Dämonen-Bildband: Alptraum im Alpenraum

Von

Dagegen ist Halloween ein Kindergeburtstag: Der Fotograf Carsten Peter suchte in den Alpen nach Bräuchen, bei denen man sich ordentlich gruseln kann. Er entdeckte die exotischen Seiten seiner Heimat - und wurde selbst zum Opfer handgreiflicher Fabelwesen.

Bildband "Alpendämonen": Maskenball mit Monstern Fotos
Carsten Peter/ National Geographic Deutschland

Weit aufgerissen sind die knallroten Augen, grün die Wangen, seltsam gespalten die Nase. Auf den ersten Blick würde das aus Holz geschnitzte Monster mit den weißen Zahnreihen sich gut auf einem Totempfahl nordamerikanischer Indianer oder auf einer Maske in Papua-Neuguinea machen.

Nur die blonden Heidi-Zöpfe, die am Kopf der Maske aus Arvenholz befestigt sind, verraten eine andere Herkunft: Das Foto entstand nicht in der exotischen Ferne, sondern im Lötschental in der Schweiz. "Wenn man das quasi vor der Haustür entdeckt, ist das phantastisch", sagt Fotograf Carsten Peter, der in einem kleinen Ort in Oberbayern lebt. "Ich reise sehr viel, das schärft natürlich den Blick für solche Dinge."

In seinem Bildband "Alpendämonen" stellt er mit Texten und Fotos 20 verschiedene Traditionen aus dem Alpenraum vor, bei denen gruselige Masken, Umzüge in Verkleidungen und heidnische Bräuche eine Rolle spielen. Oft geht es dabei symbolisch darum, den Winter und seine Dämonen zu vertreiben und eine wärmere Jahreszeit einzuläuten. So wird beispielsweise bei der "Wudelejagd" im Südtiroler Ort Tramin die kalte Jahreszeit durch drachenartige "Schnappviecher" dargestellt, die im Verlauf des Umzugs von Männern in Metzgergestalt niedergemetzelt werden - sie stehen für den Frühling, der den Winter besiegt.

Über insgesamt vier Jahre erstreckten sich Peters Recherchen, einige Veranstaltungen besuchte er mehrmals, bis er mit seiner Ausbeute zufrieden war. "Fotografisch war das sehr schwierig: Man muss nah dran sein, Distanzen überwinden - und vieles spielt sich nachts ohne gute Beleuchtung ab", sagt Peter. Doch durch ihre Bewegungsunschärfen und düstere Stimmungen heben die Nachtaufnahmen die Fremdartigkeit der Motive hervor: Der Gruseleffekt wird verstärkt, wenn nicht jedes Detail eindeutig zu erkennen ist. "Möglichst exotisch" sollten die Motive rüberkommen, das war das Ziel des Fotografen. Keine Hochglanz-Aufnahmen sollten es werden, sondern "ein fremder Blick auf die eigene Kultur".

Trommel und Schrumpfkopf

Das gelingt auf vielen Bildern: zum Beispiel dann, wenn im Allgäu ein Klausen mit seiner spitzen Schaffell-Mütze stark an ein Mitglied des amerikanischen Ku-Klux-Klans erinnert. Oder wenn bei der "Wilden Gjoad" in Untersberg der Tod mit einer Trommel und sein Gehilfe mit Schrumpfkopf über das Land ziehen - das Bild würden wohl die meisten Betrachter eher in die Schublade "afrikanisches Voodoo-Ritual" einsortieren als unter "österreichischer Adventsbrauch".

So nah und doch so seltsam, so kamen dem Fotografen manchmal auch die Begegnungen mit den Teilnehmern solcher Umzüge und Rituale vor. "Das ist ein eigener Kosmos mit eigenen Begriffen, wo man als Außenstehender Schwierigkeiten hat reinzukommen."

Darüber hinaus musste Carsten Peter bei einer solchen Recherche immer damit rechnen, zum Opfer von Monstern und Dämonen zu werden. Die Buttnmandl in Berchtesgaden jedenfalls, wilde Kerle mit gehörnten Masken, verpassten ihm eine zünftige Abreibung. "Die sind über mich hergefallen, dabei sind Teile von meinem Objektiv zu Bruch gegangen", berichtet er.

Für den weit gereisten Fotograf, der sonst auf spektakuläre Bilder von Outdoor-Abenteuern und Naturaufnahmen spezialisiert ist, wurde das Projekt zu einer besonderen Prüfung: Maskierte Fassadenkletterer bewarfen ihn von einem Dach im Salzburger Land mit Schnee, ein Fiesling im "Habergoass"-Ziegenkostüm klaute seine Mütze, Hexen trieben ihren Schabernack mit ihm. "Je mehr man sich mit diesen Bräuchen beschäftigt, desto fremder kommt einem das alles vor", sagt Peter.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Alptraum !!!!
gracie 26.10.2012
Jedes mal wenn ich das Wort mit P geschrieben sehe bekomme ich einen Albtraum, mit B !
2. Wunderschoen diese alten Braeuche so im Winter
papayu 26.10.2012
und im Vorfruehling. Von Vielem ist man abgekommen, anderes wurde kommerzialisiert.Kann mir z.B. nicht vorstellen, warum der Rottweiler Narrensprung zu Karneval stattfindet. War wohl verlegt worden wegen "Christi Geburt." Ging doch nicht, Jesus mit Boellern und Masken zu verschrecken. Seltsam Wintersonnenwende ist am 21. Dezember. Der ist bei dem Krach nervoes geworden und ausgeschluepft? Ja und diese angstmachenden Gewaender wurden uebernommen, etwas vereinfacht in Schwarz, Purpurrot und Gold und die Schuhe wurden rot! Und viele viele Unglaeubige mussten bezahlen, aha deswegen die roten Schuhe. Wers glaubt wird selig, wers nicht glaubt .....
3. Sie müssen deshalb nicht schlecht schlafen!
kawabiker82 26.10.2012
Zitat von gracieJedes mal wenn ich das Wort mit P geschrieben sehe bekomme ich einen Albtraum, mit B !
Laut Duden ist die empfohlene Schreibweise Albtraum, aber als alternative Schreibweise Alptraum genauso zulässig. Duden | Albtraum | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Synonyme (http://www.duden.de/rechtschreibung/Albtraum) Bitte echauffieren Sie sich also nicht über etwas, was durchaus korrekt ist.
4. Die Gute alte...
scumbrecht 26.10.2012
Walpurgisnacht. Es gibt sie ja doch noch
5. Heidnische Bräuche?
fmhummel 26.10.2012
Das einzige was an diesen Bräuchen heidnisch sein mag, ist dass sie erst durch den Einfluss der Nationalsozialisten von lokalen Eigenheiten zur im ganzen süddeutschen Raum verbreiteten Festen wurden. Ich weiß nicht, warum man für die Recherche zu so einem Buch - und wenn es auch nur ein Bildband ist - nicht einmal einen Volkskundler zu rate zieht. Der hätte dem Autor tüchtig den Kopf gewaschen, wenn es um die Bezeichnung eines Brauches als "heidnisch", "vorchristlich" oder "uralt" geht. Kurz zusammengefasst ist es nämlich blanker Unsinn so etwas anzunehmen. Es gibt keinen Beleg für eine Beziehung zu irgendwelchen, meist sowieso nicht bekannten, vorchristlichen Feiern, die sich irgendwie schlüssig belegen ließe.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Europa
RSS
alles zum Thema Weitwinkel
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Buchtipp