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Ruhe in Portugal: Das ist ja ganz formosa hier

Von Oliver Lück

Einsame Orte in Europa: Wo alles seine Zeit hat Fotos
Oliver Lück

Wo Portugal so richtig einsam ist: In der Lagune von Ria Formosa ziehen Muschelsucher delikate Schätze aus dem Watt. Besuch an einem Ort, den nur wenige Besucher finden.

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Wenn an Portugals Südostküste das Meer geht, kommen die Muschelsucher. Mit Harken und Rechen, Schaufeln und Mistgabeln stapfen sie schon frühmorgens gegen fünf durch das Watt. Gebückt stehen sie bei Ebbe zwei Mal am Tag im Schlick, buddeln Löcher, pflügen den schlammigen Grund um, schleppen eimerweise oder in großen Säcken Herzmuscheln und Krebse zu ihren Autos.

Ebbe und Flut bestimmen die Arbeitszeiten. "Drei Stunden graben, fünf Kilo sammeln", sagt José, der seit 30 Jahren fast täglich - vor oder nach seiner Arbeit als Tischler - an seinen Platz in der Lagune von Ria Formosa kommt, den selbst viele Einheimische nicht kennen. Seinen Fang verkauft der Portugiese an Restaurants oder Supermärkte, die die Muscheln als Delikatesse anbieten.

Die Südostküste der Algarve ist ideales Terrain für Muschelsucher wie José: Die Tide ist deutlich zu spüren, fast minütlich verändert sich die Landschaft. Wo eben noch das Wasser stand, kann man nun über Sand laufen, tauchen Queller und andere Salzpflanzen auf.

Der Nationalpark Ria Formosa, vom offenen Meer durch Sandbänke getrennt und geschützt, zählt zu den größten Lagunengebieten Europas. Löffelreiher, Störche, Strandläufer, Säbelschnäbler, Graugänse und Flamingos sind hier zu Hause. Und natürlich werden hier die zotteligen portugiesischen Wasserhunde gezüchtet, die gut tauchen können und so manchem Fischer ein treuer Begleiter sind. Noch heute apportieren sie auf Booten Taue, abgerissene Netze oder über Bord gegangene Fische.

Wo alles seine Zeit hat

Die Algarve hat drei Gesichter: im Südwesten Ruhe und Weite, im Westen Rambazamba und im Osten von beidem ein bisschen. Doch auch hier - zwischen Tavira und der spanischen Grenze - gibt es noch einsame Plätze. Man muss nur wissen, wo man suchen muss. An diesen Ort, mitten im Naturpark, müssen sich Besucher geografisch heranzoomen, sonst finden sie ihn nicht: Portugal, Algarve, Tavira, die Hauptstraße N125 in Richtung Spanien, hinter dem Restaurant Xicken Piri Piri die erste, staubigweiße Piste rechts abbiegen und zwischen Golfplatz und Orangenplantagen etwa eineinhalb Kilometer bis zum Meer fahren. Hier endet der Weg. Hier beginnt der Atlantische Ozean.

Und wenn an Portugals Südostküste das Meer zurückkommt, gehen die Muschelsucher und werden von den Anglern abgelöst. Schichtwechsel. Alles hat hier seine Zeit. Die Ebbe, die Flut, die Menschen. Der Tag ist klar aufgeteilt.

Mit GPS zum Platz der Fischer: 37.148328, -7.570469

Hier finden Sie die anderen Teile der Serie "Einsame Orte in Europa":

Teil 1: Schweden: Die Insel Lyr Teil 2: Belgien: Das Geisterdorf von Antwerpen Teil 3: Schottland: 27 Kilometer zu Fuß zur Kneipe Teil 4: Galicien: Das Mera-Tal Teil 5: Lettland: Jurmalciems Teil 6: Irland: White Strand Teil 7: Norwegen: Å auf den Lofoten Teil 8: Sizilien: Gibellina

Zum Autor
  • Oliver Lück
    Seit 20 Jahren ist Oliver Lück im VW-Bus in Europa unterwegs. In rund 30 Ländern ist der Journalist und Fotograf gewesen. Und überall hat er "geheime Orte" entdeckt, die man eigentlich für sich behalten sollte. In dieser Serie verrät er einige.
  • Mehr auch unter www.lueckundlocke.de

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Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Die Beiträge von Oliver Lück sind richtig wohltuend !
ulli7 07.05.2015
Wenn man als intensiver Leser von SPIEGEL ONLINE überwiegend negative Nachrichten aus Politik und Gesellschaft lesen muss, dann freut man sich über gelungene Fotos und Reisebeschreibungen von unbekannten Orten in Europa. Weiter so !
2.
Sumerer 07.05.2015
Zitat von ulli7Wenn man als intensiver Leser von SPIEGEL ONLINE überwiegend negative Nachrichten aus Politik und Gesellschaft lesen muss, dann freut man sich über gelungene Fotos und Reisebeschreibungen von unbekannten Orten in Europa. Weiter so !
Ja, da stimme ich zu! Mich erinnern die Aufnahmen ein wenig an Reisen an die deutsche Nordseeküste. Gut, die Esel und die Wasserhunde findet man da nicht. Die Landschaft ist ähnlich schön. Das ist auf jeden Fall ein Tipp für Portugal-Reisende, die sich nicht nur bauliche und städtische Sehenswürdigkeiten anschauen wollen. La Mata (Spanien) ist auch einen Besuch wert (Flamingos, jede Menge Wasservögel). Ganz in der Nähe liegen Santa Pola (ebenfalls Flamingos u. Wasservögel) und die Insel Tabarca (Delfine und jede Menge Fische im Mittelmeer). Oder die Caldera de Taburiente (ebenfalls Spanien, Insel La Palma). Sie bietet einen unglaublichen Panorama-Ausblick. Im Meer, rund um die Insel: Wale, Delfine, Fische und ... .
3.
rudy532 07.05.2015
Möchte Herrn Lueck und den Spiegel nochmals inständig bitten,diese Orte in Ruhe zulassen.Ungestoerte Naturschönheit und intaktes Tierleben wird sonst schnell zu Geschäft.
4. fraglich
chiefseattle 07.05.2015
Tourismus im Nationalpark sollte immer kritisch betrachtet werden! Die Umgebung eines Nationalparks bietet wahrscheinlich genauso pittoreske Eindrücke und man lässt die Vögel in Ruhe brüten. Der Alentejo ist sowieso schöner als die Algarve.
5. Danke Herr Lück,
dontstop 07.05.2015
weil Leute wie Sie Ihren Globetrotter-Lifestyle finanzieren wollen, werden auch noch die letzten einsamen und versteckten Orte touristifiziert. Wie wenig Verantwortungsbewusstsein muss man eigentlich haben, wenn man solche Tipps in einem Massenmedium mit der Reichweite von SPON lanciert? Warum bieten Sie neben den GPS-Daten nicht gleich auch noch Informationen zu möglichen Abnehmern für die gesammelten Muscheln mit erzielbaren Kilopreisen?
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