Romantikinsel Santorin: Alles wegen dieses Sonnenuntergangs

Von Helge Sobik

Keine steht so sehr für Romantik, wird von so vielen Verliebten bereist, von Honeymoonern gebucht: Santorin, die kitschigste Insel der Kykladen. Doch was lieben die Bewohner selber an ihrem einzigartigen Eiland? Eine Wirtin, ein Winzer und ein Hotelier erzählen.

Santorin: Der schönste Kitsch der Welt Fotos
Helge Sobik

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Sie passen auf den ersten Blick nicht mehr ganz in die Zeit. Trotzdem gibt es noch etwa 250 davon auf dieser Insel. Ihre Besitzer verdienen gut an ihnen, vermieten sie für bis zu 50 Euro pro Tag. Und das nicht an die vielen Fremden, sondern vielmehr an Einheimische: an die, die an schwierigster Stelle bauen wollen, wo mit Lastwagen, mit Kränen nichts zu wollen ist.

Die Maulesel sind es, die Santorins gewagte Bauvorhaben möglich machen - Hotels am Abhang, Restaurantterrassen über dem Abgrund in Oia, in Firostefani und Imerovigli - immer mit bestem Blick aus bis zu 300 Meter Höhe herab auf den gewaltigen Krater, auf die vorgelagerten Inseln Thirassia, Nea und Palea Kameni. Und auf den Sonnenuntergang.

Denn vor allem deswegen kommen die Fremden aus aller Welt hierher und sind plötzlich bereit, zehn Euro für ein gutes Glas Wein, 18 Euro für einen Salatteller, und über 300 Euro für ein Zimmer zu zahlen. Sie kommen, wegen der besonderen Aussicht von jenen drei Bilderbuch-Orten aus, sie sind da wegen jenes Romantik-Set-ups, das kein Hollywood-Filmemacher schöner inszenieren könnte.

Santorin, eine halbe Flugstunde von Athen entfernt und erst durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor rund 3600 Jahren in seine heutige Form gepresst, ist die Kykladen-Insel der Honeymooner, Urlaubsziel vor allem von Träumern, Romantikern, von Verliebten: weil hier die Kulisse stimmt. Weil sich schneeweiße Quaderhäuser und hellblaue Kuppeln an den Kraterrand des eingestürzten und längst mit Ägäis-Wasser gefüllten Vulkans von einst klammern, über dem Abgrund zu schweben scheinen und von dort jenen Bildband-Titelfoto-Ausblick bieten.

Bis Mitte Juni ist Zeit für einen Plausch

Tief unten zerschneiden Kreuzfahrtschiffe und stattliche Privatyachten die spiegelglatte See. Und abends ist es die Sonne, die im Tiefflug an Thirassia vorbeizieht und als glutroter Feuerball kitschig-schön an der Westspitze vor Oia im Meer versinkt.

Im Hochsommer sind es viele, die am Abend auf der Steilküsten-Seite der Insel diesen Zauber suchen - die Passagierscharen der manchmal zeitgleich fünf Kreuzfahrtriesen auf Reede, die Tagesausflugs-Touristen aus dem Badeort Kamari an der gegenüberliegenden Inselseite. Sie stehen sich beim Träumen gegenseitig im Weg.

In der Nebensaison bis Mitte Juni und wieder ab September ist das anders. Da entfaltet diese Insel ihren Flair. Und diejenigen, die es als Hotelier oder Gastwirt mit inszenieren, als Fremdenführer daran teilhaben, als Winzer für den Geschmack Santorins sorgen, können endlich selber durchatmen, haben wieder Zeit für einen Plausch - und erzählen, was sie an ihrer Insel so lieben.

Joy Kerluke zum Beispiel stammt aus Vancouver, ist seit über 20 Jahren hier, kam natürlich der Romantik und blieb der Liebe wegen. Sie verguckte sich in den Fischer Dimitri und machte kurzerhand eine Taverne mit ihm auf. Abseits vom ganz großen Rummel direkt an der Kaimauer des alten Fischerhafens Ammoudi: das letzte Haus, bevor die Felsen beginnen. Das Mittelmeer schwappt nur fußbreit von den Tischbeinen entfernt. Es duftet nach gegrilltem Hummer, nach Barrakuda mit frischen Kräutern, nach Dorade mit Dill und Zitrone. Und auf den Lippen liegt ein Hauch von Meersalz.

Wenn sie die Stille von vor 20 Jahren wieder haben will, steht Joy morgens früh auf, läuft den schmalen Pfad am Felsrand, der neben ihrer Taverne beginnt, bis zum Ende - und badet ganz allein im 22 Grad warmen Mittelmeer: "Du siehst von dort aus niemanden, hörst nur die Wellen gegen den Stein schlagen, kannst bis zum Grund schauen. Der Sonnenuntergang auf Santorin ist spektakulär - aber ich liebe vor allem ihren Aufgang, das Licht am Morgen."

Blick über den Pool auf den Krater

Paris Sigalas unterdessen ist die Tageszeit egal - Hauptsache er ist in der Nähe seiner Reben. Sein Lieblingsplatz ist unmittelbar vor der kleinen Kirche von Kira Panagia, auf einer Anhöhe ein paar Kilometer außerhalb von Oia - weil er so Gott nah sein kann. Und weil er von dort aus sein Weingut überschauen kann. 300.000 Flaschen, vor allem kräftig-harzigen Asirtiko-Athiri und süße Dessertweine, produziert der Winzer jedes Jahr.

