Radreise in Norditalien Bauch, Beine, Po

Prosciutto-Pausen für mehr Hüftgold, tierisches Training für die Oberschenkel: Bei einer Radtour in Norditalien strampeln sich Urlauber die verputzten Kalorien gleich wieder vom Leib. Das Ziel ist die Po-Ebene - und das Städtchen, das der Ostküste ihren Namen gab.

Armin Herb

Bei Rennradfahrern und Mountainbikern steht Norditalien schon lange hoch im Kurs. Doch auch für Tourenradler wurde in der Region Venetien viel Geld in die Infrastruktur investiert. Entlang der Etsch und des Brenta entstanden neue Radwege - kilometerlang, asphaltiert und ohne Autoverkehr. Viele Freizeitrouten sind ausgeschildert, von der Feierabendrunde bis zur Mehr-Tages-Tour. Zu einigen Strecken gibt es bereits GPS-Daten. Ideale Voraussetzungen für eine lange Radtour vom Gardasee zum Mittelmeer.

Ein letzter Cappuccino am Ufer des Sees, dann kann die 350 Kilometer lange Tour gen Süden beginnen. Hinter der Riviera degli Olivi, wie das Ostufer des Gardasees hier genannt wird, kommen Radler schnell auf Betriebstemperatur: Kleine Bergrücken sind zu überwinden, die Route führt über schmale Straßen durch Weingärten nach Rivoli Veronese, wo sich die Etsch durch die letzten Felsen der Alpen quetscht.

Hier fanden im 18. und 19. Jahrhundert historische Schlachten mit den Österreichern und Napoleons Heeren statt. Auf dem gut ausgebauten Radweg in der Valpolicella-Region passieren Radler die einstigen Flusshäfen Pescantina und Bussolengo. Dort gibt es zum Mittagessen ein Gläschen Amarone, bevor sie in die Stadt von Romeo und Julia navigieren.

In Verona muss man mindestens einen Tag rasten, um die ganze Pracht des Weltkulturerbes zu erfassen. In Ruhe geht das allerdings nur in der Nebensaison, denn die historischen Gassen zwischen der römischen Arena und der Piazza dei Signori quellen sonst über vor Gästen aus aller Welt.

Stadt, Land, Fluss und Berge

Nach 24 Stunden Stadtkultur ist wieder Landpartie angesagt - es warten Weingärten, Obstplantagen und die Stadt Soave. In der Umgebung von Vicenza tauchen venezianische Villen auf, ein Vorgeschmack auf Palladios architektonische Meisterwerke in der Stadt selbst. Aber vor Vicenza ist noch etwas Kondition gefragt, denn die Route windet sich durch die Berici-Hügel. Als Lohn für die Schweißtropfen dient ein grandioser Ausblick über die Stadt an der Wallfahrtskirche Basilica di Monte Berico.

In Vicenza zweigt die Route ab nach Süden. Nächster Fixpunkt sind die Euganäischen Hügel, die wie riesige grüne Kegel aus der Ebene ragen. Komfortabel angelegte Radwege führen nach Montagnana. So manchen Radtourist dürfte dort in erster Linie der Prosciutto Veneto interessieren, ein köstlicher luftgetrockneter Schinken mit leicht süßlichem Geschmack.

Eindrucksvoll ist auch die vollständig erhaltene zwei Kilometer lange Stadtmauer samt 24 Türmen, vier Stadttoren und breitem Wallgraben. Der mittelalterliche Städtereigen setzt sich dann in Este fort. Das Städtchen am Südfuß der Euganäischen Hügel war Stammsitz der Este-Adeldynastie. Ein Stopp lohnt sich auch wegen des schönen Parks innerhalb der Stadtmauern, der sich mit seinen kunstvoll geschnittenen Hecken bis zum Turm an der Hügelspitze hinaufzieht.

Kilometerweit gegen den Wind

Zwischendurch können sich Aktivurlauber der venezianischen Küche widmen. Traditionelle Landgasthöfe erweisen sich dafür als gute Adresse. Das rechtfertigt auch einen kleinen Umweg, zum Beispiel zur Osteria Savellon Molini in den Maisfeldern bei Monselice. Einem ehemaligen Bauernhof mit Tischen in der Scheune und im Obstgarten.

Das malerische Monselice erkennt man schon von weitem am Wallfahrtsheiligtum Sette Chiese, sechs kleine Kapellen und eine Kirche, die sich entlang der gepflasterten Via al Santuario den Hügel hinaufziehen bis zur Villa Duodo.

Hinter den Euganäischen Hügeln liegt Polesine, ein Landstrich im südlichsten Teil des Veneto. Nach der Überquerung des Canal Bianco führt ein breiter Dammweg am linken Ufer schnurstracks zum Po. Wie der Fluss streben Radler hier zum Meer, Kilometer um Kilometer gegen den Wind. Auf der rechten Seite liegen schmale Auenwäldern, auf der linken weite Felder und winzige Dörfer.

Das Meer immer im Blick

Das Ziel ist Adria. Das kleine Städtchen lag einst direkt am Meer und gab - früher ein wichtiger Handelsort - der gesamten Ostküste ihren Namen. Doch durch ständige Sandablagerungen wanderte das Delta über die Jahrhunderte mehr als 25 Kilometer ins Meer hinaus.

Zum Abschluss der Garda-Adria-Reise sollten Radler noch eine Ehrenrunde im weiten Mündungsgebiet des größten italienischen Flusses drehen, der sich hier in sechs Arme auffächert. "Der Ring der Donzella" heißt eine 60-Kilometer-Tour ab dem Hafenstädtchen Porto Tolle: schmale Straßen und Deiche, riesige Reisfelder, üppige Wiesen und Schilf.

Am Meer stehen große Holzgestelle, an denen Fischer Muscheln züchten. Das kleine Agriturismo-Lokal in Santa Giula kocht sie in Weißwein und serviert sie müden Reisenden. Wer danach wieder Kraft hat, kann sich auf die nächste Reise machen: Sie heißt "Litoranea Veneta - Radroute am Meer".

Weitere Informationen
für weitere Radtourentipps
Reise-Guide "Veneto in bicicletta - Venetienmit dem Fahrrad. Routen und Ausflüge", den es für 5 Euro bei den Tourismusbüros der Region Veneto gibt
für die allgemeine Reiseplanung
Marco Polo, Karte "Veneto - Friaul" im Maßstab 1:200.000, 8,99 Euro
für allgemeine Informationen zum Land
Italienischen Fremdenverkehrsamt ENIT in Frankfurt, Tel. 069/232434, www.enit.de

Armin Herb/srt/jus

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geotie 10.06.2013
1. yoooh
Aus meiner Radwanderzeit, ist schon etwas her, empfand ich die Reise in Italien nicht besonders schön. Von montags bis freitags rasten die Autos sehr knapp an mir vorbei, manchmal sogar mit Kontakt, am Wochenende saßen die Einheimischen in Gruppen auf ihren Rennrädern und düsten wie der Teufel durch die Straßen, wobei jeder irgendwie sein Handy benutzte. Von der Umgebung viel mir der viele Müll und die verschmutzten Flüsse auf, als ich in der Nähe von Rom anhielt, belagerten mich sofort die Nutten. Ein Ärgernis waren auch die Hunde, die ich manchmal mit einem Stock vom Leibe halten musste. Im Caos von Neapel habe ich endgültig aufgegeben. Dort rein in den Zug, nach Rom und das Kolosseum (damals war der Eintritt noch frei) und den Vatikan besucht.
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