Stellplatz-Tipps für die Ostsee Meer Freiheit geht nicht

Für Camper gibt es an der Ostsee wunderschöne, abgelegene Schlafplätze. Eine Reise entlang der Küste - von der Insel Poel über Polen bis ins schwedische Fischerdorf Smögen.

Oliver Lück

Von Oliver Lück


Ja, die Ostsee ist im Sommer manchmal schrecklich überlaufen. Glück hat, wer das Wohnmobil bepacken und in die Freiheit düsen kann. Denn an der Küste gibt es viele besondere Orte, an denen man auch spontan noch einen ruhigen Schlafplatz in der Wildnis findet. Man muss nur wissen, wo. Hier kommen die besten Tipps für Stellplätze in Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden und Polen.

Oliver Lück

DEUTSCHLAND

Klützer Winkel: In der Lübecker Bucht, sechs Kilometer nördlich von Klütz liegt dieser nicht ganz leicht zu findende Grasparkplatz im Dorf Steinbeck. Wer spät ankommt und Pech hat, wird gegen 8 Uhr von der Besitzerin geweckt, um die Gebühr (zehn Euro/Wohnmobil, sieben Euro/VW-Bus) zu zahlen - aber dann hat man ja auch mehr vom Tag. Der steinige Naturstrand der 30 Meter hohen Steilküste ist wild und weniger was für Badefreunde. Schon deshalb trifft man hier weit weniger Menschen. Aber: Die kleine Imbissbude hat in der Saison bis 18 Uhr geöffnet.

(54.008921 N, 11.146350 E)

Insel Poel: Selbst im Hochsommer kann es hier noch um einiges beschaulicher zugehen als auf Rügen oder Usedom. Am Forellenhof der Familie Hanekamp im Örtchen Niendorf gibt es einen einfachen Stellplatz am kleinen Hafen mit Blick über die Kirchsee, den breiten Meeresarm der Wismarer Bucht. Wo Sie unbedingt Station machen sollten: im benachbarten Café Frieda in Kirchdorf (54.003213 N, 11.435339 E). Keine zwei Kilometer entfernt finden Sie das idyllisch gelegene Bauernhaus. Neben den wechselnden Kunstausstellungen gibt es dort die vermutlich besten Torten und Kuchen von ganz Poel.

(53.994665 N, 11.446487 E)

Oliver Lück

POLEN

Leba: Es gibt schönere Campingplätze als Morski Leba, auch da dieser im Sommer recht überlaufen ist. Wer aber die Dünen des Slowinzischen Nationalparks erleben will, wird keinen besseren Schlafplatz in seinem Camper finden. 500 Meter sind es bis zum Meer, dann geht es Kilometer um Kilometer den Strand entlang über die mächtigen Wanderdünen. Eine Übernachtung für zwei Personen im Wohnmobil kostet 16 Euro.

(Mit GPS: 54.762477 N, 17.538653 E)

Kolczewo: Etwas abseits der Hauptstraße findet man den Hof der Familie Stefanowicz. Versteckt in einem Wald. Unmittelbar an einem See, dem Koprowo. Im Hinterland der Ostsee, abseits der überfüllten Kurorte, geht es beinahe stoisch durch den Alltag. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Wolin-Nationalpark, der sich fast bis zur deutschen Grenze zieht. Falls der Stellplatz auf dem Hof voll sein sollte, gibt es drei Kilometer weiter auch einen einfachen Campingplatz mit fairen Preisen und direktem Zugang zum Meer.

(53.981181 N, 14.632680 E)

Oliver Lück

FINNLAND

Hamina: 150 Kilometer östlich von Helsinki hat Aallokko Caravan alles, was man als Wohnmobilist braucht. Der perfekte Schlafplatz, um die Stadt zu erkunden. Rund 20.000 Menschen leben in Hamina, doch hier draußen am Finnischen Meerbusen, nur einen Kilometer nahe dem Stadtzentrum, merkt man davon nichts. Auf der winzigen Halbinsel Rampsinkari gibt es einen kleinen Sportboothafen, ein Café, ein Wäldchen, eine Sauna natürlich und einen Badestrand. Die Angel nicht vergessen!

(60.561021 N, 27.182799 E)

Oulu: Rund 25 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums auf der Halbinsel Oulunsalo können Sie kurz vor dem Fähranleger diesen Schlafplatz am Bottnischen Meerbusen entdecken. Oulu ist weltweit durch die jährlich im August stattfindende Weltmeisterschaft der Luftgitarristen bekannt geworden. Wer mag, nimmt die kleine Autofähre (25 Minuten, gratis) nach Hailuoto - vor allem auf der Insel lassen sich viele Plätze für eine entspannte Übernachtung finden.

(65.001591 N, 25.217268 E)

Oliver Lück

DÄNEMARK

Bornholm: Die dänische Urlauberinsel hat vieler dieser Parkmöglichkeiten unmittelbar am Meer. Und wenn man hier mal für eine Nacht steht, wird sich niemand beschweren. Ein besonderer Stellplatz ist allerdings dieser: Von der Inselhauptstadt Rønne nehmen Sie die südliche Küstenstraße. Vier Kilometer hinter dem Flughafen führt ein breiter Sandweg rechts in Richtung Wasser. Dünen, Steilküste, Steine, Sandstrand. Unbedingt früh aufstehen und den Sonnenaufgang nicht verpassen.

