Werkzeug für die Fahrradtour: Lass den Knochen zu Hause!

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Kettennieter, Maulschlüssel, Reifenheber: Mit dem richtigen Werkzeug im Gepäck geht bei einer Radtour garantiert nichts schief. Doch ein Pannenset in Miniaturgröße ist nicht der einzige Helfer, der in die Satteltasche gehört - und auch eine App kann die Laune retten.

Fahrradtour-Ausrüstung: Kleine Helfer in der Satteltasche Fotos
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Die Sonne scheint, kein Berg in Sicht, die Straße leer - so macht die Radtour richtig Laune. Aber leider geht nicht immer alles glatt. Ein platter Reifen, ein paar lockere Speichen oder eine verlorene Schraube können die Stimmung schnell verderben. Die bange Frage: Habe ich das Flickzeug eingepackt?

Als Radler sollte man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, vor allem, wenn man fernab von Fahrradwerkstätten unterwegs ist. Bei Touren außerhalb der Stadt bin ich eigentlich immer gut ausgerüstet. Doch Reifenheber und Flicken nützen wenig, wenn man das Rad nicht abschrauben kann, weil der passende Schlüssel dafür fehlt.

Der alte Knochen hat zum Glück längst ausgedient. Ich selbst habe damit auch eher schlechte Erfahrungen gemacht: Knochen brechen einfach zu schnell und an den scharfen Kanten kann man sich obendrein noch verletzen. Stattdessen sollte man zu einem modernen Multitool greifen, das meist Dutzende Funktionen bietet.

Wer auf jedes Gramm achtet, steckt am besten eines der minimalistischen Werkzeugsets ein, die diverse Hersteller im Programm haben. Das Carbon-10 von Stevens (13 Euro) beispielsweise ist extrem flach und bietet sechs Inbusgrößen, einen Schlitz-, zwei Kreuzschraubendreher und auch Torx T25. Dieses noch relativ neue Schraubenformat, eine Weiterentwicklung des Kreuzschlitzes, verbauen immer mehr Hersteller an ihren Rädern.

Rennradfahrer können auf Torx verzichten. Park Tool hat daher speziell für ihre Bedürfnisse das I-Beam Mini-Tool IB-11 (18 Euro) entwickelt. Gerade mal 66 Gramm wiegt das Klappset aus fünf Inbus- und einem Schlitzschlüssel.

Schlüssel für alle Schrauben?

Bei meiner letzten großen Radtour vor einem Jahr hatte ich ein ähnlich winziges Faltwerkzeug dabei - ein Fehlkauf, wie sich herausstellte. Es hatte nämlich keine Speichenschlüssel und an meiner noch relativ neuen Felge hatten sich unterwegs einige Speichen gelockert.

Für längere Touren empfehle ich daher ein etwas größeres Tool - bei 20 Kilo Gepäck auf dem Rad spielen die paar Gramm mehr ohnehin keine Rolle. Eigentlich alle auf einer Radtour benötigten Funktionen bietet das Multi-Tool des Herstellers Tern. Dazu gehören neben Inbus- auch diverse Maulschlüssel, Speichenschlüssel, Torx T25 und ein Kettennieter. Hilfreich ist auch der 15-Millimeter-Schlüssel mit Hebelverlängerung, um Achsmuttern zu lösen. Selbst für Reifenpannen ist dank Flicken und zweier Reifenheber vorgesorgt. Das Tern Tool wiegt 175 Gramm und kostet 40 Euro.

So praktisch die kleinen Faltwerkzeuge auch sind, sie stoßen schnell an ihre Grenzen. Daher empfehlen Experten wie Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad, die gängigen Inbusgrößen (4,5 und 6) zusätzlich als abgewinkelte Schlüssel mit auf Tour zu nehmen. "Nicht alle Innensechskantschrauben am Rad sind mit Kombiwerkzeugen zugänglich", erklärt er. Für den Fall der Fälle seien auch ein paar Kabelbinder und etwas Gewebeklebeband hilfreich. "Damit lassen sich zum Beispiel abgerissene Komponenten notdürftig reparieren." Auf längeren Touren sollten auch Ersatzschrauben und -muttern nicht fehlen.

