Niemeyer-Neubau in Spanien: Ufo der Hoffnung

Ein spektakulärer Neubau krempelt Avilés in Asturien um: Weil Stararchitekt Oscar Niemeyer hier ein Kulturzentrum baut, könnte das verschlafene spanische Städtchen bald zur Touristen-Hochburg werden. Dabei helfen sollen die Hollywood-Größen Woody Allen und Brad Pitt.

Avilés in Asturien: Das Geschenk des Stararchitekten Fotos
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Avilés - Eigentlich hat Avilés alles, um Urlauber anzuziehen. Die mittelalterliche Innenstadt bezaubert mit schönen Arkaden-Gängen und hübsch verzierten Holzbalkonen. Viele Gebäude in der Galiana-Straße und der Calle de Rivero stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Einige Kirchen wie die Iglesia de los Padres Franciscanos und San Nicolás de Bari wurden sogar im 13. Jahrhundert gebaut.

Auch Stadtpaläste, Parkanlagen und das prachtvolle Theater Palacio Valdés lassen die glorreiche Vergangenheit der Hafenstadt erahnen. Rund um die Sabugo-Kirche aus dem 13. Jahrhundert laden kleine Bars zum Essen ein.

"Trotzdem denken die Leute bei Avilés immer noch an qualmende Hochöfen und Schwerindustrie", sagt Javier Arribas vom örtlichen Tourismusbüro. Tatsächlich wurde Avilés im 19. Jahrhundert zum Zentrum der asturischen Eisenverhüttung und zur Industriestadt mit hässlichen Häuserblocks in der Neustadt.

So zog es Besucher Asturiens bisher eher nach Oviedo oder in den nahen Naturpark Picos de Europa. "Aber das wird sich schon bald ändern", versichert Arribas. "Avilés verwandelt sich von einer Industrie- zu einer Kulturstadt". Und diese soll nicht nur Urlauber aus ganz Spanien in die Heimat von Formel-1 Fahrer Fernando Alonso locken, sondern auch ausländische Gäste.

Ein Geschenk vom Stararchitekten

Der Grund für die Aufbruchsstimmung lebt in Rio de Janeiro, ist im Dezember 103 Jahre alt geworden und gehört zu den berühmtesten Architekten unserer Zeit: Oscar Niemeyer. Der Erschaffer der brasilianischen Hauptstadt Brasilia, dessen Großvater aus Hannover stammte, schenkte der Region Asturien 2005 den Entwurf zu einer futuristisch-kurvigen Stahlbeton-Konstruktion. Anlass war das 25-jährige Bestehen des Prinz-von-Asturien-Preises, mit dem Niemeyer 1989 in der Sparte Kunst ausgezeichnet wurde.

Als Standort wurde das strukturschwache Avilés ausgewählt. Direkt gegenüber der Altstadt, auf einer künstlichen Insel mitten im Fluss, weiht nun Ende März der spanische König Juan Carlos I. das Gebäude ein, das als "Internationales Kulturzentrum Oscar Niemeyer" Hunderttausende Touristen und Architekturbegeisterte anlocken soll.

"Das Niemeyer-Zentrum ist wie ein Sechser im Lotto", sagt Javier Arribas. Er geht davon aus, dass das architektonische Juwel Besucher ähnlich magnetisch anziehen wird wie das Guggenheim-Museum in Bilbao. Die einst heruntergekommene Industriemetropole im Baskenland verdankt dem Bauwerk seine urbane und wirtschaftliche Erneuerung.

Auch Natalio Grueso, der Leiter des Niemeyer-Zentrums, hat keine Zweifel am Erfolg des Projekts: "Es handelt sich nicht nur um eines der wenigen Gebäude Niemeyers in Europa, sondern auch um das größte und wichtigste in ganz Europa, wie Niemeyer mir selber versichert hat."

Bauprojekt lockt Hollywood-Prominenz

Der "Niemeyer-Effekt" funktioniert bereits. Als einer der ersten besuchte Hollywood-Star Brad Pitt die Bauarbeiten des spektakulären Kulturzentrums. "Brad würde gerne bei der ein oder anderen Architektur- und Design-Ausstellung mit uns zusammenarbeiten", sagt Grueso. Und Regisseur Woody Allen, der die Stadt bereits in seinem Film "Vicky Cristina Barcelona" im besten Licht gezeigt hat, werde nicht nur mit seiner Jazzband am Abend vor der Eröffnungsfeier das erste Konzert im neuen Kulturzentrum geben, sondern auch das Filmzentrum leiten.

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hat öffentliche Lesungen versprochen. Schauspieler Kevin Spacey wird als Leiter des Londoner Old Vic Theatre mit dem Niemeyer-Zentrum Theaterstücke produzieren, die in Avilés Weltpremiere feiern, bevor sie nach London und an den Broadway gehen. In dem multidisziplinären Kulturzentrum wird es Konzerte, Opern, Theater, Kino, Vorträge und Ausstellungen geben. In einem spiralförmigen, rund 13 Meter hohen Turm mit Außentreppe wird die "Gastronomie als Kunst" im Mittelpunkt stehen.

