel aller Deutschen kennt den neuen, 2006 eingeführten Begriff. "Das ist schon eine ganz gute Zahl und eine kleine Erfolgsgeschichte", sagte Wesemüller.

Umfragen sind aber nur das eine: "Die Nationalen Naturlandschaften werden auch als Urlaubsziel beliebter", sagte Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz. "Der Trend ist eindeutig, und es gibt dafür noch ein großes Potenzial." Für die betreffenden Regionen - bundesweit gibt es 126 Landschaften, die zu einer der drei Schutzkategorien gehören - wie für den Tourismus in Deutschland insgesamt sei das eine große Chance. Die Diskussion um den Klimaschutz verstärke das noch: "Gerade für viele, die nur für ein paar Tage verreisen wollen, ist Urlaub in den deutschen Naturlandschaften vernünftiger, als irgendwohin zu fliegen."

Ein kontinuierlich wachsendes Interesse am Urlaub mitten in der Natur bestätigt auch Walter Kemkes: Der Oberforstrat ist Leiter des Nationalparks Hainich in Thüringen, den es in dieser Form seit zehn Jahren gibt. "Die Zahl der Besucher ist seitdem auf inzwischen 385.000 im Jahr gestiegen." Und es sind nicht nur die Tagesgäste, die mal zum Wandern vorbeigucken: "40 Prozent unserer Gäste übernachten auch bei uns." Manche bleiben zwei, drei Tage - andere für eine oder zwei Wochen, um ein Stück "deutsche Wildnis" kennen zu lernen, wie Kemkes sagt: "Der Hainich ist ein Urwald mitten in Deutschland."

"Das Naturerlebnis spielt eine immer größere Rolle", sagt auch Holger Wesemüller. "Und das ist auch gut so. Denn nur was man kennt, weiß man zu schätzen und ist man deshalb auch bereit zu schützen."

Andreas Heimann, gms



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