Während in jedem Auto ein Verbandskasten liegen muss, gibt es eine solche Vorschrift für Räder nicht. Wer abseits von Siedlungen unterwegs ist, sollte aber durchaus über ein kleines Erste-Hilfe-Set nachdenken. Ein Sturz im Wald kann schnell mal passieren. Da ist es gut, wenn man Pflaster und Binden einstecken hat. Der Taschenspezialist Ortlieb hat eigens für die Bedürfnisse von Radlern Verbandssets entwickelt.

Es gibt drei Versionen der First Aid Kits. In der einfachsten Ausführung stecken zwei Verbandspäckchen, fünf Meter Pflaster und Vinyl-Handschuhe (140 Gramm, 20 Euro). Das umfangreichste Set enthält auch Schere, Zeckenzange, Rettungsdecke, Wundreinigungsbürste und Mullbinde (570 Gramm, 50 Euro). Der hohe Preis geht übrigens vor allem auf die wasserdichten Täschchen zurück. Man kann sich natürlich auch für wenige Euro Binden, Pflaster und Handschuhe einzeln kaufen und in eine kleine Plastiktüte stecken.

Strom aus dem Nabendynamo

Steckdosen gibt es im Wald keine. Smartphone-Benutzer müssen daher auf einer Radtour zusehen, wo sie ihr Telefon immer wieder aufladen - sei es bei der Mittagsrast im Restaurant oder auf dem Campingplatz. Seit einigen Jahren kann jedoch auch das eigene Rad den Strom liefern, genauer gesagt: der Nabendynamo.

Für Reiseradler besonders interessant dürfte daher die Lampe Luxos U sein, die Busch und Müller entwickelt hat. Sie sorgt dank ihrer enormen Helligkeit nicht nur hohe Sicherheit und passt den Lichtkegel auch intelligent an die Geschwindigkeit an. Sobald man langsamer wird, wird das Nahfeld stärker ausgeleuchtet.

Der Clou der Lampe ist jedoch der kleine am Lenker montierte Taster. Damit kann man auf Knopfdruck aufblenden; die Lichtstärke erhöht sich dann von 70 auf 90 Lux. Zudem ist in dem Taster eine USB-Buchse versteckt, über die sich Smartphones während der Fahrt aufladen lassen. Das geht recht flott: In einem Kurztest genügten etwa 15 Minuten Fahrt, um den Ladestand eines iPhones um vier Prozent zu erhöhen.

Ladegeräte, die eine Verbindung von einer USB-Buchse zum Nabendynamo herstellen, haben Busch und Müller (E-Werk) und auch Biologic (Reecharge) im Programm.

Ein aufgeladenes Smartphone kann sehr hilfreich sein, etwa wenn man im Wirrwarr der Waldwege die Orientierung verloren hat. Ich konsultiere bei Radtouren innerhalb Deutschlands aber auch immer wieder die Regenradar-App von WetterOnline. Sie ist gratis und gibt auch eine Prognose, wohin die Regenfelder innerhalb der nächsten Stunde ziehen werden. Die App, erhältlich für iPhone und Android, hat mir schon so manche böse Überraschung erspart. Ist eine Regenfront im Anmarsch, mache ich - sofern möglich - erst mal Pause.