Zu seinen Kunden gehört inzwischen sogar Spitzenkoch Alain Ducasse - und Hotelier Kostis Psychas, dessen traditionelles Höhlenhotel am Ortsrand von Oia keine drei Kilometer entfernt ist. Psychas hat seinem Koch vorgeschlagen, Rinderfilet in einer Soße aus Sigalas' süßem Vinsanto-Wein anzurichten. In den Genuss dieser kulinarischen Kreation kommen ausschließlich die maximal 40 Gäste von Psychas' Hotel "Perivolas Traditional Houses", denn sein Restaurant ist den eigenen Gästen vorbehalten. Und so schön das Setting unterm Sternenhimmel dort ist, mit Blick über den Pool auf den Krater, mit Kerzen und lauem Lüftchen - trotzdem sind dort allabendlich nur wenige Tisch besetzt.

Denn die meisten Urlauber speisen lieber auf den privaten Terrassen vorm Zimmereingang - und haben dort einen noch besseren Blick: erst auf den Sonnenuntergang über den Kuppeln und Würfelhaus-Dächern von Oia, dann auf die hell erleuchteten Kreuzfahrtschiffe mit ihren Lichterketten unten in der sichelförmigen Bucht. Das Hotel ist ein Honeymooner-Resort, und zu den Stammgästen zählt ausgerechnet der Dorfpriester - weil er immer wieder Hochzeiten auf der Terrasse neben dem Pool zelebrieren muss. Manche durchaus spontan.

Gewohnt wird bei Kostis Psychas wie vor Hunderten von Jahren: in Höhlen, die in den Fels der Kraterwand gegraben sind. Anfang der achtziger Jahre begann er mit Vater Manos und Mutter Nadia, einstige Vorratskammern im Fels, ehemalige Weinkeller ebenso wie die halb zerfallenen Quartiere mittelloser Fischer zu restaurieren und nach und nach mit vielen Ideen, mit weißer Farbe und himbeerfarbenen Kissenbezügen zu verwandeln.

Wo er seine Romantik findet? "Unten auf dem Wasser des Kraters", sagt er, "mit meiner Tochter auf unserem Boot. Und drüben, keine fünf Fahrtminuten entfernt, auf der vorgelagerten Insel Thirassia, wo sich der Blick umkehrt: auf Santorin, auf die Steilküste mit den schneeweißen Häusern. Und, als ganz kleine Punkte, auf all die Romantiker auf ihren Balkonen, Terrassen, Liegestühlen."

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insgesamt 12 Beiträge
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1. ....
schleppie 05.05.2011
Von Honeymoonern? Gehts noch?
2. sollen wir hier
janne2109 05.05.2011
der "wissenden" Hoteliersgattin, dem Winzer widersprechen oder wofür ist die Spalte gedacht??
3. Vorfreude
canUCme 05.05.2011
Ja, wir waren schon öfters dort und fliegen Anfang September wieder hin. Über die Jahre ist es touristisch belebter geworden, aber wenn man das 'wann und wo' kennt, kann man auch heute noch das alte Santorini mit all seinen Sinnesreizen finden. So wie auf fast allen griechischen Inseln. Die (berechtigte) Kritik an der Politik Griechenlands in allen Ehren, aber es bleibt ein wunderbares Land - und wunderbare Leute.
4. schöner platz
mattwaltone 05.05.2011
aber: unfassbare mengen plastikmüll, schrottautos und nachhaltigkeits-ignoranz. unverständlich, wenn die bewohner einer solch kleinen insel ständig damit konfrontiert sind und nichts dagegen tun. honeymoonern? ok bei bunte und gala. manche von euch redakteuren sollten mal die artikel aus eigenem hause lesen (denglisch).
5. Inselhopping Kykladen
jellykatze 05.05.2011
Ich liebe die Kykladen, besonders im späten Frühjahr. Da sind die Inseln noch sauber und die Griechen besonders freundlich. Im Herbst gibt es Mücken und die Griechen sind vom Tourismus abgeschlafft. Der Sonnenuntergang von Santorin ist vermarktet worden, aber nicht schöner als anderswo. 3 Tage Santorin sind genug, dann geht´s per Schiff zur nächsten Insel.
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Santorin
Die südlichste Kykladen-Insel Santorin (90 Quadratkilometer, rund 13.500 Einwohner) ist das neben Mykonos am besten erschlossene Eiland des Ägäis-Archipels. Badetourismus konzentriert sich auf die Strandorte der Ostküste, während die Westküstenorte Oia, Imerovigli, Firostefani und Fira die im Vergleich deutlich teureren Quartiere mit Aussicht hoch oben an der Steilküste bieten.
Flüge mehrmals pro Woche überwiegend via Nürnberg nach Santorin mit Air Berlin (www.airberlin.com), Tickets realistisch ab rund 220 Euro. Außerdem mehrmals täglich Flüge mit Aegean Airlines (www.aegeanair.com) von Athen aus. Tickets auf dieser Strecke oneway ab rund 60 Euro bei rechtzeitiger Vorausbuchung.

Im Hotel "Perivolas Traditional Houses" am Ortsrand von Oia kostet die Nacht ab rund 200 Euro pro Person (Tel. 0030/22860/71308, www.perivolas.gr.).
Günstiger ist z.B. das einfache Höhlenhotel "Lauda" am Kraterrand in Oia - ab rund 80 Euro pro Zimmer und Nacht (Tel.0030/22860/71157, www.lauda-santorini.com).