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Tiroler Pitztal: Knödel mit Höhenkoller

Von Martin Cyris

Im Pitztal ist der Winter noch lange nicht vorbei. In dem Tiroler Gletscherskigebiet geht es bis Mai auf die Piste. Die große Höhe jedoch macht nicht nur dem Kreislauf zu schaffen - auch Kaffeemaschinen, Torten und Knödel entwickeln ihre ganz eigenen Macken.

Pitztaler Gletscher: Schönwettertorten und sensible Knödel Fotos
Martin Cyris

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Schmatz schmatzt. Logisch. Bei einer luftigen Wiener Sachertorte mit Schokoglasur mundet es jedem Österreicher. Auch Ernst Eiter, Spitzname Schmatz, Bergführer und Pitztaler Original, lässt es sich schmecken: "Bärig!" Selbstverständlich ist das nicht. Zumindest nicht im Pitztaler Gletscherskigebiet. Dort sorgte die dünne Luft mitunter für dicke Luft in der Skihütte: weil die Knödel zerfallen und der Biskuitteig pappig wird.

Norbert Santeler kennt die Tücken der Höhentorten. Der Konditor arbeitet im Bergrestaurant Kristall auf 2840 Meter Höhe und damit in der offiziell höchsten Konditorei Österreichs, wenn nicht der ganzen Alpen. Er dürfte der Einzige sein, der den Wetterbericht hört, damit die Torten gelingen. Denn schlägt das Wetter um, wird mitunter nicht nur das Gemüt, sondern auch der Teig schwer.

Santeler backt den Biskuitteig deshalb bei gutem Wetter auf Vorrat. Und der Appetit darauf ist groß: An starken Tagen verschlingen die Gäste bis zu tausend Stück Torte und Mehlspeisen. In einer ganzen Saison verarbeitet Santeler vier Tonnen Rohmasse für Kaiserschmarren. Und kurz vor ihrem Ende wird Santeler noch mal zur Hochform auflaufen müssen: In den Osterferien bevölkern Urlauber - mehrheitlich aus Deutschland - die Hänge der Skigebiete am Pitztaler Gletscher, am Rifflsee und am Hochzeiger.

Das Tiroler Pitztal ist ein beliebtes Ziel für Spätskifahrer, die von Schnee und Eis nicht genug kriegen, zur Ausübung ihres Sports kein Remmidemmi benötigen und sich mit gelegentlich rustikaler Ausübung der Dienstleistungen zufriedengeben. Die Höhe bietet eine gewisse Schneesicherheit. Im Gletscherskigebiet herrschen in der Regel sogar noch im Mai gute Bedingungen für Skifahrer, Tourengeher, Freerider und auch für Langläufer. Es gibt sogar eine Gletscherloipe.

Die Krux mit den Kaffeebohnen

Nur eine Gondelfahrt mit der Wildspitzbahn entfernt vom Kristall steht man fast im Himmel. Oder immerhin auf 3440 Meter Höhe im Café 3440, im höchsten Kaffeehaus der Alpen. Ausgerechnet dort war die Kaffeemaschine monatelang nicht auf der Höhe. Das sündhaft teure Teil spuckte des Öfteren keinen Kaffee aus: keinen Mokka, keinen Verlängerten, keine Melange, sondern nur Plörre.

Peinlich für die ambitionierte Location, die von der Form her einer Schneewechte nachempfunden und vor zwei Jahren unter großer Anteilnahme der Medien eröffnet wurde. Die einen fühlen sich angesichts der kühnen Architektur in einen James-Bond-Film hineinversetzt. Kritiker wiederum sehen in dem Bauwerk eine Verschandelung der natürlichen Berglandschaft.

Gegen die Verschandelung des Kaffees im Café mussten diverse Techniker und Baristas wochenlang unter Hochdruck arbeiten. Bis einer endlich auf den simplen Grund kam: Höhenkrankheit. Wo der Luftdruck ungewohnt niedrig ist, kommt die Maschine ins Schwitzen und das Kondenswasser verklebt die Mühle. Die Gegenmaßnahme: gekühlte Kaffeebohnen. "Ist sowieso besser fürs Aroma", erklärt Sepp Eiter, Wirt im Café 3440. Und aromatisch sollte der Kaffee schon sein, denn auch die Preise schweben in höheren Regionen.

Sepp Eiter ist wie sein Bruder Ernst, der Schmatz, ein echtes Pitztaler Original. Mit dem Aussehen eines Bilderbuchtirolers und der Gemütsruhe eines Enzians. Doch auch die kam an ihre Grenzen: Lange litten nicht nur die Kaffeebohnen, sondern auch Speck- und Kaspressknödel unter Höhenkoller. Weil der Siedepunkt des Wassers mit jedem Höhenmeter fällt, zerfielen auch die Knödel im Kochtopf - die Knödelmasse klebte nicht zusammen.