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1.
rulamann 17.07.2013
Zitat von sysopKettennieter, Maulschlüssel, Reifenheber: Mit dem richtigen Werkzeug im Gepäck geht bei einer Radtour garantiert nichts schief. Doch ein Pannenset in Miniaturgröße ist nicht der einzige Helfer, der in die Satteltasche gehört - und auch eine App kann die Laune retten. Platte Reifen, lockere Speichen: Handliches Werkzeug für die Radtour - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/europa/platte-reifen-lockere-speichen-handliches-werkzeug-fuer-die-radtour-a-911446.html)
Das Problem an den Schraubwerkzeugen ist daß sie meistens nur verchromt sind, will heißen der Innensechskant löst sich praktisch auf wenn man mit Dampf anzieht. Generell fehlt in der Zusammenstellung ein Fahrradreparaturbuch, wer schonmal selbst ein Kugellager aufgemacht hat weiß was gemeint ist.
2.
Rickie 17.07.2013
Scharfe Kanten? Am Knochen? Echt nicht. Zuhauselassen ist natürlich trotzdem eine gute Idee. Wegwerfen noch besser.
3.
DerNerd 17.07.2013
Als jahrelanger Europa-Radler und Ländersammler per Rad verzichte ich grundsätzlich nicht auf einige Dinge: Ein Rad-Multitool mit Kettennieter, einen zusätzlichen Inbus (wegen zugänglichkeit), Flickzeug, Minipumpe, Verbandszeug (mehrmals gebraucht!), Schweizer Messer mit Säge (sehr hilfreich!), einige Kabelbinder (verstecke ich im Lenkerrohr), einmal Ersatz Schaltseil. Meine Bremsen sind hydraulisch von Magura, die Bremsleitungen so verlegt das auch bei Fahrten mit der Bahn die ungeschicktesten Mitradler nichts ausversehen abreissen können. Ich habe Autoventile, weil ich damit gut an Luft komme (die Minipumpe ist echt nur für den Notfall) und vor allem Ventilersatz einfach zu beschaffen geht - Robust ist diese Konstruktion sowieso. Nebst ein paar Platten und ein paar Schrauben zum nachziehen hatte ich bisher nur einmal in Holland einen Sattelbruch. Zum Glück sind in Holland auch Sonntags einige Radlgeschäfte offen. Weil "mein" Sattel dort natürlich nicht verfügbar war kaufte ich den billigsten Rennsattel (gab eh keine Alternativen) - was sich als ausgesprochener Glücksgriff erwiesen hat, den fahre ich heute noch, nach Jahren. Ich empfehle auf jeden Fall vor einer größeren Ausfahrt, wenn noch nicht geschehen: Versuchen Sie das Fahrrad mit dem Werkzeug das mitgenommen werden soll soweit zu zerlegen wie es geht (ok, Zahnkranzabzieher etc nehm ich dann auch nicht mit) - zumindest testen, ob man die Schraubverbindung lösen und befestigen kann mit dem Werkzeug. Weiterhin sollte man ein Gefühl dafür entwickeln wieviel Kraft diverse "Newtonmeter" tatsächlich sind, ein Drehmomentwerkzeug ist auch kaum ein Reisewerkzeug. Oft müssen Schraubverbindung erstaunlicherweise mit weit weniger Kraft angezogen werden als man so denkt. Bei Aluteilen (Lenker+Vorbau) ist es nicht ungefährlich die Schraubverbinungen zu fest zu ziehen. Ein Lenkerbruch bei einer Alpenpassabfahrt ist nicht wirklich lustig und das Erste Hilfeset dann garantiert als Folge auch zu klein.
4. Dreckige Hände...
seikosan 17.07.2013
...durch eine Reparatur unterwegs kann man übrigens leicht vermeiden, indem man zum Werkzeug noch ein Paar Einweg-Latex-Handschuhe einsteckt. Die nehmen wirklich keinen Platz weg und sind federleicht. Dafür hat man später keinen Schmier am Lenker und an den Klamotten.
5. Busch und Müller ?
DerNerd 17.07.2013
Klar, diese Lichtschmiede mag LED-Leuchtenmässig für viele der Ausrüster der Wahl sein. Für mich nicht. LED-Lampen dieses Herstellers haben ein "bestialisches" Störsignal, anscheinend durch schlechte Komponenten der PWR welche nicht ums Verrecken schirmbar sind (ich hab alles probiert). Das mag nicht nur mein Tacho nicht (den es leider NICHT kabelgebunden gibt), da streikt sogar mein Garmin-GPS mit Topokarte am Lenker. Daher fahre ich wieder, leider leider, mit Halogen am Schmidt Nabendynamo (SON) - der beste den es gibt.
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