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Adrenalinkick Azoren: "Dem Hai immer in die Augen schauen"

Adrenalinkick Azoren: "Dem Hai in die Augen schauen" Fotos
TMN

Wale beobachten, mit Haien tauchen und durch riesige Schluchten wandern - all das geht auf den Azoren. Die portugiesischen Inseln im Nordatlantik versprechen Naturerlebnisse mit Abenteuergarantie.

Der Blick in die Tiefe ist fast ein wenig unheimlich. Die Taucher halten sich wenige Seemeilen vor der Küste der Azoreninsel Faial an zwei mit dem Schlauchboot verbundenen Ketten in zehn Meter Tiefe fest und schauen gespannt ins unendliche Blau des Atlantischen Ozeans.

Plötzlich unterbrechen schwarze Schatten, die sich in Formation von unten annähern, die Einsamkeit in der Weite des Meeres. Fünf Blauhaie tauchen langsam aus der Tiefe auf und nähern sich.

Der Traum eines jeden Tauchers geht in Erfüllung. Die Azoren sind einer der wenigen Plätze auf der Welt, an denen es überhaupt möglich ist, mit einem der schnellsten Raubfische der Ozeane zu tauchen. Auch Hammerhaie und Makohaie trifft man hier gelegentlich an.

Den Hai aus den Tiefen des Ozeans anlocken

Damit es zu einer unvergesslichen Begegnung mit einem Blauhai kommt, braucht es allerdings einen Trick. Norberto Serpa, Portugals Tauchlegende, hat neben Fischblut und kleineren Fischresten auch riesige Thunfischköpfe in die Köderbox geschmissen, deren Geruch die Haie aus der Tiefe des Ozeans lockt.

Anmutig umkreisen die imposanten Raubfische die Taucher mit der Köderbox in der Mitte. Sie kommen immer näher - zu nahe! "Die Haie sind neugierig und werden versuchen herauszufinden, wer und was ihr seid. Um das zu verhindern, müsst ihr ruhig und senkrecht im Wasser stehen und dem Hai immer in die Augen schauen", sagte Tauchguide Norberto kurz vorm Abtauchen.

Leichter gesagt als getan. Die Seile ziehen die Taucher beim starken Wellengang rauf und runter. So kommt also Norbertos zweiter Abwehrtipp zum Einsatz: zu neugierige Haie mit schnellen Handbewegungen zurückzuhalten! Der Adrenalinspiegel ist weit oben und bleibt dort auch, solange man den Haien aus nächster Nähe dabei zuschaut, wie sie versuchen, an die Thunfischköpfe zu kommen.

Bis zu 40 Tonnen schwere Pottwale

Nicht weniger spannend geht es an der Princess Alice Bank rund 45 Seemeilen vor der Küste Faials zu. Der Mond steht noch hoch am Nachthimmel, als Norberto, ein mürrischer Seewolf wie aus dem Bilderbuch, das Boot aus dem Hafen von Horta in die Dunkelheit steuert. Die sternklare Nacht ist bitterkalt. Nur die Pottwale, die beim Auftauchen gigantische Wasserfontänen ausstoßen, durchbrechen die Stille auf dem Nordatlantik. Zum Sonnenaufgang erreicht das Boot nach drei Stunden den Tiefseeberg.

Bei diesem Tauchgang wird einem vor Augen geführt, warum die portugiesischen Azoren zwischen Europa und Nordamerika zu den besten Tauchgebieten Europas gehören. Schon vom Boot aus sind die grünlichen Silhouetten der gigantischen Mobula-Teufelsrochen auszumachen, die hier in Gruppen von bis zu 15 Tieren ihre Runden ziehen. Riesige Barrakuda- und Makrelenschwärme mischen sich mit Atlantischen Bonitos und Zackenbarschen. Plötzlich lenken zwei bis zu zehn Meter lange Walhaie auf der Suche nach Plankton die Aufmerksamkeit auf sich.

Obwohl auf allen Azoren-Inseln bis zu 90 interessante Tauchplätze existieren, zieht es Taucher vor allem nach Faial und auf die Nachbarinsel Pico. Hier taucht man direkt an der Küste an von Lavaströmen geformten Steilwänden, in Tunneln, Grotten und Vulkankratern.

