Prora auf Rügen: Jugendzeltplatz eröffnet am Betonkoloss

An den fünf grauen Wohnblöcken am Strand von Prora haben sich schon Investoren, Planer, Land und Bund die Zähne ausgebissen. Der einstige Kraft-durch-Freude-Komplex ist weitgehend ungenutzt. Jetzt baut Rügen einen Jugendzeltplatz, eine Jugendherberge soll folgen.

Prora - In tristem Grau wie eh und je ragen die fünf gigantischen Wohnblöcke des einstigen Kraft-durch-Freude-Seebades aus dem Kiefernwald am Strand von Prora auf Rügen. Fast 15 Jahre lang wurde über die Zukunft des kilometerlangen Komplexes debattiert und gestritten. Geändert hat sich bisher wenig.

Für viel Geld hatten Ingenieurbüros, Stadtplaner und Architekten Machbarkeitsstudien und Konzepte entwickelt, die aber letztlich ebenso wie der umstrittene Abriss stets an unkalkulierbaren Kosten und Auflagen des Denkmalschutzes scheiterten. Die Liste der millionenschweren Projekte, die Investoren aus Stuttgart, Weimar, Hamburg und Köln, aber auch aus den Niederlanden, Norwegen und Dänemark planten, ist lang.

Die vollmundigen Versprechungen reichten vom Wohnungsbau über riesige Hotelanlagen mit Einkaufsmeilen und Kongresshallen, ein 17-Millionen-Euro-Erlebnisbad bis zum Sport- und Erlebnispark mit Theater, Delfinarium und Tauchsportturm. Sie scheiterten ausnahmslos. Und seit 2006 auch noch mehrere kleine Ausstellungen schlossen, herrscht in dem zu DDR-Zeiten als Kaserne genutzten Koloss von Prora wieder weitgehend Stille.

Doch jetzt tut sich wirklich etwas. Vor dem 500 Meter langen Block 5, den der Landkreis Rügen für einen Euro vom Bund erwarb, graben sich Bagger und Planierraupen in den Sand. Noch Ende August werde hier Rügens zweitgrößter Zeltplatz eröffnet, kündigt Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke) an. Insgesamt werden auf dem 40 Hektar großen Areal 2,3 Millionen Euro verbaut.

Platz für 1500 Camper mit Zelten

Das ehemalige Wachgebäude wird in eine Rezeption umgewandelt. Für bis zu 1500 Camper wurden zwei großräumige Sanitärgebäude errichtet, und eine frühere Sporthalle wurde zu einem Mehrzwecktrakt für Kultur- und Sportveranstaltungen umgebaut. Nur wenige hundert Meter vom Ostseestrand entfernt entstehen 250 Stellplätze, die über das Deutsche Jugendherbergswerk an Jugendliche vermietet werden. Caravans und Wohnwagen müssen draußen bleiben. "Hier wird noch richtig klassisch gecampt, nur mit Zelt und ohne Strom", sagt Kassner.

Die Idee eines Jugendzeltplatzes kam den Rüganern während des Jugendfestivals Prora 03, als 15.000 Jugendliche in der alten KdF-Anlage eine riesige Party mit viel Musik, Sport und Talkrunden feierten. Die 2006 wiederholte Veranstaltung soll künftig alle drei Jahre stattfinden, zwischendurch sind jährlich etwa zehn kleinere Events vorgesehen, darunter auch ein deutsch-polnisches Jugendtreffen.

Bis 2010 soll auch der marode Block 5 zu einer Jugendherberge umgebaut werden. Dazu werden auf einer Gebäudelänge von 180 Metern in vier Etagen etwa 250 Doppelzimmer mit Seeblick hergerichtet. Die beiden unteren Etagen bleiben Veranstaltungs- und Versorgungszwecken vorbehalten. Restliche Kapazitäten sollen für Kultur-, Fitness- und Bildungsprojekte genutzt werden. Insgesamt stellen EU, Bund und Land dafür nochmals 12,6 Millionen Euro zur Verfügung.

Den Umbau der fast 70-jährigen Liegenschaft sehen Bauexperten als Herausforderung. Nach einem Gutachten müssen unter anderem das Tragwerk geprüft, Dachvorsprünge erneuert und Fußböden auf 7000 Quadratmeter Fläche ausgewechselt werden. Das Vorhaben gilt daher auch als Vorzeigeprojekt. "Wir wollen noch zögernden Investoren beweisen, dass es geht", sagt Landrätin Kassner. Denn gleich nebenan steht noch ein ebenfalls 500 Meter langer Schwesterblock zum Verkauf. Und die bereits veräußerten Blöcke 1 bis 3 sollen für Wohn-, Kultur- und Wellnessprojekte hergerichtet werden.

Von Ralph Sommer, ddp

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