Fjordfotos aus Norwegen Und das ist nur die Spitze des Kajaks

Ein Kajakbug ist stets der Blickfang - doch der Star ist die Natur. Die Bilder von Tomasz Furmanek zeigen Norwegens Fjorde in allen Facetten. Im Interview verrät der Hobbyfotograf einen Trick für spiegelglatte Wasseraufnahmen und Tourentipps für Paddler.

Tomasz Furmanek

Zur Person
  • Tomasz Furmanek
    Tomasz Furmanek, 41, geboren in Polen, lebt seit seinem sechsten Lebensjahr im norwegischen Bergen. Der Bio-Informatiker arbeitet für das Institut für maritime Forschung. Seit 12 Jahren unternimmt er Kajaktouren durch die Fjord- und Seenlandschaft, seit fünf Jahren dokumentiert er sie mit der Go-Pro-Kamera. Die Bilder veröffentlicht Furmanek auf Instagram, mittlerweile hat er 55.000 Follower.
SPIEGEL ONLINE: Auf all Ihren Bildern ist ein Kajakbug zu sehen, der wie ein Pfeil auf die spektakuläre Fjordlandschaft zeigt. Welche Idee steckt dahinter?

Furmanek: Ich will meine Naturerlebnisse mit dem Betrachter teilen. Der Bug führt seinen Blick wie ein Vektor. Wer meine Fotos anguckt, soll das Gefühl haben, er würde durch die Fjorde paddeln. Eigentlich breche ich mit dem Bildaufbau alle Regeln einer guten Komposition. Das statische Element, die Kajakspitze, nimmt dem Foto die Spannung.

SPIEGEL ONLINE: Wie entstehen Ihre Fotos?

Furmanek: Ich fotografiere eine Stunde nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang, wenn die Lichtbedingungen nicht mehr optimal sind. An Land müsste ich ein Stativ benutzen. Beim Paddeln im Kajak geht das natürlich nicht. Darum nutze ich eine auf dem Helm montierte Go-Pro-Kamera.

SPIEGEL ONLINE: Drücken Sie einfach nur auf den Auslöser?

Furmanek: Nein. Zunächst positioniere ich das Kajak, und dann aktiviere ich die Zeitrafferfunktion, die zwei Bilder pro Sekunde aufnimmt. Ich verharre eine Weile genau in dieser Position. Danach wähle ich aus 20 bis 30 Fotos das Beste aus. Es gibt aber noch eine andere Herausforderung: Das Kajak muss sich bei der Aufnahme ein bisschen bewegen. Im Stillstand würde es kräuselnde Wellen auslösen, die sich über die schönen Spiegelungen im Wasser legen.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht unheimlich, vor Einbruch der Nacht im Fjord zu paddeln?

Furmanek: Nur wenn man nicht daran gewöhnt ist. Im Dunkeln paddele ich immer mit Stirnlampe und GPS zurück, in der Ferne funkeln dann die Lichter der Küstenorte. Im Sommer kann man aber noch sehr spät im Hellen paddeln und fotografieren - die Mitternachtssonne macht's möglich.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie zum Kajakfahren gekommen?

Furmanek: In Bergen regnet es viel, manchmal drei Monate am Stück. Deshalb habe ich mit dem Freitauchen angefangen - und bin so dem Dauerregen entgangen. Das Kajak war anfangs nur mein Vehikel, um zu tollen Tauchplätzen zu gelangen. Dann hat es mir immer mehr Spaß gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Was mögen Sie an der Sportart?

Furmanek: Ich entspanne mich dabei und tanke Energie. Das Kajak gleitet leise durch die Landschaft und stört die Tiere an der Küste nicht.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Tieren begegnen Sie beim Paddeln?

Furmanek: Hauptsächlich Robben und Vögeln, an den Fjorden auch wilden Ziegen. Wenn sie ein Boot sehen, klettern sie von den Bergen hinunter ans Ufer, auch weil Touristen sie oft füttern. Würde eine der Ziegen auf das Kajak springen und ins Wasser fallen, müsste ich sie retten. Deswegen bleibe ich auf Abstand.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihren Fotos ist sehr oft der Archipel der Lofoten zu sehen - Ihre Lieblingsdestination?

