Pilatusbergbahn in der Schweiz Steiler Zahn

Schier unglaubliche 48 Prozent Steigung überwindet die Zahnradbahn vom Vierwaldstätter See hoch zum Pilatusberg und ist damit die steilste der Welt. Während oft im Tal noch der Nebel wabert, eröffnet sich vom 2000 Meter hohen Gipfel der Blick auf über 70 Alpenbergspitzen.


Steilste Zahnradbahn der Welt: Die Strecke von Alpnachstad auf den Pilatusberg in der Schweiz ist bereits seit 1889 in Betrieb
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Steilste Zahnradbahn der Welt: Die Strecke von Alpnachstad auf den Pilatusberg in der Schweiz ist bereits seit 1889 in Betrieb

Luzern - Auch wenn es mal kalt und ungemütlich ist, da über dem Vierwaldstätter See in der Zentralschweiz noch dichter Nebel liegt, fahren die weißen Ausflugsschiffe unentwegt über den 114 Quadratkilometer großen See. Sie bringen Touristen von Luzern aus nach Hergiswil, St. Nikolausen oder Stansstad. Der wichtigste Halt für alle, die ein architektonisches Wunderwerk nutzen und auch einige Sonnenstrahlen erhaschen wollen, ist die letzte Station: Alpnachstad.

Seit dem Jahr 1889 führt auf den mehr als 2000 Meter hohen Gipfel des Pilatusberges die steilste Zahnradbahn der Welt. Erdacht hat dieses Verkehrsmittel der Schweizer Ingenieur Eduard Locher. Als er im 19. Jahrhundert seine Idee publik machte, wurde Locher zunächst zwar schlichtweg für verrückt erklärt. Doch zur Weltausstellung in Paris 1889 wurde die 4618 Meter lange Bahnstrecke eröffnet. Grundlage für ihr Funktionieren sind zwei sich horizontal drehende Zahnräder.

Fünf Wanderwege zu den umliegenden Gipfeln

40 Minuten dauert die Fahrt mit der Bahn, die sich in Alpnachstad in Bewegung setzt. Gleich das erste Wegstück ist eines der beiden steilsten, an denen 48 Prozent Steigung zu überwinden sind. Fünf Tunnel werden passiert. Bei zähem Nebel kann es passieren, dass erst nach dem letzten, dem Fleimen-Tunnel, Sonnenstrahlen am Himmel zu sehen sind. Auf dem Pilatus gibt es dann fünf kurze Wanderwege, die die Gipfel erschließen: den 2118 Meter hohen Esel, das 2132 Meter hohe Tomlishorn und das 2106 Meter hohe Oberhaupt. Alle überwinden nur ein paar Höhenmeter, keine Wanderung dauert mehr als 30 Minuten.

Aussicht vom Pilatus: Weiter Blick auf den Vierwaldstätter See und auf mehr als 70 Alpengipfel
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Aussicht vom Pilatus: Weiter Blick auf den Vierwaldstätter See und auf mehr als 70 Alpengipfel

Wenn ab Mai die Zahnradbahn wieder aus ihrer Winterpause erwacht, gibt es Ausflüge auf den Pilatus in mehreren Variationen. Wer sich nur die Landschaft anschauen will, kann dann nach der Schifffahrt auf dem Vierwaldstätter See mit der Zahnradbahn auf die Bergstation fahren. Dort zeigt sich - sofern das Wetter mitspielt - ein Panorama aus 73 Alpengipfeln und noch mehr Seen. Wabert der Nebel im Tal, so sind trotzdem die Berge in der Ferne zu sehen.

Geister, Drachen und Pontius Pilatus

Der bequemste Weg zurück ins Tal ist die Fahrt mit einer Luftseilbahn und einer Gondelbahn nach Kriens, von wo aus ein Bus nach Luzern fährt. Wer es den Steinböcken gleichtun und in den Bergen herumkraxeln möchte, findet viele Möglichkeiten zu alpinen Touren. Wanderer haben zudem die Auswahl zwischen verschiedenen Rundwegen, für die keine Bergausrüstung gebraucht wird und die mitunter sogar für Kinderwagen und Rollstühle geeignet sind. Am schnellsten kann ein 3,5 Kilometer langes Stück per Schlitten zurückgelegt werden: Von Fräkmüntegg führt die längste Sommerrodelbahn der Schweiz ins Tal.

Auf dem Vierwaldstätter See: Oft wabert dichter Nebel über dem Wasser
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Auf dem Vierwaldstätter See: Oft wabert dichter Nebel über dem Wasser

Um die schroffen Felsen hoch über Luzern ranken sich seit Jahrhunderten Sagen und Mythen. Im Mittelalter glaubten die Menschen, ein Heil bringender Drache und Geister hausten in den kahlen Klüften. Ein kleiner, stilisierter Drache ist noch heute das Markenzeichen des Berges. Im früheren Pilatus-See, so erzählte man sich, habe die rastlose Seele des römischen Statthalters in Jerusalem, Pontius Pilatus, die letzte Ruhe gefunden. Lange war es sogar verboten, den Pilatusberg zu besteigen - um der Seele ihre Ruhe zu lassen. Das aber hinderte weder in den vergangenen 120 Jahren noch heute Tausende von Wanderern, sich von dem weiten Rundumblick beeindrucken zu lassen.

Von Verena Wolff, gms



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