Besonders stolz sind die Ötztaler auf ihr "Öko-Designhotel", die "Waldklause" in Längenfeld. Mit Betten aus Tiroler Bergschafswolle, komplett aus Zirbelholz gefertigten Suiten und Quellwasserbrunnen in allen Zimmern möchte das "Naturhotel" moderne Wellness mit Ötztaler Tradition verbinden. Zum Frühstück gibt es Bioprodukte aus der Region. Obwohl Längenfeld mit seiner Therme "Aqua Dome" zu den Tourismus-Magneten des Tals zählt, geht es hier noch persönlich zu.
So kann es passieren, dass der Ortspfarrer auswärtige Besucher nach dem Sonntagsgottesdienst um 11 Uhr lieber in seine warmen Amtsräume auf einen Schnaps einlädt, als ihnen die Fresken in der winterlich kalten Kirche zu erläutern. "Von Kunstgeschichte verstehe ich sowieso nicht so viel", sagt Hochwürden Stefan Hauser und lacht.
Seit 2001 ist der 60-Jährige Pfarrer in Längenfeld und Huben. Als Zugereister anfangs von den Einheimischen skeptisch beäugt, fühlt er sich inzwischen wie ein richtiger Ötztaler. Der Obstler des Pfarrers ist hervorragend, dennoch lohnt es sich in jedem Fall, einen Blick in die gotisch-barocke Kirche zu werfen, deren Baugeschichte sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.
Eine weitere kulturelle Besonderheit erwartet Besucher im alten Ortskern von Oetz. In einem mittelalterlichen Wohnturm sind Antiquitäten, naive religiöse Volkskunst, populäre Druckgrafik, alte Fotografien und vor allem zahlreiche alpine Landschaftsgemälde aus der Zeit von 1800 bis heute ausgestellt. "Alle Exponate haben regionalen Bezug", sagt Hans Jäger, der dem Turmmuseum seine Privatsammlung zur Verfügung gestellt hat. In hohem Singsang und etwas eigentümlichen Sprachduktus erzählt der 70-Jährige die Geschichte des Museums, die auch seine persönliche Geschichte ist.
Der uneheliche Sohn einer Bauerstochter aus Oetz hat sich schon früh für Kunst interessiert, an den Besuch einer höheren Schule oder gar an ein Kunststudium war aber nicht zu denken. So bestellte Jäger jahrelang den Hof der Mutter und der Tanten und kaufte in seiner Freizeit von seinen Ersparnissen Bilder, Heiligenfiguren und alte Fotos. Die Käufe der zum Teil hochkarätigen Volkskunst finanzierte er durch Einnahmen aus einen Campingplatz, den er neben dem Hof betrieb.
Gegen den Strom der Zeit
Jäger versteht seine Sammlung nicht nur als Beitrag zur Kultur- und Mentalitätsgeschichte der Region, sondern auch als "ideellen Gegensatz zum Strom der Zeit". Viele Kulturgüter im ländlichen Raum würden vernichtet, da der Zeitgeist über die geschichtlich gewachsene Substanz rücksichtslos hinweggehe. Mit solchen Worten klingt der Kunstsammler fast wie Hans Haid.
Jahrzehntelang galt Jäger im Ort als Außenseiter und Sonderling, doch das Gerede der Leute wurde ihm irgendwann egal. Vor fünf Jahren erfüllte sich sein Lebenstraum: Nach der Restaurierung des alten Turms in Oetz, der an sich schon eine Besichtigung lohnt, konnte Jäger dort seine Sammlung unterbringen. Noch im selben Jahr erhielt das Museum den Tiroler Museumspreis.
Um das Bild des ursprünglichen Ötztals zu komplettieren, fehlt den Ötztalern eigentlich nur der "Ötzi", der "Mann aus dem Eis", der hier in der Jungsteinzeit lebte. Als Bergwanderer 1991 die mehr als 5000 Jahre alte Gletschermumie in der Nähe des Hauslabjochs entdeckten, wurde das Tiroler Tal über Nacht international bekannt. Allerdings haben die Ötztaler heute nicht viel von ihrem berühmtesten Ureinwohner. Aufgrund einer umstrittenen Grenzbestimmung in der Nähe des Fundortes wurde der Ötzi zum Italiener erklärt und ist nun in einer klimatisierten Vitrine in Bozen zu bestaunen. Für das Ötztal blieb nur das Ötzidorf in Umhausen, ein archäologisches Freilichtmuseum. Das ist im Winter allerdings geschlossen.
So müssen sich die Ötztaler mit ihren lebenden Originalen begnügen. Von denen findet man im "Gasthof zum Stern" in Oetz gleich ein paar. Das Haus zieht Besucher bisher hauptsächlich wegen der reich verzierten Fassade und der alten urtümlichen Stuben an.
Vielleicht gibt es dort in Zukunft aber auch wieder mehr volkstümliche Hausmusik zu hören. Josef, Maria und Margit scheinen ihren Auftritt jedenfalls zu genießen. Das Publikum applaudiert. Auch die Kartenspieler aus dem Nebenraum kommen und fordern eine Zugabe. Zum Schluss singt das Trio ein altes Lied mit dem Refrain "Oan trink ma noch". Dann verteilt Maria Schnaps. Nun freut sich auch der Josef.
Caroline Mayer, dpa
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