Die Hochseetauchplätze vor den beiden Inseln sind auf den Azoren aber mit Sicherheit der Höhepunkt für Taucher, immerhin kommt es hier zu den spektakulären Begegnungen mit den Großfischen. Doch braucht man hier weder Taucher zu sein, noch weit hinauszufahren, um große Meeresbewohner zu sehen. Direkt vor der Küste Faials und Picos tummeln sich bis zu 28 verschiedene Wal- und Delfinarten, erklärt die amerikanische Meeresbiologin Lisa Steiner.

Neben Blau- und Finnwalen sowie den seltenen Entenwalen, kann man hier vor allem im Frühling täglich auch die bis zu 40 Tonnen schweren Pottwale sichten.

Wandern zwischen Vulkankratern

Doch wäre es fast kriminell, nur die Unterwasserwelt der Azoren zu genießen. Die meisten Touristen zieht es nach São Miguel und Santa María, die östlichsten der insgesamt neun Azoren-Inseln, mit ihren traumhaften Stränden und ihrem grünen Hinterland. São Jorge ist ein Wanderparadies, Graciosa, Faial und Pico locken mit gewaltigen Vulkankratern. Fast alle Inseln begeistern mit traumhaften Landschaften, die von imposanten Vulkanen bis hin zu dichten Atlantikwäldern reichen.

Auf Flores ist die Mischung aus Irland und Hawaii wohl am spektakulärsten. Vor allem beim Canyoning, dem Schluchtenwandern, wird einem bewusst, dass die Azoren noch wilder, ursprünglicher und abenteuerlicher als Madeira oder die Kanaren sind. Die Auswahl an Kletterrouten ist enorm.

Canyoning-Guide Marco Melo kennt an die 50 Strecken auf Flores. Er gehört zu den Pionieren seiner Branche, der viele Schluchten entdeckt und präpariert hat, in denen heute auch nicht geübte Personen ins grüne, wilde Herz der Insel eintauchen können. Bei einigen Strecken handelt es sich um leichte Sturzbäche. Mit Neoprenanzug und Helm ausgerüstet, seilt man sich abwechselnd an kleinen Wasserfällen ab, schwimmt oder springt gar aus einigen Metern Höhe in Naturpools.

Heute führt Marco einige Gäste mit Erfahrung an die mit Wasserfällen übersäte Steilwand José de Fraga. Durch dichtes Grün geht es von der Küste in voller Montur den steilen Berg hinauf. Der Abstieg hat mit Wandern allerdings nichts mehr zu tun. Über 200 Meter stürzt die Wand in die Tiefe. An verschiedenen Wasserfällen muss sich die Gruppe bis zu 40 Meter abseilen.

Die nassen Felsen unter den Füßen sind rutschig, es riecht nach Moos. Das Wasser knallt auf den Helm, während man aus schwindelerregender Höhe auf den Atlantischen Ozean blickt. Dabei ist die Strecke nicht einmal die schwierigste. "An der Fajã Grande gibt es Canyoning-Strecken mit Höhenunterschieden von bis zu 300 Metern. Adrenalin pur!", versichert Melo.

Manuel Meyer/dpa/jkö

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Ihr habt Corvo ...
Thorkh@n 04.11.2014
... vergessen, das neue Vogelbeobachter-Mekka Europas! Hier können im Herbst viele Nordamerikanische Vogelarten beobachtet werden, die es auf den Atlantik verschlagen hat. Wer eine Westpaläarktis-Liste führt, kann es sich nicht mehr leisten, dort nicht hin zu fahren. :) http://birdingcorvo2013.blogspot.de/
2.
taglöhner 04.11.2014
Diesen Unfug mit dem Hai-Anfuettern haette man gerne weglassen koennen.
3. paradox77
Paradox77 04.11.2014
Seit wann liegen die Azoren im " Nordatlantik ? "
4. Volle Zustimmung...
trader_07 04.11.2014
Zitat von taglöhnerDiesen Unfug mit dem Hai-Anfuettern haette man gerne weglassen koennen.
Volle Zustimmung! Wobei man beim Tauchen rund um die Azoren auch ohne Anfüttern genug Hai-Sichtungen hat.
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