Norwegenurlaub Zehn Tipps für einen günstigen Oslo-Trip

Norwegen ist eines der teuersten Reiseländer der Welt, was sich viele nicht leisten können oder wollen. Doch in der norwegischen Hauptstadt Oslo gibt es kostenlose und günstige Freizeitangebote.

VisitOSLO/ Thomas Johannessen

Von Alva Gehrmann


"Norwegen kann ich mir nicht leisten", hört man immer wieder. Und es stimmt schon, Norwegen ist eines der teuersten Länder der Welt. Aber das heißt nicht, dass der Trip dorthin nicht preiswert zu gestalten wäre: Gerade in der norwegischen Hauptstadt gibt es viele günstige oder kostenlose Angebote.

Hier sind unsere zehn Tipps für angenehme und bezahlbare Tage in Oslo:

1. Sjøbad in Sørenga: Gratisbad im Ex-Industriegebiet

Sobald die Sonne scheint, machen sich die Osloer nackig - soweit das im öffentlichen Raum erlaubt ist. Nach den langen, dunklen Tagen wird jeder Sonnenstrahl aufgesogen und dann ist das Sjøbad, das Meeresbad im neuen Viertel Sørenga, einer der beliebtesten Treffpunkte.

Nirgendwo sieht man den Wandel der schnellwachsenden Metropole so gut wie in der Fjord City, die sich etwa neun Kilometer entlang des Oslofjords erstreckt. Vom hölzernen Pier des ehemaligen Werft- und Industriegeländes aus sieht man, wie sich in der Ferne die Container wie Legosteine im neuen Hafengelände stapeln, wo Yachten neben haushohen Passagierschiffen ankern. Zum Sjøbad gehören Sprungturm, Holzliegen, Duschen und ein kleiner Sandstrand - das Gelände ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Wer keinen Trubel mag, sollte morgens kommen. Dann teilt man sich das Bad meist mit den Anwohnern, die in Bademantel und Schlappen zum Pier schlendern - und täglich beherzt ins Meer springen.

2. Markthalle Vippa: Kulinarisches Sozialprojekt

Schawarma Aleppo-Style, chinesische Dumplings oder eritreische Pfannkuchen - etwa 15 Fußminuten von Sørenga entfernt kann man in der Markthalle Vippa eine kulinarische Weltreise antreten. Das Projekt wurde unter anderem von Heidi Bjerkan initiiert. Die Norwegerin kochte jahrelang für die Königsfamilie und bildet in ihren Trondheimer Restaurants den Nachwuchs aus. Bei Vippa fördert sie Immigranten und junge Köche, die in der Halle ihre Food Trucks aufgestellt haben.

Der leckere Schawarma von "Aleppo bahebek", was auf arabisch "Aleppo, ich liebe dich" heißt, kostet acht Euro. Mit den Einnahmen hilft die Non-Profit-Organisation Mestringsguiden Flüchtlingen, eine Arbeit und ein Zuhause zu finden. Bei schönem Wetter kann man das Essen draußen genießen - direkt am Meer.

3. Biergarten Blå: Musik inklusive

Ihre Botschaft ist klar: "We fuck up your Mondays!" Seit mehr als 20 Jahren gibt das Frank Znort Quartet jeden Sonntag kostenlose Konzerte. Die Musiker sind eine Institution in der Osloer Szene. Im Sommer spielen sie im Biergarten des Clubs Blå (Blau) zwischen 16 und 20.30 Uhr ihr Akustikset. Danach wird die Elektronik angeworfen.

Das Blå am Fluss Akerselva war früher eine Spinnerei, später eine Lagerhalle für Gold und Diamanten. Heute glitzert nur noch der Kronleuchter, der im schmalen Gang zwischen zwei Fabrikgebäuden hängt. Die Band spielt eine Mischung aus Jazz, Pop, Funk und Punk, abhängig von den jeweiligen musikalischen Gästen. Die ansonsten eher schüchternen Norweger gehen auf diesen Konzerten mehr aus sich heraus, wippen zur Musik, einige tanzen sogar nach Mitternacht.