"Das sah aus wie Knödelsuppe", erzählt Eiter. Ein Stich ins Herz eines jeden Tirolers. Nun werden die Knödel roh und tiefgefroren in die schwindelerregende Höhe gegondelt und im Café 3440 in heißem Dampf gegart. Die Knödelkrise ist überwunden, der Tiroler Stolz wiederhergestellt, und Eiter hat seine Gelassenheit wiedergefunden.

Noch mehr Gletscherpisten im Ötztal

All das ist reichlich viel Aufwand für den Hochgenuss. Über die Sinnhaftigkeit von Tourismus in diesen Höhen lässt sich ohnehin trefflich streiten. Müll und Abwasser immerhin, darauf legen die Betreiber Wert, werden restlos ins Tal befördert, das Abwasser mittels einer eigenen Leitung oder bei starkem Frost in Containern.

In wenigen Jahren dürfte es am Pitztaler Gletscher noch deutlich lebhafter zugehen als heute. Das Skigebiet soll mit dem Ötztal verbunden werden, Optimisten hoffen schon in zwei Jahren. Dann könnte man nicht nur mit der Höhe werben, mit dampfgestrahlten Tiroler Knödeln und Schönwettertorten, sondern auch mit einem der größten Gletscherskigebiete.

Das einzigartige 360-Grad-Panorama, das vor dem Bau des Cafés 3440 nur Bergsteigern vorbehalten war, ist jetzt schon zu bewundern: Von einer Stahlplattform sind rund 50 Dreitausender zu erblicken, ein Who-is-Who der Alpengipfel: Piz Buin und Ortler, Marmolata und Großglockner. Für Alpinisten das Höchste der Gefühle.

Ernst Eiter lehnt lässig am Geländer und blickt nicht etwa in die Ferne, sondern nach unten. In die Abgründe unterhalb des Cafés. Ein Anblick, der höhenkranken Touristen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der 50-Jährige sagt: "Hier bin ich früher runtergefahren - als Erstbefahrung. Ich würde es sofort wieder tun."

Himmel hilf! Zum Glück liegt derzeit kein Schnee auf den halsbrecherisch steilen Felswänden. Sonst würde der Herzschlag des Zuschauers steil nach oben gehen. Höchstwahrscheinlich.

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. Der schönste Ort der Welt
geo_48 01.04.2014
Da oben ist bestimmt der schönste Ort der Welt! Man hat nichts mehr über sich, eine unglaubliche Fernsicht bei guten Wetterbedingungen. Hoffentlich bleibt es dort so schön und wird nicht so überlaufen, wenn die Verbindung nach Sölden in den nächsten Jahren kommt
2.
rakaeferle 01.04.2014
"Das einzigartige 360-Grad-Panorama, das vor dem Bau des Cafés 3440 nur Bergsteigern vorbehalten war, ..." was ein Quatsch, da gibt es schon ewig eine Bahn rauf, das ist ein Skigebiet, ein solches benötigt Bahnen oh ihr "Flachlandtiroler"
3.
meineidbauer 01.04.2014
Zitat von rakaeferle"Das einzigartige 360-Grad-Panorama, das vor dem Bau des Cafés 3440 nur Bergsteigern vorbehalten war, ..." was ein Quatsch, da gibt es schon ewig eine Bahn rauf, das ist ein Skigebiet, ein solches benötigt Bahnen oh ihr "Flachlandtiroler"
Der Rummel dort oben ist nur schwer zu ertragen, mit etwas Glück schafft man es aber vor den anderen, z.B. auf die Wildspitze. Leider verschandeln Café, Lifte und Bahnen den wirklich ungetrübten Blick. Nur Ischgl bzw. Idalpe und St.Anton sind noch schöner.
4.
strauch 01.04.2014
Verklebte Bohnen wegen Kondenswasser und dagegen sollen gekühlte Bohnen helfen. Mein Physikunterricht ist schon eine Weile her, aber normalerweise kondensiert Wasser an kühlen Gegenstände. Wenn man keine Vollautomaten nutzt dann sind die Bohnen aber auch in einer extra Mühle und da dürfte sich kein Kondens bilden. Das macht für mich irgendwie keinen Sinn, aber dafür müsste man auch Wissen was die da einsetzten.
5.
morpheus175 01.04.2014
Zitat von strauchVerklebte Bohnen wegen Kondenswasser und dagegen sollen gekühlte Bohnen helfen. Mein Physikunterricht ist schon eine Weile her, aber normalerweise kondensiert Wasser an kühlen Gegenstände. Wenn man keine Vollautomaten nutzt dann sind die Bohnen aber auch in einer extra Mühle und da dürfte sich kein Kondens bilden. Das macht für mich irgendwie keinen Sinn, aber dafür müsste man auch Wissen was die da einsetzten.
Da gebe ich Ihnen Recht, deswegen würde ich einfach mal vermuten, dass es sich bei dem Artikel schlicht und einfach um einen Aprilscherz handelt.
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