Pamukkale in der Türkei: Hoffnung für das Weltkulturerbe

Mehr Weiß als Grau: Der Massentourismus ließ die Sinterterrassen von Pamukkale verkommen. Jetzt erstrahlen sie wieder in altem Glanz. Das Weltkulturerbe hat sich dank strenger Regeln von den Umweltsünden vergangener Jahrzehnte erholt. Doch noch immer gibt es Unverbesserliche.

Türkei: Die Sinterterrassen von Pamukkale Fotos
Corbis

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Wer am Abend im Hotel feiert, verpasst wie schön die Kalksinterterrassen von Pamukkale in der Dunkelheit sind: Der Mond scheint hell. Laternen sorgen für reichlich Licht. Die Kalkablagerungen glänzen in Weiß und Hellgrau. Ein bisschen sieht es aus wie im Alpenvorland bei Schneeschmelze. Oder auch wie eine Festung aus Baumwolle, was Pamukkale übersetzt bedeutet.

Am See quaken Frösche. Etliche türkische Familien und nur wenige Touristen genießen den abendlichen spektakulären Blick. Tagsüber dagegen stürmen sie das Weltkulturerbe. Am frühen Nachmittag erreichen die letzten der unzähligen Ausflugsbusse von den Badeorten der türkischen Küste Pamukkale.

Pamukkale - das sind zwei Sehenswürdigkeiten für ein Eintrittsticket: Da sind zum einen die Reste des antiken Hierapolis mit restauriertem Amphitheater, Nekropole, Apollotempel und Stadttor. Und da sind natürlich vor allem die Sinterterrassen. Schon vor knapp 2000 Jahren suchten Kreislauf-, Rheuma- und Herzpatienten hier Linderung für ihre Leiden. Seine Blütezeit als Kurort hatte Hierapolis im zweiten und dritten Jahrhundert. Da ließ es sich unbeschwert im warmen Thermalwasser baden.

Seit gut 15 Jahren ist das nun verboten. Überall herumtrampelnde und badende Touristen hatten den Kalkstein schwer beschädigt. Auch heute gibt es Unverbesserliche. Ein Wächter fuchtelt mit den Armen und geht auf eine Bikinischönheit zu, die auf verbotenen Sinterpfaden wandelt. Sie wollte wohl in einer der vielen kleinen Naturbecken baden, die grün- bis himmelblau leuchten. Der Aufseher geleitet die junge Frau auf den rechten Weg zurück. In der Regel sind nur die Wege am Rande der Anlage und ein markierter Pfad begehbar.

Umweltsünden vergangener Jahrzehnte

Hier muss jeder die Schuhe ausziehen. Barfuß und vorsichtig gehen die Besucher über den glitschigen Kalkstein. Die Mischung der Besucher ist kunterbunt: Eine junge Lehrerin aus Istanbul mit knappem T-Shirt krempelt ihre Jeans hoch. Eine Türkin mit Kopftuch redet mit ihrer Tochter. Junge Leute aus den USA spritzen sich nass. Ein Vater mit blauer Baseballmütze trägt sein Kind auf dem Rücken. Die Sonne geht langsam unter und taucht die Sinterlandschaft in ein glitzerndes Silbergrau. Nur noch an den Rändern und dort, wo kein Wasser sprudelt, hat das Weltkulturerbe weiter einen unattraktiven Grauschleier. Doch der war vor 20 Jahren viel größer.

Auf die Umweltsünden vergangener Jahrzehnte hatte die Natur empfindlich reagiert. In den sechziger Jahren waren am oberen Sinterrand Hotels und eine Straße quer durch das Naturwunder gebaut worden. Die Ferienanlagen zapften die Quellen an und teils wurde Schmutzwasser zurück auf die Terrassen geleitet. Fließt aber das reine Quellwasser aus Hierapolis spärlicher nach unten, führt das zu weniger mineralischen Ablagerungen (Sinter): Aus Weiß wird Grau.

Umweltschützer schlugen Alarm. Die Unesco wollte den Welterbestatus entziehen. "Zum Glück konnte das verhindert werden. Politiker und Behörden reagierten", erinnert sich Cihan Meshur, ein Restaurantbesitzer. Seit 1996 ist Schluss mit dem wilden Baden in den Naturbassins mit dem wohlig warmen Wasser, das Kohlensäure und Kalziumkarbonat enthält. Seitdem ist auch das Begehen der Anlage streng reguliert. Wenig später wurden die Hotels abgerissen und mit Reparatur und Restaurierung der Anlage begonnen.

So schön wie in der Antike wird es zwar nie mehr werden, aber es gibt Hoffnung, dass das Welterbe in einiger Zeit überall so weiß strahlt wie noch vor 40 Jahren - nicht nur in der Nacht.

Bernd Kubisch/dpa/dkr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. kann ich so nicht bestätigen
congee 02.10.2012
Ich war letztes Jahr in Pamukkale und habe dort munter in den Becken gebaded. Und mit etliche andere Touristen. Weder Wächter noch Hinweisschilder haben das verboten. Man konnte unbegrenzt überall hin gehen. Und warm genug zum Baden war das Wasser auch!
2. Logik
DieterFr 02.10.2012
"Mehr Weiß als Grau: Der Massentourismus ließ die Sinterterrassen von Pamukkale verkommen". Das soll wohl heissen: "Mehr Grau als Weiss", denn das Grau war ja die Folge des Massentourismus. Nur dann ist der Satz logisch. Ich bin nur froh, dass ich diese wunderschöne Naturlandschaft vor ca 50 Jahren bewundern konnte, als sie noch so gut wie unberührt war. Da konnte man im Quellbecken sogar noch Unterwasseraufnahmen machen. Und so gut wie keine Touris in Sicht.
3. Pamukkale
finja2 02.10.2012
Unsere Erfahrungen sind erst zwei Wochen alt: Nun, in diesem Jahr wird genau darauf geachtet, dass man seine Schuhe auszieht und auf den erlaubten Wegen bleibt. Gut so.
4. Wie ein Badestrand
Segantini 04.10.2012
Anfang der 90er war es sogar noch möglich, Badetücher mitzubringen und sich gut eingeölt zwischen den Becken auf den Sinterflächen niederzulassen, wovon dann auch ganze Heerscharen von Badetouristen ausgiebig Gebrauch machten. Zurückgelassene Zigarettenkippen sinterten einfach ein. Der würdelose Umgang mit dem Naturdenkmal hat mich so verstört, daß ich seitdem nie wieder dort war. Gut, daß zwischenzeitlich ein Umdenken stattgefunden hat.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Türkei-Reisen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare

Fläche: 783.562 km²

Bevölkerung: 74,724 Mio.

Hauptstadt: Ankara

Staatsoberhaupt: Abdullah Gül

Regierungschef: Recep Tayyip Erdogan

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Türkei-Reiseseite


AP; DPA
Sie sind öfter im Hamam als in der Finnischen Sauna, trinken mehr Mokka als Espresso und haben ein Döner-Abo? Und Sie glauben, damit bestens gewappnet für einen Urlaub in der Türkei zu sein? Testen Sie Ihr Wissen im SPIEGEL-ONLINE-Reisequiz!

Reiseziele

Welche Weltregion interessiert Sie? Wählen Sie einen Kontinent oder ein Land:

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...