4. Akerselva-Wanderweg: Zu Fuß durch Oslo

Flussidylle - mitten in der Stadt
VisitOSLO/ Thomas Johannessen

Flussidylle - mitten in der Stadt

Der Fluss Akerselva schlängelt sich durch die Stadt, acht Kilometer lang, mit 149 Metern Höhenunterschied und 23 Wasserfällen. Früher war er Handelsroute und Energielieferant - die ehemaligen Industriegebäude sind heute Kunsthochschulen, Klubs, Apartments oder kulinarische Zentren wie die Markthalle. In dieser früheren Brückenwerkstatt finden sich neben Cafés, die Transportpaletten und Felle als Sitzgelegenheit nutzen, auch 30 Feinkostläden.

Mit jedem Schlenker des Flusses zeigt sich eine andere Facette Oslos. Auf der Höhe der Straße Brenneriveien prangt an den Hauswänden Street Art, Bäume ragen in das Gewässer hinein, manche joggen vorbei oder fischen Lachs. Der Fluss mündet in den Oslofjord, direkt neben der Oper.


TIPP: Der Visit-Oslo-Pass lohnt sich, wenn man viel in der Stadt unterwegs ist. Die Karte gibt freien Eintritt für Museen und den öffentlichen Nahverkehr.


5. Oslos Oper: reingehen kostet, raufgehen nicht

Die Natur und das "friluftsliv", das Leben im Freien, gehören für die Norweger zur Identität. So passt es, dass die 2008 eröffnete Oper einem Gletscher nachempfunden wurde. Und diesem Designgebäude darf jeder kostenlos aufs Dach steigen.

"Die Architektur bringt Menschen zusammen", sagt Khamshajiny Gunaratnam, die stellvertretende Bürgermeisterin Oslos. Unweit der Oper entsteht zurzeit ein Museum für den berühmtesten Maler des Landes, Edvard Munch. Würde er noch leben, säße er vermutlich wie seine Landsleute abends gerne auf dem Operndach und sähe sich den Sonnenuntergang an.

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Oslo: Sparsam in Teuerland

6. Antipodes: die Stadt als Wohnung

Die dunkelbraun gestrichene Baracke mit den rosa Fensterrahmen und der kleinen Dachterrasse ist ein Juwel in Sørenga. Das Antipodes Café House wird von der Norwegerin Tuva Langfeldt und ihrem uruguayischen Partner Filip betrieben. Die Baracke nennen sie "Stue" (Wohnzimmer) und wann immer die Türen offen stehen, ist jeder herzlich willkommen, einen kostenlosen Kaffee bei ihnen zu trinken.

Die beiden sehen ihre Projekte als urbane Intervention und spielen mit den klassischen Definitionen von Wohnraum. Gerne erzählen sie dann von der geplanten Küche an einem anderen Standort. Ihr Motto: "Die Stadt ist unser Zuhause und die Straßen sind der Flur zu unseren Zimmern." Ihr Stue grenzt direkt an eine Baustelle. Zuletzt zeichneten sie dort ein Badmintonfeld auf, der Bauzaun dient als Netz.

7. Ekebergpark: Kultur kostenlos

Die kommt nicht mit: Die "Walking Woman" bleibt, wo sie steht
Ekebergparken/ Ivar Kvaal

Die kommt nicht mit: Die "Walking Woman" bleibt, wo sie steht

Eine Frau pinkelt hockend am Wegesrand, ein sich umarmendes Pärchen schwingt in den Bäumen und ein Junge steht auf einem eisernen Sprungturm. Wer durch den Ekebergpark spaziert, entdeckt außergewöhnliche Skulpturen. Manche sind aus der Ferne nicht als solche zu erkennen, etwa die "Walking Woman" des britischen Künstlers Sean Henry.

Seit 1889 nutzen die Osloer diesen öffentlichen Park zur Erholung. Die Aussicht inspirierte auch Edvard Munch, der hier blutrote Sonnenuntergänge beobachtete und die Hintergrundkulisse für sein Gemälde "Der Schrei" fand. Seit 2013 ist der Park gespickt mit etwa 40 Skulpturen - darunter sind Arbeiten von Salvador Dalí, Pierre-Auguste Renoir und Damien Hirst. Der Park ist jederzeit geöffnet und der Eintritt frei.


TIPP: Wer zwischen den verschiedenen Orten hin- und herfahren möchte, kann sich für etwa fünf Euro pro Tag ein Fahrrad mieten.