Das Kulturzentrum besteht aus vier Gebäudekomplexen. Daraus sticht ein Auditorium hervor, das sich in Form einer überdimensionalen Welle dem Meer zuwendet. Seitlich verschoben, erstreckt sich ein geschwungenes Mehrzweckgebäude mit Ausstellungsräumen, Filmzentrum, Restaurant und Kindergarten. Vom Auditorium führt eine Brücke schwungvoll quer über einen riesigen Platz zur Kuppel eines Konferenz- und Ausstellungsgebäudes, das an ein Ufo erinnert.

Die Aufbruchstimmung ist in Avilés überall zu spüren. Allein der Bau des Zentrums drückte die Touristenzahl im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent nach oben. Im Jahr 2009 hatte die 85.000-Einwohner-Stadt nur drei Hotels, heute sind es zwölf. "Das Niemeyer-Zentrum wird unsere Zukunft sein", sagt Ángel Hernández López. "Avilés ist richtig aufgeblüht, seitdem die Bauarbeiten begonnen haben", erzählt der Konditor. Sein "El Café de Ángel" auf der Plaza de España sei so voll wie schon seit Jahren nicht mehr. Vor allem seine "Cúpulas Avimeyer" sind ein Verkaufshit bei Touristen - die Ufo-Kuppel des Niemeyer-Zentrums als Buttergebäck mit Zuckerguss, zum Mitbringen für die Lieben zu Hause.

Manuel Meyer, dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1. ...und Deutschland?
Berliner Löwe 21.03.2011
Ich bin immer wieder neidisch, aber auch verärgert was architektonisch in anderen europäischen oder asiatischen Ländern möglich ist. Hier in Deutschland, besonders hier in Berlin, ist die Architektur zum größtenteil langweilig, bürokratisch und schlecht. Es liegt vielleicht nicht nur an den Architekten sondern auch an den Vorgaben einer Stadt. Längweilige, klobige und vor einfallslosigkeit hingeschmissene Häuser mit Schießscharten als Fenster dominieren das Bild. Um Architektur genießen zu können muss man ins europäische Ausland oder nach Asien reisen. Deutschland sollte sich schämen.
2. Mist...
Nicola54 21.03.2011
...bisher war Asturien ein Geheimtipp, aber nachdem hier bei SPON sogar schon ein Foto unseres (bisher einsamen!) Lieblingsstrandes veröffentlicht hat, wird es mit dem Idyll wohl bald zu Ende sein... Bedauerlich...
3. Mr.PITT - echter Jünger des Sr.NIEMEYER !
gemamundi 21.03.2011
Zitat von sysopEin spektakulärer Neubau krempelt Avilés in Asturien um: Weil Stararchitekt Oscar Niemeyer hier ein Kulturzentrum baut, könnte das verschlafene spanische Städtchen bald zur Touristen-Hochburg werden. Dabei helfen sollen die Hollywood-Größen Woody Allen und*Brad Pitt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,752228,00.html
DAS verspricht dann wirklich nachhaltig interessant zu werden - der Mr. William BRADley PITT z.Bsp. ist seit den 80ern ein Bewunderer des großen OSCAR NIEMEYER - hat im "Zweitberuf" nicht nur mehr Architektur studiert als GUTT die Jurisprudenz - alles nachzulesen und googelbar für Interessierte - sondern arbeitet auch lange schon mit bedeutenden Architekten weltweit zusammen. Dies mal vorausahnend,bevor die Unwissenden wieder einmal mehr rummäkeln,was die "doofen Schauspieler" denn da wollten - oder ähnlich.... Überhaupt - auch was die moderne Architektur angeht,lohnt sich ein ausgedienter Spanienbesuch - da könnte und sollte die Bundesrepublik sich 'n Beispiel nehmen - besser gleich mehrere. Auf nach Asturien !
4. Aviles geht den Weg von Bilbao
hj.keil 21.03.2011
Zitat von sysopEin spektakulärer Neubau krempelt Avilés in Asturien um: Weil Stararchitekt Oscar Niemeyer hier ein Kulturzentrum baut, könnte das verschlafene spanische Städtchen bald zur Touristen-Hochburg werden. Dabei helfen sollen die Hollywood-Größen Woody Allen und*Brad Pitt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,752228,00.html
Ich kenne Aviles und Bilbao seit 35 Jahren. Damals beides verdreckte Schwerindustrie-Städte. Ich freue mich sehr darüber, dass Aviles den tollen Entwicklungsweg von Bilbao folgt.
5. Häßlich
gmdl 21.03.2011
Zitat von sysopEin spektakulärer Neubau krempelt Avilés in Asturien um: Weil Stararchitekt Oscar Niemeyer hier ein Kulturzentrum baut, könnte das verschlafene spanische Städtchen bald zur Touristen-Hochburg werden. Dabei helfen sollen die Hollywood-Größen Woody Allen und*Brad Pitt. http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,752228,00.html
Das ist ja genauso häßlich, wie das was der Niemeyer, schon in den 60er Jahren gebaut hat, nur damals war es wenigstens noch progressiv. Das wird kaum einen Touristen anlocken.
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