Neuer Service Mit dem Papst-Zug nach Castel Gandolfo

"Prossima Fermata: Castel Gandolfo." Früher fuhr man als Papst jeden Sommer zu seinem Sommersitz, aber Franziskus will dort nicht mehr hin. Nun können sich Touristen in Castel Gandolfo umsehen - und erstmals auch mit dem Zug anreisen.

AFP

Die Verbindung dürfte zum Pflichttermin für Eisenbahnfans werden. Jeden Samstag geht es ab jetzt los, um genau 10.57 Uhr. Der Vatikan hat seinen Bahnhof Roma San Pietro wieder in Betrieb genommen, um Touristen zum - von Papst Franziskus geschmähten - Sommersitz Castel Gandolfo zu kutschieren.

Sechs Wagen schlängeln sich nun einmal in der Woche von den Mauern der Vatikanstadt durch die Vororte Roms und entlang der Via Appia hinauf in die Albaner Berge, in denen der päpstliche Palast thront. Eine Stunde dauert die Fahrt.

Es handele sich um eine "großzügige Geste" des Papstes, damit der über Jahrhunderte geschlossene Ort von vielen Menschen angeschaut werden könne, sagte Chefverwalter Osvaldo Gianoli. Und Antonio Paolucci, Direktor der Vatikanischen Museen, drückt es so aus: "Ein Papst, der auf seine Sommerresidenz verzichtet hat, um sie für die Leute zu öffnen. Wenn das kein Zeichen der Zeiten ist!"

Wie auch immer man es im Detail ausdrücken mag: Schon 2014 sorgte Franziskus auf jeden Fall dafür, dass die Gärten in Castel Gandolfo für Führungen geöffnet wurden. Nun setzte er auch seinen Willen durch, einen Touristenzug vom Petersdom zum Sommersitz hinauffahren zu lassen.

Franziskus blieb nicht über Nacht

Für 40 Euro können sich Touristen nun vom Vatikan nach Castel Gandolfo bringen lassen und sich dort umschauen. Besichtigt werden können der Innenhof, einige Räume und die Aussichtsterrasse. Für die Runde mit einem Audioguide ist etwa eine Stunde vorgesehen.

Im Innenhof ist die BMW-Limousine von Papst Johannes Paul II. zu sehen. Im ersten Stock gibt es eine Galerie mit Porträts aller Päpste seit dem 16. Jahrhundert. Und von der Terrasse bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf den vulkanischen Albano-See.

Absicht oder nicht - mit dem Zug eilt Franziskus auch den Händlern rund um den Palast zu Hilfe. Unter Johannes Paul II. pilgerten viele Menschen dorthin, wenn dieser in den Sommermonaten in Castel Gandolfo war. Benedikt XVI. lockte schon weniger Besucher an. Und Franziskus hat bis auf zwei Stippvisiten - bei denen er noch nicht mal über Nacht blieb - seinem Zweitpalast ganz den Rücken gekehrt.

Er habe keine Zeit für Ferien, lautet die Begründung. Für die Souvenirläden und Restaurants ist das Geschäft seitdem eingebrochen. Der neue Zugfahrplan dürfte ihnen zumindest ein Stück weit helfen. Zurück geht es nämlich erst wieder um kurz vor halb sechs am Abend - mehr als genug Zeit also, um nach dem Papstpalast auch noch das eine oder anderen Café zu besuchen.

chs/dpa/AFP



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