Radeln im Osnabrücker Land Immer der Hase nach

Steigungen sind selten: Eine Radtour im platten Osnabrücker Land ist gemütlicher Natur. Am Wegesrand leuchten quietschgelbe Rapsfelder, lockt selbstgebackener Pflaumenkuchen - und wer das Radeln über hat, wechselt einfach auf die Schiene.


Quakenbrück - Die Hase ist kein Freund von Aufgeregtheit. Gemächlich schlängelt sich der kleine Fluss durch die Landschaft nördlich von Osnabrück. Das gleiche gilt für das gesamte Hasetal: Die eher flache Landschaft, in der Pusteblumen auf den Weiden stehen und Rapsfelder in sonnigem Gelb leuchten, ist wie gemacht zur Entdeckung der Langsamkeit. Radfahren ist hier genau das Richtige, um möglichst viel davon mitzubekommen, den Raps sogar zu riechen oder Kaninchen über die Weide hoppeln zu sehen.

Die Hase entspringt im Teutoburger Wald und mündet in Meppen in die Ems. Dazwischen sucht der Fluss sich seinen Weg durch Weiden und Rapsfelder, vorbei an vielen großen Bauernhöfen und einigen kleinen Städten wie Bramsche, Löningen und Herzlake. Radfahrer können im Hasetal nicht viel falsch machen. Ihr Motto lautet: "Immer der Hase nach" - bei der "Hase-Ems-Tour" zum Beispiel, die entsprechend ausgeschildert ist und von Osnabrück aus bis Herzlake, aber auch bis Meppen oder Rheine gefahren werden kann.

Zum ersten Mal ist der Fluss noch auf Osnabrücker Stadtgebiet zu sehen. Da taucht er plötzlich hinter einer Biegung auf, als es unter grünem Blätterdach in Richtung Westen geht. Steigungen sind selten - zwischen Osnabrück und dem Etappenziel Bramsche geht es praktisch nur auf der Brücke über den Zweigkanal mehrere Meter bergauf. In Bramsche lohnt sich schon wegen des Tuchmachermuseums ein Zwischenstopp.

Die Kleinstadt war einst berühmt für ihre Stoffe: "Die Tuchmachergilde gab es schon seit dem 16. Jahrhundert", erzählt Museumsleiterin Kerstin Schumann. Um 1824 arbeiteten in Bramsche 150 Tuchmachermeister. Stoff für die Uniformen der preußischen Armee wurde hier ebenso hergestellt wie Decken für die Hamburger Feuerwehr. "Heute gibt es nur noch ganz wenige Betriebe. Aber wir wollten nicht, dass das Erbe der Tuchmacher verloren geht."

"Gesponnen und verwoben"

Und so ist das alte Mühlengebäude, das die Tuchmacher Mitte des 19. Jahrhunderts für ihre Zwecke übernommen haben, heute ein Museum, das ihre Geschichte erzählt. An eine ganz andere Geschichte erinnert das Schlachtfeld von Kalkriese, wo Arminius mit seinen germanischen Truppen vor genau 2000 Jahren Varus und seine drei römischen Legionen besiegt haben soll. Es liegt gleich um die Ecke. Zum Jubiläum gibt es im Tuchmachermuseum in Bramsche die Sonderausstellung "Gesponnen und verwoben: Textiles bei Römern und Germanen".

Die Dauerausstellung zeigt dagegen, wie Stoff früher hergestellt wurde - mit Hilfe des Mischwolfs zum Auflockern der Schafwolle zum Beispiel und mit dem Spinnkrempel, der für das Vorgarn verantwortlich ist, aus dem die große Spinnmaschine mit 280 Spindeln das Garn macht. Ursula Bart führt durch die Räume und lässt alle Maschinen einmal laufen, damit die Besucher einen besseren Eindruck davon bekommen, wie sie funktionieren.

Danach geht es weiter Richtung Bersenbrück - aber nicht lange: Schon in Rieste bietet sich die Möglichkeit für eine Pause in einem hübschen kleinen Bauerncafé. Es ist in einem Fachwerkhaus untergebracht, das bereits 1627 gebaut wurde und in dem ursprünglich Heuerleute lebten, wie einst die landwirtschaftlichen Hilfskräfte genannt wurden.

Heute bedient hier Gerda Rohde. Die 71-Jährige hat das Café in ihrem Haus vor 15 Jahren eingerichtet. Alte Bauernmöbel stehen dort, auf dem Tisch liegen Spitzendeckchen. Serviert wird Nuss-, Pflaumen- und Apfelkuchen oder Erdbeertorte - alles selbst gebacken, die ideale Stärkung vor der Weiterfahrt in Richtung Bersenbrück.

Draisine statt Fahrrad

Zu der Landschaft, durch die die Hase fließt, gehört auch das Artland, das für seine oft jahrhundertealten Bauernhöfe mit eindrucksvollen Fachwerkfassaden bekannt ist, vor denen hohe Kastanienbäume stehen und die von großzügigen Gärten umgeben sind. Die Böden hier sind gut, die Bauern waren einst reich und zeigten das auch wie in Gehrde oder Badbergen. Einige Höfe haben sich auf Touristen eingestellt und bieten Ferienwohnungen an.

Wer nicht die ganze Zeit auf dem Rad sitzen möchte, kann zwischendurch Draisine fahren. Im Hasetal gibt es mehrere Strecken, zum Beispiel zwischen Quakenbrück und Nortrup. Die Radler steigen dann um, strampeln aber weiter. Denn die Draisine, die hier auf alten Bahngleisen im Einsatz ist, wird mit Muskelkraft per Pedale bewegt. Vier Radler müssen ihr Bestes geben, die anderen sitzen im offenen Abteil und können in aller Ruhe die Landschaft genießen.

"Der Streckenrekord liegt bei 25 Minuten für zehn Kilometer", erzählt Draisinen-Zugchef Jürgen Behrens. Aber man muss nicht den Ehrgeiz haben, das zu übertreffen. Die Strecke führt durch Feld und Wald, die Sonne scheint durchs Blätterdach. Die Hase ist hier nicht zu sehen, dafür aber sind Segelflieger in der Luft und Bauern mit dem Trecker beim Grasmähen. Das Strampeln ist gar nicht so schlimm.

Nach dem Wechsel aus der Draisine zurück auf den Fahrradsattel ist es nicht mehr weit bis Quakenbrück. Die Hase hat sich hier in mehrere Arme geteilt, die durch die Stadt fließen und sich erst später wieder vereinen. Quakenbrück, mit seinen "Artland Dragons" eine echte Größe in der Basketball-Bundesliga, ist eher überschaubar, hat aber einen riesigen Marktplatz und in der Mitte darauf einen Brunnen mit einem überdimensionalen Stierkopf.

Von Andreas Heimann, dpa

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