(55.042946 N, 14.846595 E)

Kopenhagen: Das Citycamp ist beliebt, da man in nur zehn Minuten mit dem Fahrrad im Zentrum sein kann. Und so kann es passieren, dass sich an einem Spätsommerabend Menschen aus 18 Nationen in einem Industriegebiet am Stadtrand versammeln. Man hat freien Blick auf die mächtigen Schornsteine eines Energiekraftwerkes. Alle fünf Minuten donnert eine Passagiermaschine über die Köpfe. Der Platz liegt direkt in der Einflugschneise des Flughafens. Doch trotz allem: Die Abende und Nächte in diesem Wohnmobil-Camp können unvergesslich sein.

(55.65461 N, 12.555.41 E)

Oliver Lück

SCHWEDEN

Smögen: Auch auf den schwedischen Schären im Skagerrak gibt es vor allem Fisch und Ruhe. Stundenlang kann man hier über die Granitfelsen klettern, ohne jemandem zu begegnen. Smögen ist einer der Hauptumschlagsplätze der schwedischen Fischindustrie und für seine Garnelen bekannt. Und auch hier gibt es natürlich die farbenfrohen Holzhäuser mit den weiß gestrichenen Fensterrahmen. Der asphaltierte Parkplatz liegt etwas außerhalb des Ortes und ist perfekt für eine Nacht.

(58.364649 N, 11.226948 E)

Yngsjö: Das Dorf der Provinz Skåne liegt an der schwedischen Ostküste, südlich der kleinen Stadt Åhus. Aalküste wird dieser Abschnitt der Hanöbucht auch genannt. Weiße Sanddünen, schwarze Pinien, dunkelrote, mit Reet gedeckte Fischerhütten. Im Sommer und Herbst zieht der fette Fisch dicht am Land entlang. Er wird in riesigen Reusen gefangen und kommt in ungeahnten Variationen auf den Teller, auch als Suppe oder in Gelee. Der Strandparkplatz - zwischen Dünen und Wald - kann problemlos für eine Nacht genutzt werden. Die Entfernung zum Meer: 35 Meter.

(55.864552 N, 14.237181 E)

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Ostseeland 21.07.2016
1. Es gibt sie überall...
...diese kleinen verschwiegenen Plätze. Das Problem sind die Menschen die anderen das bischen Freiheit nicht gönnen. Man braucht Genehmigungen z.B. eine Anglererlaubnis um einen Fisch zum Essen zu fangen. Als Tourist muss man diese 21 Tage vor dem Urlaubstermin beantragen. Kostet auf Rügen eben 23 € Fischereischein für 28 Tage dazu 10€ Berechtigung. Freiheit sieht anders aus. In DE ist alles geregelt aber manche sagen, Urlaub ist Okay aber Freiheit ist anders. Warum wird in der EU kein Gesetz geschaffen, dass jedem erlaubt zu Angeln zum Eigenverbrauch. In den Baltischen Staaten ist das Usus. Unsere "Freiheit" ist sehr eingeschränkt. Warum? Weil eine Behörde es vorgibt! Urlauber hier sagen, Kurtaxe, Angelerlaubnis, Stellplatzmiete teils horrend, Urlaub in "Freiheit" nie wieder. Polen und die baltischen Staaten sind in der Beziehung besser und werden einen Boom bekommen.
frank_w._abagnale 21.07.2016
2. Keine Alternative.
Kalt und algenverseucht. Das ist die Ostsee.
Masterpeez 21.07.2016
3. Campingführer
Wer solch schöne und auch kleine Plätze mag, sollte sich den ACSI-Campingführer Klein & Fijn zulegen. Ist zwar nur in niederländisch erhältlich, aber gut lesbar. Es sind dort nur kleinere und schön gelegene Plätze beschrieben, die sonst nirgends in Führern auftauchen und das europaweit. Allzeit gute Fahrt, Masterpeez
cabeza_cuadrada 21.07.2016
4. auf der Durchreise waren wir auch mal für 2 Tage an der Ostsee
Zitat von Ostseeland...diese kleinen verschwiegenen Plätze. Das Problem sind die Menschen die anderen das bischen Freiheit nicht gönnen. Man braucht Genehmigungen z.B. eine Anglererlaubnis um einen Fisch zum Essen zu fangen. Als Tourist muss man diese 21 Tage vor dem Urlaubstermin beantragen. Kostet auf Rügen eben 23 € Fischereischein für 28 Tage dazu 10€ Berechtigung. Freiheit sieht anders aus. In DE ist alles geregelt aber manche sagen, Urlaub ist Okay aber Freiheit ist anders. Warum wird in der EU kein Gesetz geschaffen, dass jedem erlaubt zu Angeln zum Eigenverbrauch. In den Baltischen Staaten ist das Usus. Unsere "Freiheit" ist sehr eingeschränkt. Warum? Weil eine Behörde es vorgibt! Urlauber hier sagen, Kurtaxe, Angelerlaubnis, Stellplatzmiete teils horrend, Urlaub in "Freiheit" nie wieder. Polen und die baltischen Staaten sind in der Beziehung besser und werden einen Boom bekommen.
auf einem Campingplatz. Der Stellplatz war streng vorgeschrieben und so groß wie ein Handtuch, der Strand restlos überfüllt und Gebührenpflichtig. Keine Ahnung warum man sich das antut. Wir waren wie gesagt nur auf der Durchreise nach DK. Fast menschenleere Strände und Platz ohne Ende. Nur zum angeln ist das natürlich nichts. Da sollte man nach Schweden. Mit einer Fähre überhaupt kein Problem. Urlaub an der deutschen Nord- oder Ostseeküste? Im Leben nicht....
abocado 21.07.2016
5. Verbrannt...
... sind solche Plätze, wenn man sie in solchen Listen oder Campingführern publik macht. Der Tourist zerstört das, weshalb er gekommen war. Viele Touristen ...
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