8. Insel-Hopping: mit Fähren zu den Schären

Es heißt, dass selbst in der Hauptstadt die Natur nur 15 Minuten entfernt sei. Mit Fähren, die zum öffentlichen Nahverkehr gehören, kann man für wenige Euro mehrere Inseln ansteuern.

Ob Hovedøya, Malmøya, Gressholmen oder Lindøya, sie alle verfügen über Badestrände. Auf Lindøya gibt es neben mehr als 300 Sommerhütten auch das Gasthaus Stamhuset aus dem 18. Jahrhundert. Wer Geld sparen möchte, bereitet sich wie die Osloer vorher ein Picknick zu.

Oslofjord mit seinen Schären, erreichbar mit den Fähren
VisitOSLO

Oslofjord mit seinen Schären, erreichbar mit den Fähren

9. Rathaus - Der Klassiker

Jedes Jahr blickt die Welt am 10. Dezember auf diesen dunkelroten Steinbau mit den zwei wuchtigen Türmen: Auch US-Präsident Barack Obama und die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai bekamen hier ihre Friedensnobelpreise verliehen. Die Zeremonie findet in der Eingangshalle statt, die mit üppigen Gemälden verziert ist. Der Eintritt ist umsonst, im Sommer gibt es mehrmals am Tag kostenlose Führungen durch das Rathaus mit seinen Festsälen.

10. Prindsen hage: Verspielter Pop-up-Biergarten

Eine der neuesten Locations ist seit Mitte Mai Prindsen hage in der Storgata. Über zwei Hinterhöfe gelangt man zum Pop-up-Biergarten, in dem man auch Tischtennis, Pétanque (eine Art Boule), Schach und Backgammon spielen kann. Bis 16 Uhr ist das ein preiswerter Spaß, alle Angebote sind kostenlos. Danach können sie gemietet werden - für dann satte Preise zwischen 20 und 40 Cent pro Minute (12 bis 24 Euro/Stunde).

Der Alkohol ist dagegen, wie überall in Norwegen, sportlich teuer: etwa neun Euro für ein 0,4-Liter-Bier sind normal. Dafür kann man sich Leitungswasser kostenlos dazugeben lassen und auf dem weitläufigen Gelände stundenlang in Liegestühlen relaxen oder sich in eine Hängematte legen.

Video: Neues Leben in Norwegen - Deutsche Auswandererschicksale

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Alva Gehrmann ist freie Journalistin aus Berlin. Seit mehr als zwölf Jahren berichtet sie vor allem aus Nordeuropa - sie lebt mehrere Monate des Jahres in Norwegen. Gehrmann ist Autorin des Buches "Alles ganz Isi - Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene".

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insgesamt 6 Beiträge
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mullertomas989 30.06.2018
1. Günstige Hotels?
... wären auch toll. Die Unterkunft ist doch erstmal das teuerste..... Aber ansonsten super Ideen!
Björn L 30.06.2018
2. Als Norweger kann ich folgendes empfehlen:
Lassen sie Oslo links liegen und besichtigen sie die Lofoten, Versterålen oder Svalbard. Wer diese Gebiete nie bereist hat, wird niemals wissen was die Schönheit der Natur zu bieten hat. Oslo hat seinen norwegischen Charakter verloren. Es ist nun Hippster-City mit somalisch-/pakistanischen Non-Flair und 100 EUR pro Tag pro Person reichen bei weitem nicht aus.
zehwa 01.07.2018
3. Essen, trinken, schlafen?
Alles schön und richtig, wer allerdings mit den Mietfahrrad den Ekeberg raufwill, dem wünsche ich viel Spaß!)
myonium 01.07.2018
4.
Zitat von mullertomas989... wären auch toll. Die Unterkunft ist doch erstmal das teuerste..... Aber ansonsten super Ideen!
Camping! Gilt natürlich vor allem außerhalb der Städte, aber auch in Oslo gibt es einen tollen Campingplatz. Nicht teurer als in Deutschland!
melchner 01.07.2018
5. Ausländer
Wie können Sie das wunderbare Vigiland Skulpturenpark vermissen? Es ist ein absolut Wunder, und absolut frei. Ich habe es erst mit 16 Jahre alt besucht und nie vergessen. Vierzig Jahre später war ich wieder dort, und es war genau so zauberhaft als die erste mal.
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