Furmanek: Ja, ich mag die Lofoten. Sie sind rau und wild. Als Paddelrevier sind sie nicht nur fordernder, sondern auch gefährlicher als andere norwegische Regionen. Die Küste ist ungeschützt, die Wellen sind hoch, manchmal kommt man für viele Kilometer nicht an Land. Anfänger brauchen dort einen Guide.

SPIEGEL ONLINE: Hört sich ungemütlich an. Was muss man beachten?

Furmanek: Rund um die Lofoten muss man sich immer nach der Wetterlage richten. Wenn der Wind von Osten kommt, paddelt man am besten auf der westlichen Seite und umgekehrt. So schützen einen die Berge.

SPIEGEL ONLINE: Wie bereiten Sie sich vor?

Furmanek: Ich trainiere in Wellenbrechern an anderen Stränden. Dabei bin ich schon oft in bis zu zwei Meter hohen Wellen aus dem Kajak gefallen und musste mit schwerem Equipment an Land schwimmen. Das flößt Respekt ein.

SPIEGEL ONLINE: Welche Kajakziele können Sie Anfängern empfehlen?

Furmanek: Nach der Arbeit paddle ich oft für ein oder zwei Stunden in den Archipel Sotra in der Nähe von Bergen. Es ist ein facettenreiches Terrain ohne Strömungen. Auch die Fjorde in Westnorwegen sind sehr schön, am beliebtesten sind der Geirangerfjord und der Nærøyfjord. Zwischen Juni und August ist dort viel los.

SPIEGEL ONLINE: Welche Seen können Sie empfehlen?

Furmanek: Schön zum Paddeln sind der Ringedalsvatnet- und der Styggevatnet-Stausee am Jostedalsbreen-Gletscher. Zu Beginn des Sommers ist die Gletscherzunge, die direkt in den See kalbt, stabil. Ab September jedoch sollte man dort nicht mehr paddeln. Dann krachen riesige Eisblöcke ins Wasser, die bis zu fünf Meter hohe Wellen auslösen können. Ich würde dort eine geführte Tour zwischen Juli und August empfehlen.

SPIEGEL ONLINE: Trifft man Sie eigentlich nur auf dem Wasser an?

Furmanek: Manchmal klettere ich mit Freunden auch auf einen Berg und wir übernachten auf dem Gipfel im Zelt.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt so viele exotische Orte auf der Welt, warum sieht man auf Ihrem Instagram-Account fast nur Bilder aus Norwegen?

Furmanek: Hitze bin ich nicht gewohnt. Griechenland im Sommer? Das wäre nichts für mich. Selbst Deutschland oder Polen sind mir zu warm. Ich bevorzuge Skandinavien und Island, bei 5 bis 15 Grad Celsius fühle ich mich einfach wohler.

SPIEGEL ONLINE: Welches norwegische Naturparadies wollen Sie unbedingt noch mit dem Kajak entdecken?

Furmanek: Nördlich der Lofoten gibt es eine Insel namens Senja, die ich gerne einmal sehen würde. Es ist dort kalt, es gibt viele Berge und Fjorde. Trotzdem sehen die Strände auf Fotos so aus, als lägen sie in den Tropen. Es soll ein wirklich besonderer Ort sein.

In den nächsten Wochen reisen wir in loser Reihenfolge weiter mit Instagram um die Welt und interviewen Fotografen, die dort besonders spektakuläre Reisebilder veröffentlichen.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
dies/das 24.08.2015
1. wenigstens der name sollte richtig sein
unter fast jedem bild steht der name - Fumarek- völlig entfremdet der gute heisst - Furmanek Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Die Redaktion.
audiotom 24.08.2015
2. Wundervoll
Ich war vor ca. 20 Jahren mal in Norwegen. Bisher das wundervollste Land welches ich bereisen durfte. Die Schönheit der Natur, die klare Luft (die Sichtweite!) und die unfassbare Ruhe sind einfach einzigartig.
20InchMovement 24.08.2015
3. Wunderschön
Vielen Dank für die Photos. Der macht es richtig in seinem Leben.
Volksverretter 24.08.2015
4. Ich nehme mal an:
"Rund um die Lofoten muss man sich immer nach der Wetterlage richten. Wenn der Wind von Osten kommt, paddelt man am besten auf der westlichen Seite und umgekehrt. So schützen einen die Berge. " Auf der westlichen Seite der Berge und umgekehrt, oder?
doppelpost123 24.08.2015
5. Bürojob
Und ich sitz hier im Büro, warum!?
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