Pilgerziel Asturien Schöner als Kino

Inspiration für Künstler und Filmemacher: Die malerische Region Asturien ist immer wieder im spanischen Kino zu sehen. Ein neuer Wanderweg soll jetzt noch mehr Touristen an die Filmschauplätze bringen.


Llanes - Laura gerät in Panik, die Felshöhle steht schon fast unter Wasser. Hysterisch ruft sie nach ihrem Sohn Simon, den sie darin vermutet. Sie rennt los, doch sie kommt zu spät. Weinend bricht die verzweifelte Mutter zusammen. Langsam bewegt sich die Kamera von Laura weg und untermalt die dramatische Filmszene mit einer nicht weniger dramatisch-schönen Landschaft: Der weiße Strand von Andrín in Asturien ist eingehüllt von steilen Klippen, an denen sich das wilde Kantabrische Meer bricht. Dahinter ist eine grüne Hügellandschaft zu sehen, und in der Ferne die Gipfel der mehr als 2000 Meter hohen Picos de Europa, Spaniens ältestem Naturschutzpark.

Fast nirgendwo in Spanien liegen schneebedeckte Berglandschaften und grüne Küstenstreifen so nahe beieinander wie in Asturien. Filmemacher mit einem Auge für spektakuläre Drehorte wissen das. Bewusst ließ der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona deshalb die Szene mit Laura für seinen Film "Das Waisenhaus" am Strand von Andrín drehen. Auch das besagte "Waisenhaus" für den Thriller fand Bayona in der Nähe: Die gruselig wirkende Villa im Küstenstädtchen Llanes gehört seit dem Kinoerfolg zu den am häufigsten fotografierten Gebäuden im Ort.

Bayona ist nicht der einzige Regisseur, der die Naturschönheiten und ländliche Idylle des östlichen Küstenstreifens von Asturien für seine Filme entdeckt hat. In den vergangenen 50 Jahren wurden die Klippen bei Buelna, verträumte Dörfer wie Purón, Tresgrandas und Poo oder die romantisch im Meer liegende Kirche von Niembro immer wieder für Filmaufnahmen genutzt. Die Strände von Ballota, Toró, Torimbia und Sablón tauchen in Dutzenden von Spielfilmen, Musikvideos und Werbespots auf.

Auch der spanische Kultregisseur José Luis Garci, der die meisten seiner Filme im Spanien der vierziger und fünfziger Jahre spielen ließ, fand in Asturien mit seinen alten Dörfern aus Stein und Holz die perfekten Drehorte: Hier musste Garci kaum etwas verändern, um die Szenen in die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs zurückzuversetzen.

Drehort-Wanderweg für Touristen

Die Gemeinde Llanes will Bayonas jüngsten Kassenerfolg nun nutzen und ruft im Oktober einen "Touristischen Kinorundgang" durch die Provinz ins Leben: "Die Urlauber sollen anhand der Filme unsere schönsten Strände, Dörfer und Landschaften kennenlernen", sagt José Balmori, Leiter des städtischen Tourismusamtes. Viele dieser Strände, Dörfer und Felsklippen sind über einen Küstenwanderweg verbunden, der zwischen dichten Wäldern und grünen Wiesen immer wieder schöne Blicke auf die asturische Klippenlandschaft gewährt.

AP
Der Präsident ist animalisch, Deutsch hat eine eher ungewöhnliche Bedeutung - und vor dem Wodkatrinken sollten Sie ein, zwei Dinge dringend beachten. Wissenswertes und wundervolle Verrücktheiten: Entdecken Sie Russland im großen SPIEGEL-ONLINE-Test!
Von einigen Aussichtpunkten ist auch der Ort Llanes auszumachen: Dort liegen die bunt bemalten Steinklötze des baskischen Künstlers Agustin Ibarrola in der Hafenmole. Paläste, Kirchen und rustikale Steinhäuser schmücken die Altstadt, in der abends Einheimische und Touristen bei Chorizo-Würsten und dem typisch asturischen Cabrales-Käse, Entenmuscheln und Langusten zusammensitzen.

Asturien lebt vom und mit dem Meer. Die versteckten Buchten und Fischerdörfer per Boot oder Kajak zu entdecken sowie Fischer bei ihren täglichen Fahrten aufs Meer zu begleiten, gehört zweifellos zu den Höhepunkten jeder Asturien-Reise. Doch auch das bergige Hinterland kann sich sehen lassen: Zum Beispiel das Dörfchen Porrúa. Wegen der Bewahrung alter Traditionen wurde es vom spanischen Kronprinzen Felipe zum "Vorzeigedorf" ernannt. Nun ist es das "Europäische Kulturdorf 2008" und erwartet Besucher mit einer Vielzahl von Ausstellungen und anderen kulturellen Veranstaltungen.

Über das Küstenstädtchen Ribadesella geht es in Naturparks wie "Picos de Europa" oder "Ponga". Canyoning- und Rafting-Fans rutschen, schwimmen, springen und klettern hier durch die Gebirgsbäche. Andere genießen die Bergwelt per Mountainbike und auf Wanderungen - oder sie rudern bequem den Sella-Fluss im Kanu hinunter. Ständige Begleiter im kristallklaren Wasser sind Hunderte von Lachsen. Hobbyangler zieht es von März bis Juli hierher, wenn das Fangverbot aufgehoben ist. Aus Asturien stammen 95 Prozent aller in Spanien geangelten Lachse.

Derzeit zieht es auch besonders viele Pilger in die Region. Mitten im Bergmassiv der Picos de Europa feiert der Marienwallfahrtsort Covadonga zum ersten Mal ein "Heiliges Jahr". Der Überlieferung nach besiegte hier König Pelayo im Jahr 722 die maurischen Besatzer und leitete damit die christliche Rückeroberung Spaniens ein. In einer Grotte neben der heutigen Basilika soll die Muttergottes ihm das Holzkreuz gegeben haben, mit dem er in die Schlacht zog - die Grotte ist heute Nationalheiligtum.

Von Manuel Meyer, dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.